Mitte Juni durfte ich beim Grünen Tourismusgipfel im Bundestag zur Zukunft des Reisens in einer digitalen Gesellschaft referieren. Digitaler Wandel und Bundestag war Mitte Juni auch ein ganz aktuelles Thema (“Hackerangriff”).
Die 150 Gäste (darunter Vertreter aus der Politik, Verbänden und der Wirtschaft) durfte ich mit einer 10 minütigen Rede zum Digitalen Wandel und zwei Worldcafé-Workshops “Reisevertrieb im Zeitalter der Digitalisierung” beglücken.
Beim Grünen Tourismusgipfel: Prof. Dr. Daniel Metzler (Hochschule München), Michael Faber (Tourismuszukunft – Institut für eTourismus), Carsten Hasen (DStGB), Dr. Kathrin Bürgeln (Fahrtziel Natur/Deutsche Bahn), Markus Tresen (MdB der Grünen, Sprecher für Tourismuspolitik), Claudia Roth (MdB der Grünen, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages), Michael Cramer (MdEP, Vorsitzender im Ausschuss für Verkehr und Fremdenverkehr im Europaparlament), Dr. Robert Habeck (Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt & ländliche Räume, Schleswig-Holstein)
Nach fast fünf Jahren bei der Deutschen Zentrale für Tourismus, erst als Trainee, dann kurz als Referentin in der Presseabteilung und schließlich als Leitung des neuen Social Media-Bereiches, freue ich mich nun auf weitere Herausforderungen im Beraternetzwerk Tourismuszukunftund IDWS.
Warum Tourismuszukunft?
Ich glaube, das ist der allererste umfassende Blogbeitrag zu mir, Catharina Fischer. Obwohl ich natürlich seit einiger Zeit in diversen sozialen Kanälen unterwegs bin und an verschiedenen internationalen Konferenzen teilnehmen durfte, sowohl beruflich als auch privat, habe ich noch nie so umfassend über mich berichtet. Doch das ist auch bezeichnend. Bezeichnend für Tourismuszukunft. Ein Netzwerk aus verschiedenen MENSCHEN, Typen, Fachkenntnissen und langjähriger Erfahrung. Man tauscht sich aus, man teilt sein Wissen und man partizipiert an den spezifischen Interessen der anderen. Ein Arbeitsumfeld der Zukunft? Bestimmt. Für mich ein Arbeitsumfeld, wie es sein soll und wie es die gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen fördern sowie verlangen. Somit ist die Entscheidung für diesen nächsten Schritt relativ schnell und einfach gefallen.
Und wer bin ich?
Dieses Arbeitsumfeld passt auch zu mir und meiner Generation. Denn ich gehöre ja zu den vielbesprochenen und beschriebenen Millennials oder der Generation Y. Wer sind die bzw. wir bzw. ich? Wir sind zwischen 1980 und 2000 geboren. Soviel zum Alter. 🙂 Darüber hinaus teilen wir lieber, als dass wir etwas besitzen. Wir sind die „sharing economy“. Ich kann dem völlig zustimmen. Ich besitze weder ein Auto noch einen Fernseher noch eine große Stereoanlage mit den neusten Soundeffekten noch habe ich ein Fahrrad. Besitz ist mir nicht wichtig. Bevor wir kaufen, informieren wir uns ausführlich online, wir vergleichen Preise und lesen Empfehlungen anderer. Warum auch nicht? So viele Informationen sind mit nur ein paar wenigen Klicks zu bekommen und vereinfachen den Entscheidungsprozess ungemein. Ich nutze das ausgiebig. Wir interessieren uns für technologische Entwicklungen, also, wie man so schön sagt, die neuesten Trends. Sei es Software oder Hardware. Ich mag es auch besonders, diese einfach zu testen und selbst herauszufinden, wie ich sie am besten in meinen Alltag integrieren kann. Last but not least achten wohl viele von uns auf ihre Gesundheit und eine bewusste Ernährung. Auch hier passe ich völlig in das Marketingbild dieser Generation. Ich bin Veganerin und fühle mich nicht gerade wohl, wenn ich mal mehr als drei Tage keine körperliche Betätigung hatte. Letztlich brauche ich das auch zum Ausgleich.
