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Workation – was es ist und Potenziale des Trends (Teil 2 Workation Serie)

Mit Laptop auf dem Schoß in der Strandbar arbeiten – ist das Workation? Möglicherweise. Muss aber nicht. Denn die Verbindung von Leben, Arbeiten und Urlaub ist vielfältig und ein Trend, der sowohl Tourismus und Arbeitswelt auf einem neuen Level berührt.

  • In Teil 1 unserer Serie hatte Pascal einen Rückblick gegeben in unsere Workation “Camp & Work”, die im August 2021 in Interlaken stattfand.
  • Heute schaue ich mit dir nochmal allgemeiner auf den Trend und zeige dir die Potenziale auf für Regionen, Hotels, Reiseveranstalter*innen und Leistungsträger*innen inklusive Beispiele.
  • Zuletzt gibt es noch Tipps, worauf es ankommt, damit man den Trend für sich nutzen kann.

Was ist “Workation”?

“Workation” meint im Kern die Verbindung von Urlaub und Arbeit. Früher war das noch eine Utopie für digitale Nomaden, die am Strand von Bali ihr Online-Business hochziehen. Doch seit Corona ist Workation eine echte Option für die Schreibtischgesellschaft. Egal ob Selbständige oder Festangestellte.

Der Hintergrund unter anderem: Arbeitgeber müssen neue Anreize bieten, um Talente anzulocken und zu halten. Obstkörbe und Fitnessabos reichen nicht mehr. Die coolen Büros mit schicker Einrichtung verlieren seit Corona auch zunehmend die Attraktivität.
Die Zusicherung auf Homeoffice oder sogar mal ein oder zwei Wochen im Jahr auf einer Hütte in den Bergen arbeiten zu können klingen da schon besser – weshalb immer mehr Arbeitgeber mit mehr Flexibilität locken. In der Touristik verkündete jüngst die TUI, dass das Team auch am Strand arbeiten können solle.

Workation stellt eine neue Form des MICE-Tourismus dar. Es geht dabei nicht primär darum, dass ganze Teams eine Woche miteinander verreisen. Treiber des Trends sind aktuell eher Individualreisende bzw. selbstorganisierte Kleingruppen.

Potenziale für den Tourismus

Im Impulse4Travel-Manifest haben wir es bereits aufgenommen: Workation wird in den kommenden Jahrzehnten zu einer relevanten Reiseform. Denn sie bringt nicht nur mehr Lebensgefühl für Angestellte mit sich, sondern auch große Potenziale für Regionen und Leistungsträger*innen.

Diese vier Aspekte sind dabei aus unserer Sicht hervorzuheben:

1. Nebensaison nutzen

Die Betten sind im Sommer voll, im Herbst aber leer? Perfekt! Für Workationists kann genau diese Zeit attraktiv sein. Zu viel Trubel ist eh nicht gut, wenn man sich auch mal konzentrieren möchte.

2. Neue Zielgruppen erschließen

Wer die Destination schon im Herbst beim Arbeiten erlebt hat, möchte vielleicht im Sommer mit der ganzen Familie für den Urlaub wieder kommen. Wichtig: wer schon vor Ort ist, sollte einen Anreiz erhalten, wieder zu kommen – Stichwort Kommunikation und Kund*innenbindung.

3. Kontrapunkt zu Fast Tourism schaffen

Bei einer Workation bleiben Gäste länger und werden “zu Einheimischen auf Zeit”. Egal ob durch den morgendlichen Gang zum Bäcker, den täglichen Spaziergang im Park oder das abendliche Auspowern in der Kletterhalle. Workationists tauchen tiefer ein und gehen dadurch letztendlich wertschätzender mit dem Raum um, in dem sie sich aufhalten.

4. Neue Angebote und Begegnungsräume im Lebensraum

Was Workationists für ihren Arbeitsaufenthalt brauchen, kann auch Einheimische ansprechen. Vielleicht wird ein kleiner Coworking-Space im Hotel angeboten, den lokale Unternehmer*innen ebenfalls für sich entdecken. Oder ein wöchentlicher Stammtisch, bei dem Reisende und Locals sich für kreativen Austausch treffen.

