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Tourismus. Zukunft. Lebensraum: Persönliche Blickwinkel auf Paris

Tourismus. Zukunft. Lebensraum. Nicht mehr und nicht weniger wollten wir in Paris bei unserer Coworkation erfahren, erleben und kennenlernen. Von vielen Projekten die derzeit auf dem Weg hin zum „Paris der Zukunft“ bewilligt und teilweise auch schon umgesetzt wurden, hatten wir gehört, gelesen und bereits im Vorhinein darüber diskutiert. Wir waren neugierig darauf, was wir alles in einer Woche sehen und schon spüren können und wie sich Paris als Location für unsere jährliche große Coworkation eignet.

Ein paar Bewegtbilder von unseren Erkundungstouren durch Paris. 

 

So viel sei an dieser Stelle schon verraten: Es gibt da ganz unterschiedliche Perspektiven in unserem Netzwerk. Und das ist gut so. Denn die Lebensräume von morgen, von denen Städte einen großen Teil ausmachen, haben verschiedene Anforderungen und Funktionen zu erfüllen. Der Aufenthalts- und Erholungssraum im Kontext des Tourismus – natürlich omnipräsent in Paris – ist nur eine davon. Es geht darüber hinaus um Wohnraum, Mobilität, Erzeugung, Versorgung und Verbrauch sowie auch um digitale Infrastrukturen.

Warum interessiert uns das und was hat das mit Tourismus zu tun?

Erstens, weil es den Tourismus maßgeblich beeinflusst und zweitens, weil auch der Tourismus den Lebensraum formt und von diesem profitiert. Und keine Angst, wir machen und ihr braucht jetzt kein Begleitstudium zur Stadtplaner*in. Was wir aber brauchen ist ein Bewusstsein und eine Sensibilisierung für die relevanten Fragestellungen, um Tourismus in Städten in Symbiose mit diesen und nicht aneinander vorbei zu entwickeln. Vor allem im Städtetourismus geht es eben nicht um explizite touristische Produkte, sondern um das Eintauchen in die Lebenswirklichkeit der Einheimischen – um die Wahrnehmung und Gestaltung des Lebensraums – oder eben: Tourismus. Zukunft. Lebensraum.

 

Der persönliche Blick – ein paar Statements zu Paris von uns für euch

Einige von uns haben ihre Eindrücke zu den folgenden zwei Fragen kurz verschriftlicht:

  1. Wie hat sich die Wahrnehmung von Paris durch deinen Aufenthalt verändert?
  2. Was sind die größten Learnings für ein Lebensraum-Management die man aus Paris mitnehmen kann?

Kristine Honig - Tourismuszukunft

Kristine

Was ich mich in Paris oft gefragt habe: Ist etwas schon gut, nur weil es besser ist?
Sicherlich hat sich bereits vieles in Paris getan. Gerade auf den an vielen Stellen veröffentlichten Vorher-Nachher-Bildern sieht man dies deutlich. Wenn man diese Fotos allerdings nicht kennt, wüsste man nicht, wie die entsprechende Straße einmal aussah – dann wäre vieles noch immer nicht gut. Noch immer zu laut, zu eng, zu asphaltlastig, zu sehr auf den Autoverkehr ausgerichtet, zu wenig Aufenthaltsqualität. Hierdurch ist mir noch einmal bewusst geworden, was für ein langer Weg für die tatsächliche Transformation unserer Städte noch vor uns liegt. Eben weil es gegenwärtig an vielen Stellen in erster Linie noch darum geht und gehen muss, die Gestaltung der Städte erst einmal weniger schlimm zu machen. Schließlich starten wir nicht mit einem weißen Blatt, sondern mit einem bereits bebauten Grund.

Roland

Ich war voller Neugier nach Paris gefahren. Und mit vielen Vorschusslorbeeren und Vorurteilen. Entschieden hatten wir uns ja für Paris, da es immer wieder als Best Practice für den Wandel einer Stadt in Richtung Nachhaltigkeit daher kommt. Andauernd hört man von neuen Plänen die Stadt grüner und lebenswerter zu machen, wie mutig die Politik und insbesondere die Bürgermeisterin Madame Hidalgo.

