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Lebensraumentwicklung gut und schön – aber wie umsetzen?

Von der Lebensraumperspektive haben wir hier im Blog schon öfter geschrieben. Dabei ging es einmal um die Utopie vom Lebensraum, der uns alle glücklich macht, ein andermal haben wir dir verschiedene Fragen zum Thema Lebensraum mit auf den Weg gegeben. Aber wie setzt man dies nun um? Wo fängt man an?

Gerne möchten wir dir hierbei helfen und skizzieren dir deshalb in diesem Beitrag ein mögliches Vorgehen, wie du zu ganz konkreten Maßnahmen für deine eigene, individuelle Lebensraumperspektive kommst.

In zwei offenen Workshops „What the Lebensraum?“ im März und April haben Anna & Andrea sowie Christoph & ich uns den Fragen gemeinsam mit euch gewidmet. Hierauf baut dieser Beitrag auf. In den Workshops hatten wir nur anderthalb Stunden Zeit. Um ganz konkret deine eigene Perspektive und deine eigenen Maßnahmen zu entwickelt, musst du definitiv tiefer eintauchen.

 

1. Klarheit bekommen: Was bedeutet Lebensraumperspektive?

Fragt man einmal, welche Stichworte Menschen im Tourismussektor beim Thema Lebensraum einfallen, fallen in erster Linie folgende Begriffe (Klick auf diese und alle weiteren Grafiken für eine größere Anzeige):

Workshop 1 „What the Lebensraum?“

Workshop 2 „What the Lebensraum?“

Auf den ersten Blick sind hier viele allgemeine und eher emotionale Begriffe zu finden: Wohlfühlen, Lebensqualität, Freude, Authentizität, Heimat, Akzeptanz, Miteinander. Du brauchst dies konkreter. Bevor du dich damit beschäftigst, was die Lebensraumperspektive für dich und deine Arbeit bedeutet, ist es notwendig, tiefer in diese Materie einzutauchen.

Frag dich:
Verstehe ich den Begriff Lebensraumperspektive
und seine Bedeutung?

Auf unserer Seite zum Lebensraum-Management haben wir einige vertiefende Informationen für dich aufbereitet, inklusive diverser relatierter Blogposts. Schau hier einmal ganz in Ruhe durch.

 

2. Handlungsfelder identifizieren

In unserem Workshop haben wir die Teilnehmenden unsere impulse4travel Lebensraum Map gezeigt und sie gebeten, grüne Punkte auf die für sie relevanten Themen und Handlungsfelder zu verteilen und schwarze Punkte auf die irrelevanten.

Das Ergebnis:

Workshops „What the Lebensraum?“ – relevante Handlungsfelder

Was deutlich wird: nahezu alle Themenfelder werden als relevant identifiziert. Die schwarzen Punkte wurden zum Teil im Sinne von „irgendwo muss ich ja auch noch einen schwarzen Punkt platzieren“ gesetzt (beispielsweise bei der „Globalisierung“ als direktem Gegenpart zur als überaus relevant bestimmten „Regionalität“). Der Megatrend „Gendershift“ wurde stark mit genderneutraler Sprache assoziiert. Letztlich geht es hierbei jedoch ebenso um das Aufbrechen tradierter Rollen, um mehr Diversität in Wirtschaft und Politik sowie gendergerechte Kommunikation und Angebote. Liest man dies, wird der Part plötzlich ebenso relevant.

Kurz: Letztlich spielen tatsächlich alle Megatrends und Perspektiven eine Rolle. Allerdings sind diese je nach Stadt bzw. Region und den bestehenden Rahmenbedingungen unterschiedlich ausgestaltet.

Frag dich:
Wie ist der aktuelle Status für die einzelnen Themenfelder bei mir
und welche Zielvorgaben sehe ich für diese?

Geh in Ruhe all die Punkte auf der impulse4travel Lebensraum Map durch – die großen wie die kleinen. Notiere dir alles, was dir hierzu einfällt: Aktuelle Maßnahmen und Projekte. Offene Fragen. Ideen. Beispiele anderer.