Beispiele für Workation-Angebote

Diese Potenziale werden vielfach erkannt. Entsprechend wird der Trend wird an vielen Stellen schon konkret umgesetzt – wenn auch ganz unterschiedlich. Nachfolgend stellen wir dir einige Beispiele vor.

(Co-)Workation in der Destination

Südtirol hat für das Thema Workation direkt eine eigene Themenseite online gestellt, wo man neben Unterkünften und Erlebnissen in der Region auch die drängendsten Informationen der Workationists findet. “Ist mein Führerschein gültig” wird ebenso angesprochen wie das Thema Kinderbetreuung.

Und dann gibt es Coworking-Angebote mit Urlaubsgefühl wie den “Office Caravan”, die ein Baustein in Workation sein können. Der mobile, außergewöhnliche Coworking-Space steht diesen Sommer z.B. im Zürcher Oberland im Grünen und bietet einen Arbeits- und Erlebnisraum.

“Wir bieten damit eine perfekte Mischung aus Arbeit, Naturerlebnis und Networking.” verrät uns Mirjam Wüthrich von Zürioberland Tourismus, die den Caravan gerne selbst fürs Arbeiten und Netzwerken nutzt. “Hier ist der Office Caravan ein alternatives Angebot zum Pendeln in die Stadt. Durch die Zusammenarbeit mit anderen Zürcher Oberländer*innen und indem sie den ganzen Tag hier verbringen, erhalten sie einen neuen Bezug zu ihrer Region. Das Coworking kann hier also zu einer stärkeren Identifikation mit dem Zürcher Oberland und zur Bildung von Identität beitragen.”

Ein besonderer Coworking Ort – der Office Caravan im Zürioberland (©Zürioberland Tourismus)

Selbstorganisierte Workation

Vermutlich die Variante, die man insbesondere bei “digitalen Nomaden” im Kopf hat beim Stichwort “Workation”. Dabei buchen Reisende sich selbst eine Unterkunft und bleiben längere Zeit vor Ort. Airbnb hat dafür schon vor längerer Zeit eine entsprechende Kategorie für “Langzeitaufenthalte” eingeführt.
Auch die großen Coworking-Anbieter nutzen das für sich. WeWork bietet z.B. mit dem “on demand” Programm eine Option, dass man tage- oder stundenweise einen Arbeitsplatz mieten kann. Denn wer die Spaces in Frankfurt aus der täglichen Arbeit kennt, fühlt sich vielleicht auch in New York oder Amsterdam wohl.

Übrigens: Unsere „Camp & Work“ Workation Mitte August 2021 fällt ebenso in diese Kategorie. Als erfahrene remote Worker wissen wir recht genau was wir brauchen und konnten entsprechend schnell die benötigten Bausteine für unsere perfekte Woche zusammensuchen.

Workation im Hotel

Beispiele, die du vielleicht schon entdeckt hast sind die Workation-Pakete von Robinson Club oder von Aldiana. Hier entfaltet der Clubaspekt der Hotelangebote ganz neue Wirkung. Workationists finden alles an einem Ort – vom Arbeitsplatz, Kinderbetreuung bis zu Ausflügen und Spa-Treatments.

Wer lieber etwas offener schauen mag findet dafür z.B. bei CoWorkationAlps auf einem Portal direkt eine ganze Auswahl geeigneter Unterkünfte im Alpenraum – inklusive perfekter Erlebnisse für die Pause. Dahinter steckt übrigens ein Verein, der die Vision hat, das Potenzial neuer Arbeitswelten mit dem Freizeitwert und dem Flair der Alpen zu verbinden. Ein ganzheitlicher NewWork-Ansatz also.

Workation-Trend nutzen: Was es braucht

Auf dem Weg nach vorne: Verbindung von Arbeit und Urlaub.