Und vorweg: ´es ist eine gewaltige Aufgabe. Wir haben die Stadt mitten in der großen Hitzewelle erlebt und somit erleben dürfen, welcher Unterschied zwischen einer normalen Straße, einem total versiegelten Platz und einer begrünten Zone besteht. Hier wird an einigen Stellen baulich eingegriffen, aber da gibt es noch sehr viel zu tun. Paris hat viel aufzuholen.

Wie hat sich also meine Wahrnehmung der Stadt verändert? Die Menschen waren wesentlich offener als erwartet, die Stadt aber sehr schmutzig, obwohl andauernd Reinigungs-Trupps unterwegs waren. Die in den Medien so oft präsentierten Beispiele hat man meist als punktuelle Versuche wahrgenommen, die Stadt grüner zu machen. Ich hatte mir die Stadt insgesamt in ihrer Transformation wesentlich weiter erwartet.

Paris geht viel zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Scooter kommt man zwar oft gut voran, aber die Radwege sind schon ein Abenteuer. Paris ist laut, sehr laut, unangenehm laut, hat aber auch viele schöne und kuschelige Ecken, die als Kontrast dazu dienen. Vom kulinarischen her hätte ich mir von der Metropole mehr erwartet, vor allem auch, was vegane Ernährung betrifft. Es kommt nicht so oft vor, dass man andauernd erklären muss, was das überhaupt ist.

Was sind die größten Learnings für ein Lebensraum-Management die man aus Paris mitnehmen kann? Städte und Klimaerwärmung, das ist eine Kombination, die dringend Lösungen braucht. Bauliche Lösungen. Grüne Lösungen. Wenn man in die Zukunft denkt, wird das immer mehr zum Problem werden, vor allem für ältere und kranke Menschen. Schnell erreichbare Ruhezonen und Oasen innerhalb der Stadt sind sehr wertvoll. Nichts neues, aber gerade in Paris extrem gemerkt, wie wertvoll.

Weiteres Learning ist, wie weit andere Städte hier doch schon sind. Egal ob in Deutschland oder auch weiter Richtung Norden. Man nimmt das oft als gegeben hin und meckert, aber Paris zeigt, dass es das nicht ist. Ansonsten kann man hier nur noch mitnehmen, wie groß die Herausforderung in einer dicht bebauten Stadt ist und dass die Zeit rennt.

 

Andrea

Multikulti oder die Kraft durch Farben 

Jede Stadt zieht Menschen verschiedener Kulturen an. Dass dabei die (Kolonial-)Geschichte eine so grosse Rolle spielt, war mir nie so bewusst. Unser Hotel unmittelbar beim Gare du Nord liegt in einem Quartier, welches offensichtlich neue Heimat für viele Menschen afrikanischer Herkunft ist. Die sprichwörtliche Farbigkeit dieser Menschen hat mich ein bisschen verzaubert. Diese großgemusterten Stoffe in Blockfarben an den großgewachsenen stolzen Afrikanerinnen zu sehen, hat sehr viel Kraft und Energie ausgestrahlt, was gutgetan hat.

Streetart oder die Inspiration durch Kunst

Wo du auch immer entlang gehst, wenn du es mit offenen Augen und Neugierde tust, entdeckst du immer wieder kleine Kunstobjekte an Wänden. Oftmals drei oder mehr Strassenkünstler in unmittelbarer Nähe machen aufmerksam, wenn man sich denn einlässt. Manchmal sehr klein und zart, manchmal kraftvoll und grossformatig. Diese Zeichen der Künstler, die immer auch wieder gesellschaftsrelevante Botschaften zeigten und zum Innehalten und Reflektieren inspiriert haben, waren mein ständiger Begleiter, haben jede physische Bewegung in der Stadt bereichert und erleichtert und haben sogar Hitze oder Lärm erträglich gemacht.

