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Smart City, Smart Country, Smart Lebensraum

Vor zwei Jahren war ich, Kristine, auf der Smart Country Convention in Berlin und wie mein damaliger Rückblick zeigt, war ich von dieser Messe/Konferenz sehr angetan. Gerade der Blick über den Tellerrand tat gut. Dieses Jahr nun: Smart Country Convention komplett digital. In drei Streams ging es am 26. und 27. Oktober erneut um die Digitalisierung von Staat und Verwaltung: am Dienstag lag der Schwerpunkt auf E-Government, am Mittwoch auf Smart City.

 

Ich war nur am Mittwoch bei der Smart Country Convention – und entdeckte dabei sehr viele Themen und Inhalte, die auch in unseren Beratungen und Projekten immer wieder eine Rolle spielen.

 

Her mit den Daten

Dass die Verwaltung und die Städte gar nicht so anders ticken als der Tourismussektor wurde vor allem beim Thema Daten deutlich: Daten sammeln, Datensilos öffnen, Daten auswerten, Daten mit anderen Daten kombinieren, Daten tatsächlich nutzen – über all das reden wir auch im Tourismus. Und das ist auch wenig verwunderlich; sind doch die touristischen Destinationsstrukturen in den meisten Fällen in die öffentlichen Strukturen ein- oder zumindest eng angegliedert. Auch auf Datenebene existiert keine klare und sinnvolle Trennung zwischen „kommunalen Daten“ und „touristischen Daten“. Es gibt eine unglaublich große Schnittmenge.

The sky is the limit - das Team von Realizing Progress

Her mit euren Daten! (Foto: Greg Snell)

Umso wichtiger, dass hier Synergien genutzt werden, offen gedacht, gearbeitet und miteinander kooperiert wird!

 

Digitalisierung für Nachhaltigkeit

Ein deutlich größeres Thema als noch vor zwei Jahren: Die Nachhaltigkeit. Hier haben wir ein Feld, in welchem schon vieles deutlich über die reine Datensammlung hinausgeht. Und in welchem sich durch kluges Bündeln, Auswerten und Interpretieren bereits deutliche Mehrwerte und vielseitige Einsatzzwecke auftun. Sei es, um Energie zu sparen, um die passenden Dächer für Solaranlagen zu finden, um konkrete Klimaveränderungen zu interpretieren, etc.

Nachhaltigkeit hat viele Ebenen. (Foto: Greg Snell)

Auch im Tourismus nimmt das Thema Nachhaltigkeit – endlich! – Fahrt auf. Und hier können ähnliche Ansätze eine nachhaltige Entwicklung unterstützen. Denke nur an alle Maßnahmen rund um das Stichwort Besucherlenkung. Genauso sind Mobilität und Verkehrsplanung Beispiele dafür, die im Sinne einer Lebensraum-Denkweise den Tourismus genauso treffen wie die lokale Verwaltung. Und welche nachhaltig (ökologisch, sozial, ökonomisch!) ausgerichtet werden müssen. Darüber hinaus ist ebenso die Ebene der nachhaltigen Erlebnis- und Produktgestaltung betroffen. Auch hier bieten sich vielfältige Möglichkeiten, Daten sinnstiftend einzusetzen.

Tipp: Schau gerne in diese beiden Blogposts bei uns noch mal rein. Hier bekommst du einige Anregungen zum Thema Nachhaltigkeit, auch ganz losgelöst von Daten: Einsteigen, anfangen und vorankommen sowie Nachhaltigkeit in der Touristik: Wartet nicht auf den Kunden.

 

Das Autothema

Mal noch kurz ein Nachschlag zur Nachhaltigkeit. In vielen Vorträgen und Diskussionsrunden der Smart Country Convention war mich folgendes auffällig: Meist, wenn es um das Thema Verkehr ging, kamen Themen wie Parkplatzsuche, Staus, Ladesäulen für Autos. Gesucht wurden Lösungsmöglichkeiten rund ums Automobil. Dass die Problemlösung weniger in Sensoren und Co für die perfekte Parkplatzsuche, sondern eher in einem neu gedachten ÖPNV, einer anders geplanten Stadt liegen könnte, kam zwar auch vor, in meiner Wahrnehmung jedoch deutlich seltener (vielleicht war ich aber auch in den falschen Panels). Schade eigentlich. Immerhin wurde noch einmal deutlich gemacht, dass es im städtischen und ländlichen Raum unterschiedliche Anforderungen gibt und gerade der ländliche Bereich hier oft zu kurz kommt.

Mitnahmebank

Ob hier tatsächlich jemand vorbeikommt? (Foto: Greg Snell)

Hier würde uns oft ein Blick über den deutschsprachigen Tellerrand hinaus gut tun! Was Städte wie Paris oder Kopenhagen in den letzten Jahren angestoßen haben, ist beeindruckend und inspirierend! Vielleicht ist das Thema nachhaltige, zukunftsfähige Mobilität aber auch ein Bereich, in dem der Tourismus mehr Kompetenzen, mehr Vorstellungskraft und konstruktive Ideen hat, als man auf den ersten Blick meinen könnte. Obwohl Mobilität kein kerntouristisches Thema ist, erleben wir es in unseren Beratungsprozessen immer wieder, dass es die Destinationen sind, die Impulse in ihren Regionen setzen und so nach innen wie außen zu einer gelingenden Gestaltung eines attraktiven Lebensraumes beitragen.