Definiere jeweils ein oder mehrere Ziele für die verschiedenen Handlungsfelder: Wie sollen diese im Sinne der Lebensraumperspektive zukünftig gestaltet sein?

 

3. Bewusstsein für die Chancen entwickeln

Um andere von der Lebensraumperspektive überzeugen zu können, musst du erst einmal selbst von dieser überzeugt sein.

Die Ergebnisse unserer Workshops, welche Chancen sich in dieser Ausrichtung verbergen, siehst du hier. Findest du dich selbst hierin wieder? Welche weiteren Chancen nimmst du diesbezüglich wahr?

Frag dich:
Was sind konkrete Chancen
für meine bereits definierten Handlungsfelder?

Erweitere am besten deine eigene Übersicht der Handlungsfelder und ihrer Ziele mit jeweils hieran gekoppelten Chancen.

 

4. Bewusstsein für die Herausforderungen entwickeln

Die Lebensraumperspektive ist allerdings nicht nur eitel Sonnenschein. Und so stehen den Chancen – gerade zum derzeitigen Zeitpunkt – ebenso noch viele Herausforderungen gegenüber:

Aspekte, welche hier besonders auffallen:

  • Der Zeitfaktor: Wie schaffe ich es, mich regelmäßig weiterzubilden und über all diese Handlungsfelder zu informieren? Wie nehme ich die Zeit zum Austausch mit allen her?
  • Der Gemeinsamkeitsfaktor: Wie schaffe ich es, tatsächlich die externen Akteur*innen einzubinden? Wie schaffe ich es, dass alle Gehör finden? Großes Stichwort hierbei: Tourismusakzeptanz.

Zu ersterem Punkt fällt mir direkt ein Satz ein, den ich oft im Zusammenhang mit dem Thema Fokus verwende: „Es ist nicht nur wichtig, was du tust. Fast noch wichtiger ist, was du nicht mehr tust.“ Wenn du mehr Zeit für etwas aufwenden willst, muss diese Zeit woanders herkommen. Was kann reduziert werden (bspw. innerhalb der Marketingaktivitäten)? Was ist eigentlich gar nicht deine Aufgabe, sondern liegt an sich eine Organisationsebene über oder unter dir?

Frag dich:
Was sind konkrete Herausforderungen
für meine bereits definierten Handlungsfelder?

Erweitere deine Übersicht der Handlungsfelder und ihrer Ziele wie bereits mit den Chancen ebenso mit jeweils hieran gekoppelten Herausforderungen.

 

5. Entwicklung konkreter Maßnahmen

Du bist die verschiedenen Handlungsfelder durchgegangen. Hast ihren aktuellen Status, Chancen und Herausforderungen zu ihnen notiert. Welche konkreten Maßnahmen ergeben sich hieraus? Vermutlich sind dir bereits bei den obigen Arbeitsschritten ganz viele Ideen gekommen.

Frag dich:
Welche ganz konkrete Maßnahmenideen
ergeben sich hieraus?

Was im Rahmen unserer Workshops auffiel: Es müssen nicht immer die riesengroßen Maßnahmen sein. Auch kleine Schritte bringen das Thema voran. Beispiele gewünscht?