Warum erzähle ich Euch das alles? Weil es mich zu der Person macht, die dieses Netzwerk (so mein Wunsch) vor allem auch international noch breiter aufstellen möchte. Weil ich mit dem Internet, den sozialen Medien, den rasanten technologischen Entwicklungen groß geworden bin. Ich sehe die Zukunft als herausfordernd, aber nicht als beängstigend. Ich möchte die Zukunft, somit die im Tourismus und darüber hinaus, mitgestalten und ich glaube, dass mir meine langjährigen Erfahrungen in der digitalen Welt dabei sehr gut behilflich sein werden. Ich durfte in den letzten 4 Jahren eine komplett neue Abteilung aufbauen. Eine Abteilung, die die Aufgabe hat, vor allem durch die sozialen Medien Endverbraucher bzw. Reisende zu erreichen, zu informieren und dazu zu motivieren, nach Deutschland zu kommen. Für viele waren die sozialen Medien vor 4 Jahren ausschließlich ein Ort, wo man Freunde „trifft“, aber nicht Marketing betreibt. Vieles hat sich verändert – und das ist gut so. Somit gehe auch ich einen Schritt weiter und freue mich, die digitale Zukunft mitgestalten zu können.
Wie kann das aussehen und in welchen Bereichen?
Innerhalb des Social Media-Marketings konnte ich speziell in den Bereichen internationale Blogger Relations bzw. Influencer Marketing sowie im Facebook-, Instagram- und Twitter-Marketing zahlreiche Erfahrungen sammeln. Innerhalb verschiedener internationaler Kampagnen stand ich mehrfach vor der Herausforderung, diese Plattformen zielführend zu nutzen, zu bewerben und zu verknüpfen. Des Weiteren beschäftige ich mich seit mehr als zwei Jahren eingehend mit der Produktion von Bewegtbild und dessen Vermarktung. Das beinhaltet aufwändigere Produktionen, aber auch on-demand oder in „Echtzeit“ erstelltes Videomaterial. Bewegtbild sehe ich als erfolgsentscheidend innerhalb eines zukunftsweisenden Marketings. Ein zielgerichtetes Monitoring und die Analyse von Social Media und crossmedialen Kampagnen begleiten mich seit Beginn meiner beruflichen Laufbahn. Ich hatte die Möglichkeit, diverse Tools auszuprobieren und verschiedene Ansätze innerhalb des internationalen Marketings zu entwickeln. Denn eines war mir schnell bewusst: „Without data you’re just another person with an opinion.“ (W. Edwards Deming) und die wollte ich natürlich nicht sein.
Auf die Zukunft und viele spannende, herausfordernde und gerne auch grenzüberschreitende Projekte!
Wie ihr wisst, beschäftige ich mich seit längerem mit dem Thema eLearning. Sowohl die Präsentationen auf der ITB als auch das USB-Coach Projekt allgemein wurden schon mehrfach angeschnitten. Heute möchte ich euch den nächsten Schritt vorstellen, der -auf Basis der vor langer Zeit einmal erkannten Probleme– eingeschlagen wurde:
Eine Branche verschläft den digitalen Wandel… das ist grundsätzlich nichts Neues. Wie kennen das aus dem Tourismus, aber auch andere Branchen verkennen die Zeichen die Zeit. Vergangene Woche fand die AkTf-Tagung „Auto, Brille, Fon und Drohne – Neues Reisen im 21. Jahrhundert?!“ in Eichstätt und Neuburg statt. Im Rahmen dieser Tagung präsentierte der vermeintliche Technologieführer Audi (Vorsprung durch Technik) seine Vision vom pilotierten Fahren und ihre Zukunft der selbstfahrenden Autos. Warum diese Vision aus unserer Sicht nicht zukunftsfähig ist, zeigt dieser Blogbeitrag.
Wie Audi denkt?
Audi nimmt das Thema pilotiertes Fahren ernst. Es ist ein zentrales Technologie-Thema und wird mit Nachdruck im Vorseriencenter getestet. Sensoren sind bereits jetzt in den Automobilen vorhanden. Erste Funktionen wie Einparkhilfen sind bereits im Auto verbaut – weitere Hilfestellungen sind in der Planung und stehen kurz vor der Einführung in der Oberklasse (d.h. A8):
– Stau-Assistent: Übernimmt das Stop-and-Go z.B. im Stau auf der Autobahn.
– Parkhaus-Assistent: selbstständiges Fahren & Einparken in Parkhäusern
Darüber hinaus gibt es einige öffentlichkeitswirksame Projekte wie z.B. das sportlichste selbstfahrende Auto der Welt.
Ziel ist es hier darzustellen, dass pilotiertes Fahren auch schnell und sportlich stattfinden kann und Audi diese Technologie im Griff hat.
Welchen Fehlannahmen unterliegt Audi?
Audi geht davon aus, dass das Fahren ein zentraler Bestandteil der zukünftigen Mobilität im Kontext selbstfahrender Autos ist und entwickeln und positionieren auch selbstfahrende Autos mit althergebrachten Attributen. Wie sie selbst schreiben, werden sie immer den Fahrer und das Fahren in den Mittelpunkt stellen:
Audi wird niemals Roboterautos bauen, sondern immer den Fahrer in das Zentrum der Entscheidung setzen.