 

Gemeinsam seid ihr stark

Gemeinsam anpacken, gemeinsam Herausforderungen angehen. (Foto: Greg Snell)

Wichtiges Thema, welches auch uns in allen Prozessen begleitet: Die Einbindung von den diversen Akteur*innen und der lokalen Bevölkerung. Dabei geht es um Transparenz („Was machen die da eigentlich?“), um Einbindung („Welche Ideen hast du zu diesem Thema?“), um das Bewusstmachen der Vorteile („Was habe ich davon?“) und um Empowerement („Ich will und kann da mitgestalten!“).

Hier sind wir in den Regionen und Orten endgültig an dem Punkt angekommen, an dem es keinen Unterschied zwischen Tourismus und kommunalen Themen mehr gibt. Entweder es gelingt, eine funktionierende interne Kommunikation über alle Ebenen herzustellen und eine konstruktive, offene Kultur des Miteinanders zu etablieren – oder eben nicht. Und davon ist der Tourismus genauso betroffen wie alle anderen Bereiche.

Der Tourismus kann nicht ohne die öffentlichen Strukturen, aber auch nicht ohne die angrenzenden Branchen, wie Einzelhandel, Dienstleistungsgewerbe, regionale Produzenten etc.. Genausowenig kann aber die lokale und regionale Entwicklung – auf sozialer, ökonomischer und ökologischer Ebene – ohne die gestaltende Kraft des Tourismus, oder weiter gefasst der Freizeitraumbewirtschaftung, gelingen. Für eine langfristig positive Entwicklung führt einfach kein Weg an einer integrierten Lebensraum-Perspektive vorbei, in der die Bedürfnisse aller Stakeholder – von der lokalen Bevölkerung über die Wirtschaft, bis hin zu den Gästen – abgewogen und permanent ins Gleichgewicht gebracht werden.

 

Ganz wichtig: Technik nicht um der Technik willen

In so ziemlich allen Sessions wurde immer wieder darauf hingewiesen, Dinge nicht wegen einer kompletten Technikfixiertheit zu tun, sondern immer mit dem Blick auf: „Was ist mein Problem, das ich lösen möchte? Welche Möglichkeiten habe ich, dieses zu lösen?“

Also nicht andersherum: „Ich habe einen Hammer, wo ist ein Nagel?“

Technik kann die Lösung sein. Muss es aber nicht. (Foto: Greg Snell)

An der Stelle noch ein Hinweis darauf, was Smart City eigentlich bedeutet. Wikipedia meint dazu:

Smart City ist ein Sammelbegriff für gesamtheitliche Entwicklungskonzepte, die darauf abzielen, Städte effizienter, technologisch fortschrittlicher, grüner und sozial inklusiver zu gestalten. Diese Konzepte beinhalten technische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Innovationen.

Diese Sicht bedeutet auch, dass es vielleicht nicht irgendwelche gesammelten Daten sind, die ein Problem bestmöglich lösen können. Oder dass es vielleicht nicht das gigantische, supercoole, mega Projekt sein muss, sondern manchmal schon kleine Schräubchen, an denen in die richtige Richtung gedreht wird, viel bewirken.

 

Was heißt denn nun „Lebensraum“?

An verschiedenen Stellen in diesem Beitrag steht etwas von der Lebensraum-Perspektive, der Lebensraum-Denkweise. Was verbirgt sich dahinter?

Ein Blick auf diese Lebensraum-Map kann helfen, bildet sie doch die verschiedenen Elemente von ganzheitlichen Tourismus- und Wirtschaftsräumen ab:

Lebensräume – Ganzheitliche Tourismus- und Wirtschaftsräume (CC-BY 2.0 Realizing Progress)

Zu viel? Zu verwirrend? Was soll das? Florian hat in einem früheren Blogbeitrag das Thema Lebensraum schon einmal etwas genauer eingeordnet. Schau gerne mal rein.

 

Unterm Strich bleibt nach der Smart Country Convention zu sagen: Bleibt offen für verschiedene Lösungen. Denkt nicht in Grenzen: Ganz egal, in welcher Branche oder in welchem Segment ihr arbeitet – bringt euch mit euren Ideen und Kompetenzen für eine gute, nachhaltige Gestaltung eurer Lebensräume ein!

 

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Realizing Progress – wir gestalten den Wandel
Veränderung ist die zentrale Herausforderung und Chance unserer Zeit. Realizing Progress gestaltet diesen Wandel und begleitet Akteur*innen, die sich mit der Zukunft von Tourismus, Standorten und Lebensräumen beschäftigen. Als internationales Netzwerk mit Partner*innen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol eint uns die Vision einer offenen, nachhaltigen Welt. Als Visionär*innen mit ganzheitlicher Perspektive setzen wir uns für die Gestaltung von Zukunfts- und Lebensräumen über den Tourismus hinaus ein.

Kristine Honig

... ist seit Mai 2014 Netzwerkpartnerin und Beraterin bei Realizing Progress. Sie denkt strategisch – und spricht gleichzeitig die Sprache deiner Akteur*innen. Deshalb ist sie die perfekte Sparringspartnerin, um gemeinsam mit dir deine Strategie zu erarbeiten und diese danach ins Operative zu übersetzen. Ihre Themen sind Zielgruppen, Stakeholder & Produktentwicklung sowie generelle Strategieprozesse und Barcamps.