  • Berührungspunkte schaffen zwischen Gästen und Einheimischen: Das kann eine Tourist-Information sein, die über ein attraktives Café verfügt. Das kann ein offener Coworking-Space sein. Oder angebotene Rundgänge mit Einheimischen.
  • Dank an die Einheimischen: Führe eine Lange Nacht oder einen Offenen Tag der Tourist-Info für die Einheimischen durch. Biete Einheimischen die Möglichkeit, sich kostenlos die touristischen Angebote vor Ort anzuschauen, sodass sie diese selbst besser verstehen können. Feiere ein gemeinsames Abschlussfest nach der stressigen Saison.
  • Feedback der Einheimischen einholen: Führe eine Umfrage durch, damit nicht nur die Lauten zu Wort kommen. Sorg für die öffentliche Information über geplante Maßnahmen – sowohl online über Website und Social-Media-Kanäle der Stadt und Region, aber auch offline, über Aushänge oder Informationsveranstaltungen auf dem Marktplatz.
  • Naturschutz: Schaff Wegekonzepte und ein Management der Besuchenden, welche Einheimischen, der Natur und den Gästen gleichermaßen zu Gute kommen. Kommuniziere Mehrwerte („dieser Weg ist kürzer und sicherer“) statt Verbote („auf diesem Weg störst du die brütenden Vögel“).
  • Aufgaben klar aufteilen: Neue Funktionsbeschreibungen für die Mitarbeitenden in touristischen Organisationen sind wichtig. Ebenso eine engere Kooperation mit Regionalmanagement und Wirtschaftsförderung (längerfristig gesehen vielleicht sogar in Form einer gemeinsamen Organisationsstruktur?).

 

6. (bzw. 1.) Austausch & Zusammenarbeit

Viele Ideen stehen auf deinem Papier. Aber ging es nicht um das Gemeinsame? Den Austausch? Genau. Eine Lebensraumperspektive für deine Stadt oder deine Region entwickelst du nicht alleine am Schreibtisch. Dies hilft dir vor allem, selbst mehr Klarheit für das Thema zu finden.

Um eine Lebensraumperspektive tatsächlich in die Umsetzung zu bringen, brauchst du alle Akteur*innen mit am Tisch. Was hierfür notwendig ist:

  • Klarheit über die wesentlichen Akteur*innen: Die Lebensraumperspektive geht deutlich über deine gewohnten Partner hinaus. Weißt du beispielsweise, welcher Verkehrsverbund und Bürgerverein, welche Mitarbeitenden der Wirtschaftsförderung und welche ehrenamtlichen Helfer*innen bereits in relevanten Themenbereichen aktiv sind? Genau diese musst du mit an den Tisch holen, um eine tragbare Lebensraumperspektive zu entwickeln.
  • Hol dir Inspiration: Schau dir an, was andere machen. Nimm an entsprechenden Angeboten und (Online-)Präsentationen oder Tagungen teil. Tausch dich mit Vereinen und Verkehrsunternehmen aus.
    Natürlich möchten wir dich an dieser Stelle gerne auch noch mal auf unsere Open Week (28.5.-4.6.22 in Fischen im Allgäu) hinweisen. Denn Inspiration und Know-how rund um die Lebensraumperspektive bekommst du hier auf jeden Fall.

Und dann geht die richtige Arbeit erst los. Gemeinsam gilt es, konkrete Handlungsfelder zu identifizieren, Ziele festzulegen, Chancen und Herausforderungen ebenso wie relevante Akteur*innen zu benennen sowie ganz konkrete Aufgaben und Maßnahmen hiervon abzuleiten. Und dabei auf keinen Fall vergessen: Es sind immer auch die vielen kleinen Schritte, die wichtig sind. Fang am besten schon morgen damit an.

Wir sind sicher: Der Aufwand lohnt sich.

Und vielleicht sehen wir uns ja tatsächlich auch bei der Open Week und können dies miteinander weiter diskutieren?

In unserer OpenWeek diskutieren wir mit Euch über Lebensraum-Konzepte.

Open Week (CC BY-SA Allgäu GmbH, Christiane Glöggler)

 

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Kristine Honig

... ist seit Mai 2014 Netzwerkpartnerin und Beraterin bei Realizing Progress. Sie denkt strategisch – und spricht gleichzeitig die Sprache deiner Akteur*innen. Deshalb ist sie die perfekte Sparringspartnerin, um gemeinsam mit dir deine Strategie zu erarbeiten und diese danach ins Operative zu übersetzen. Ihre Themen sind Zielgruppen, Stakeholder & Produktentwicklung sowie generelle Strategieprozesse und Barcamps.