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Technik/ Web & Tech Technologie Trends

Datenstandard in der Tourismusbranche: Ist diese Diskussion noch zeitgemäß? Ein Gedanke dazu

Aktuell diskutiert die Tourismusbranche über einen neuen Datenstandard, der notwendig sein soll, um Daten zwischen den einzelnen Akteuren, Veranstalter, Reiseportale, Buchungssystem austauschen zu können. Seit Jahren wird darauf hingearbeitet, dass sich ein neues Datenformat anstelle von INFX und Co. etablieren soll. Unter anderen hat kein Geringerer als der Traveltainment Gründer Ralf Usbeck sein Gewicht in die Waagschale, geworfen um hier für Bewegung zu sorgen. Aber ist die Diskussion notwendig?

Wozu brauchen wir Datenstandards, mal allgemein gesprochen: Ein System des einen Anbieters will mit dem System eines anderen Anbieters die Daten austauschen. In der Regel heißt das Export aus einer Datenbank in einem bestimmten Format, Interpretation dieses Format und anschließender koordinierter Import in die Datenbank des anderen Systems. Warum ist dieses Format notwendig? Die beiden Datenbanken verstehen nichts voneinander und wissen ohne diesen Standard nicht welche Daten sie geliefert bekommen. Der Grund hierfür ist, dass beide Systeme auch als „dumm“ bezeichnet werden können, da die Systeme kein Verständnis davon haben, was sie machen.

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Interview mit Holger Lausen von seekda, der Einsatz von semantischer Technologie im Channel Management

Heute haben wir eine Interview mit Holger Lausen CTO von seekda!, ein Unternehmen aus Österreich, das auf semantische Technologien zur Mediation verschiedener Schnittstellen setzt.

Logo seekda

TZ: Bitte beschreibe Deine Firma, was macht ihr genau und welche Dienste bietet ihr an:

Holger: seekda ist eine IT-Firma, die innovative webbasierte Anwendungen auf der Basis von Web Services entwickelt. Wir haben uns von einem kleinen Innsbrucker Startup mit universitärem Hintergrund – die Informatiker unter den Gründern haben sich an der Uni Innsbruck und in internationalen Forschungsprojekten mit der Entwicklung semantischer Technologien beschäftigt – inzwischen zu einem international besetzten mittelständischen Unternehmen mit Niederlassung in Wien entwickelt. Unser Team hat sich von Anfang an mit der Frage beschäftigt, wie man semantische Technologien in nützliche und einfach zu bedienende Anwendungen umsetzen kann. Beantwortet haben wir diese Frage mit der Verknüpfung unterschiedlicher Web Services, die wir in zwei verschiedenen Lösungen umgesetzt haben: Mit seekda! connect bieten wir ein Multi-Online-Vertriebssystem für die Beherbergungsindustrie an, das eine Internetbuchungsmaschine, einen channel manager, eine Erweiterung für Buchungsportale und – seit neuestem – auch ein Tool für die automatische Erstellung von Webseiten inklusive eigener Domain beinhaltet. seekda! conferences, unser zweites Produkt, dient der fast vollautomatisierten Abwicklung von Konferenzen, Tagungen und anderen Großveranstaltungen. Dazu gehört von der Teilnehmerregistrierung im Internet über die automatische Rechnungserstellung bis hin zu einem Modul für den Onsite-Ausdruck von Unterlagen wie Programmen oder Besucherausweisen alles, was man für eine erfolgreiche Veranstaltung braucht. Besonders stolz sind wir auf unser Besuchertracking über Barcode-Scans, mit dem beispielsweise Aussteller die Daten von Interessenten ganz einfach in ihre Systeme übernehmen können.

TZ: Was ist die große Herausforderung bei der Entwicklung eines Channel-Management Tools?

Holger: Um ein System zu konstruieren, das mit allen relevanten Kanälen kommunizieren kann, braucht man ein extrem komplexes Datenmodell, das alle unterschiedlichen Anforderungen der Kanäle abdeckt. Dazu zählen verschiedene Einschränkungen wie etwa minimale Aufenthaltsdauer, zimmerbasierende Preise vs. raumbasierende und vieles andere mehr. Gleichzeitig mussten wir komplexe Regeln abarbeiten, die es ermöglichen, spezielle Angebote nur auf bestimmten Kanälen zu platzieren – also Channel Splitting. Dazu kommt noch die Notwendigkeit, eine Vielzahl von Business-Modellen unserer Partner korrekt abzubilden, die Verrechnungsdaten automatisch auszutauschen und auch auf vertraglicher Ebene entsprechende Konstrukte zu schaffen, die eine Systemintegration erst ermöglichen.

TZ: An welcher Stelle setzt ihr Semantische Technologien ein, wie hilft euch das und wie könnt ihr euch damit von den Mitbewerbern absetzen?

Holger: Semantische Technologien benutzen wir vor allem in der Darstellung unserer Hoteldaten und im Austausch dieser Daten mit unseren Schnittstellenpartnern. Wie schon erwähnt, trifft man im Tourismusbereich auf eine historisch gewachsene, extrem heterogene Schnittstellenlandschaft. Sowohl die Technologien der Interfaces als auch die Struktur der Daten sind sehr unterschiedlich und all dies muss mit unserer Technologie jeweils auf unsere Formate übersetzt bzw. wieder in die Zielformate zurückverwandelt werden. Basierend auf der semantischen Struktur unserer internen Informationen können wir das mit Hilfe von Mediation recht effizient bewerkstelligen und gleichzeitig auch technologische bzw. Unterschiede auf Protokollebene elegant überwinden. Hier sehen wir einen Vorteil gegenüber dem Mitbewerb, der sich hier noch etwas schwerer tut.

TZ: Wo geht die Entwicklung von Semantischen Technologien hin, was sind die nächsten Schritte und weitere Einsatz-Szenarien?

Holger: Zu den wesentlichen Erweiterungen, die wir im Jahr 2010 umsetzen werden, zählt die Integration von touristisch relevanten Zusatzservices (Versicherungen, Mietwagen, Tickets etc.) in unsere Internetbuchungsmaschine seekda! connect dynamic shop. Für die Verbindung der unterschiedlichen Services nutzen wir ebenfalls das semantische Mediations-Verfahren. Diese Komponenten werden auch mobil verfügbar gemacht und sollten dem Gast schlussendlich ein One-Stop-Shopping Erlebnis im Zusammenhang mit der Hotelbuchung ermöglichen. Längerfristig werden wir unseren Kunden auch ein Yield Management System anbieten, in das auch von uns mittels semantischer Methoden erhobene Marktdaten einfließen werden. So kann der Hotelier seinen Absatz noch besser steuern und seine Erlöse maximieren.

Vielen Dank Holger, für diesen Einblick in Euer Unternehmen und in Euren technischen Ansatz und weiterhin viel Erfolg für Euer Unternehmen.