Ich bin mir sicher: Workation ist ein Trend, der erst in den Kinderschuhen steckt und eine Menge Potenzial für Hotels, Destinationen und Leistungsträger*innen bietet.

Die ersten Ansätze und Angebote sprechen noch nicht die breite Masse an sondern adressieren eher eine digitale Elite. Spannend wird es in den kommenden Jahren durch die zunehmende Flexibilisierung der Arbeitswelt sowie die Schaffung neuer Anreize für Talente in großen Unternehmen. So wie es heute Portale für Business-Reisen gibt, wird es zukünftig Portale für Workations geben.

Um den Workation-Trend zu nutzen braucht es individuelle Ansätze. Bei der Kreierung von Angeboten wird es maßgeblich auf zwei Aspekte ankommen:

Workation-Trend nutzen #1: Bedürfnisse der Workationists verstehen und umsetzen

Die Customer Journey bei Workations ist anders als bei klassischen Urlaubs- oder Geschäftsreisen. Man möchte die Destination wie ein Urlaubsreisender genießen und dennoch die Sicherheit haben, seine Arbeit erledigen zu können.

Beide Aspekte fließen gleichermaßen in die Planung ein. Gibt es beim Hotel einen Coworking-Space? Hat das Ausflugslokal WLAN und ruhige Ecken für einen Call? Welche Erlebnisse gibt es, bei denen ich mich vor Ort vernetzen kann?

Also:

  •  verstehen, was genau gebraucht wird,
  • dann geeignete Angebote kreieren (z.B. Hotelpauschalen inkl. Day Pass beim lokalen Coworking-Anbieter),
  • und zuletzt passende Kommunikation dazu herstellen (Wie kann ich hier arbeiten UND entspannen, worauf gilt es zu achten?).

Workation-Trend nutzen #2: Den Lebensraum mit einbeziehen

Workations sind eine integrierte Reiseart. Sie entfalten ihren Wert vor allem auch durch das tiefe eintauchen in der Destination und die Begegnung mit den Menschen. Wer entsprechende Angebote gestalten möchte, sollte den ganzen Lebensraum einbeziehen.

Gute Workation-Angebote können nämlich ganzheitlich Nutzen stiften. Zum einen schaffen sie wirtschaftliches Potenzial für Betriebe vor Ort – auch über den Tourismus hinaus. Zum anderen entstehen bei der Schaffung passender Angebote vor Ort neue Begegnungsräume.

Wer Angebote gestaltet, muss also vernetzt vor Ort arbeiten. Sei es, indem man Coworking-Spaces mit Einzelhandel und Erlebnisanbietern zusammenbringt. Oder Hotels, lokale Tech-Startups und Kulturräume zum Erfahrungsaustausch einlädt. Damit wird lokales Wertschöpfungspotenzial aktiviert – sowohl ökonomisch als auch sozial.

Zusammengefasst

“Die Dekonstruktion eindimensionaler Räume (Hotel zur Übernachtung, Büro zur Arbeit etc.) hat bereits vor der Krise eingesetzt.” So fassten es die Gestalter*innen des Impulse4Travel-Manifests zusammen.

Workation zeigt: Diese Dekonstruktion ist eine riesige Chance. Für neue, ganzheitlich wertige Angebote in einer neuen Arbeitswelt.

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Anna Scheffold

Als Beraterin für Strategie und Experience Design helfe ich dir, Produkte und Services zu schaffen, die deine Kund*innen lieben. Perspektivwechsel ist mein großes Stichwort. Denn mit einer großen Prise Empathie macht das alles mehr Spaß und befähigt uns zu außergewöhnlichen Ideen. Gemeinsam wollen wir verstehen, wo der Schuh drückt und welche Chancen sich daraus ergeben. Anschließend entwickeln wir Produkte und Services, die eine ganzheitliche Erfahrung herstellen. Ich begleite dich dabei vom großen strategischen Blick und – wenn du magst – bis in die Pixel und Texte deiner digitalen Anwendung.