Wir wissen bereits heute, dass der Fahrer das Hauptproblem im Autoverkehr ist. Mehr als 90% aller Unfälle sind auf menschliches Versagen zurückzuführen – in einer alternden Gesellschaft wird dieser Anteil sicher noch steigen.
Sollten selbstfahrende Autos auf den Straßen unterwegs sein und beweisen, wie das bereits die Google Autos in den Tests tun, dass sie fehlerfrei agieren, wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis die Regulationsregime das aktive Fahren unterbinden werden.
Im Mai 2015 präsentierte Google eine Unfallbilanz. Google hat nach eigenen Angaben mehr als 20 Fahrzeuge im Einsatz. Diese haben in den vergangenen sechs Jahren mehr als 2,7 Millionen Kilometer zurückgelegt, davon gut 1,5 Millionen Kilometer computergesteuert. Während dieser Zeit sei das Google-Auto in elf Unfälle verwickelt gewesen. Dabei habe es sich um Blechschäden gehandelt. Menschen seien nicht verletzt worden. An keinem der Unfälle sei das selbststeuernde Auto schuld gewesen.
Aktives Fahren wird vor diesem Hintergrund zum (touristischen) Erlebnis, zum Event der neuen Art z.B. auf abgegrenzten Rennstrecken unter Begleitung. Autos im normalen Straßenverkehr sind dann hingegen reine Transportmittel ohne jeglichen Fahrspaß – was bringen dann noch die Attribute wie sportlich?
Warum andere Unternehmen den Wandel besser verstehen?
Wie wir aus anderen Branchen wissen, sind per se nicht-digitale Akteure mit den Logiken der digitalen Welt überfordert. Die digitale Welt ist durch Kollaboration, Offenheit und Schnittstellen gekennzeichnet. Traditionelle Unternehmen denken in Patenten, Geheimhaltung & Konkurrenz.
In Zukunft werden selbstfahrende Autos miteinender kommunizieren (müssen), um Unfälle zu vermeiden, aber auch den Verkehr fließen zu lassen. In Folge sind gemeinsame Standards & Schnittstellen zentral. Es gab und gibt hier zwar Ansätze wie z.B. Car2Car oder V2V, allerdings immer nur mit ausgewählten Automobilherstellern und mit beschränkter Leidenschaft. Eine wirkliche Offenheit und Kollaboration, wie es im digitalen Kontext notwendig ist, findet unter den etablierten Herstellern nicht statt.
Tesla macht es vor, dass es auch anders geht… Sie haben alle Patente der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt:
Tesla Motors wurde gegründet, um das Aufkommen von nachhaltigen Transportmitteln zu beschleunigen. Falls wir einerseits erfolgreiche Elektrofahrzeuge entwickeln, aber andererseits rechtliche Minen legen, um andere vom Markt abzuhalten, würden wir gegen dieses Ziel verstoßen. Daher wird Tesla keine Patentklagen gegen Andere anstrengen, die unsere Technologien in gutem Glauben anwenden möchten.
Für klassische Automobilhersteller unvorstellbar – und darin liegt auch das große Problem. Für Google und Co. sind diese Prinzipien hingegen Alltag – Schnittstellen, Kooperation und Open Source gelebte Realität. In Folge werden sie auch viel einfacher globale Standards setzen können, so wie sie das in vielen anderen Bereichen schon getan haben. Audi und Co. müssten ihre komplette Unternehmensphilosophie ändern um in diesem Wettbewerb zu bestehen… und das wird nicht passieren…
Das Google Auto
Und was das für den Tourismus heißt?
Autonome selbstfahrende Autos werden kommen: das steht für uns fest. In anderen Bereichen des touristischen Transports kennen wir diese Technologie bereits (Autopilot im Flugzeug oder den ICEs). Neue U-Bahnen funktionieren bereits fahrerlos.
Wir werden zudem in Zukunft unsere Autos nicht mehr besitzen müssen… warum denn auch? Mit digitalen Diensten à la Uber können wir uns ein beliebiges selbstfahrendes Auto bestellen und am Zielort aussteigen – das Auto wird dann vom nächsten Kunden benutzt (Collaborative Consumption). Das Auto als Statussymbol verliert jetzt schon kontinuierlich an Relevanz. Die Folge ist klar: deutlich weniger Autos werden benötigt, da sie ja ständig in Betrieb sein werden – auch kein schönes Zeichen für die Massenhersteller, oder?
Für den Tourismus heißt dies, dass Car Sharing-Konzepte nicht nur in einzelnen Destinationen wie im Hochschwarzwald Realität werden. Wir werden mit dem geliehenen Auto in den Urlaub gefahren werden und dort wohl mit einen anderen Auto unsere Ausflüge machen – und das mit weniger Stau, ohne Stress und mit viel Quality Time mit der Familie. Sind das nicht tolle Aussichten?
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