 

Christoph Aschenbrenner ist Netzwerkpartner von Tourismuszukunft

Christoph

Mir sind die komplexen Systeme stark bewusst geworden, die so eine pulsierende Stadt am Laufen halten. Die Verkehrswege, an denen man den Umbau schon sieht, aber auch merkt, wie viel noch zu tun ist. Die Third Places, an denen sich Menschen begegnen, und die immer noch stark vom Autoverkehr beeinflusst werden und zum Teil sehr laut und wenig hitzeresistent sind. Paris ist unheimlich inspirierend und beeindruckend, man sieht aber auch, wie groß die Herausforderungen sind.

Mein größtes Learning: ein langfristig erfolgreiches Lebensraum-Management muss sozial gerecht sein. In Paris gibt es unheimlich viel Armut, und dabei waren wir noch gar nicht in den Banlieues. Wenn Quartiere lebenswerter werden, wird es erst einmal weitere Gentrifizierung geben. Darum ist es wichtig, nicht nur kleine Bereiche für Eliten umzugestalten, sondern das gesamte „System Stadt“, um weitere gesellschaftliche Spaltungen, wie sie sich in Frankreich ja gerade in den Wahlen ausgedrückt haben, zu verhindern.

 

Florian

Ich war das erste Mal in Paris. Vom ersten Moment an hat mich die Stadt mit ihrer Intensität begeistert. Meine Wahrnehmung ist sehr positiv, hatte vorher eher ein neutrales Bild. Natürlich hat die Stadt noch große Aufgaben vor sich. Aber Paris lebt. Das können viele (Innen-)Städte nicht (mehr) von sich behaupten, egal ob touristisch und/oder aus der Lebensraum-Perspektive.

Paris ist durch die dichte Bebauung und die historische Bausubstanz sowie die sozialen Spannungen alles andere als gut vorbereitet für eine grüne, nachhaltige und soziale Transformation. Aber der Wille zur Transformation ist vor Ort spürbar, auch wenn die Ausgangsbasis eine sehr schlechte ist. Mir wurde deutlich, dass es wichtig ist anzufangen – das Großereignis Olympia scheint ein wichtiges Momentum für den Impuls etwas zu ändern. Also ein klares Ziel mit einem konkreten Datum – das hilft.

Das Centre Georges Pompidou in Paris

 

Für mich persönlich ist Paris wie ein Mikroskop für die Herausforderungen unserer Welt. Höchstwahrscheinlich empfand ich es deswegen einerseits als sehr anstrengend sowie anderseits aber auch als sehr bereichernd. In wenigen Städten habe ich so viele Kontraste auf einmal wahrgenommen. Für die Zukunft von Tourismus und Lebensraum nehme ich vor allem eines mit: Wir brauchen eine andere Sicht auf Systeme. Eine Stadt ist auch ein System, welches aus unzähligen Teilen besteht, die miteinander in einer Beziehung stehen. Da entstehen Abhängigkeiten, Interaktion und Kreisläufe. Mit unserem immer noch sehr verbreiteten linearem Denkschema werden wir den Herausforderungen in solch einem Lebensraum nicht gerecht.

Wie seht Ihr das? Wer war und kennt Paris? Was sind Eure Gedanken zu den Städten der Zukunft?

Lasst es uns wissen!

 

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OpenWeek – Nachlese der Woche zur Zeitenwende im Tourismus

„Was meinen wir denn nun genau mit Lebensraum? Und was heißt das für uns?“ Hast du dich das auch schon gefragt? Dann geht es dir wie den Pionier*innen, die Ende Mai bei der ersten OpenWeek dabei waren.

Über das Format haben wir an vielen Stellen bereits berichtet (zum Beispiel in diesem Beitrag oder auf der Website der OpenWeek). In diesem Beitrag wollen wir also auch die inhaltlichen Erkenntnisse der Woche mit dir teilen.

Adios Destinationsmanagementkonzept. Hello Lebensraumkonzept!

Im ZukunftIMPULS zu diesem Thema hatten wir im Januar bereits darüber gesprochen, was es für eine ganzheitliche Lebensraum-Betrachtung braucht. Die OpenWeek haben wir nun genutzt, um das zu vertiefen.

„Der Gedanke lautet: Weg von der reinen Fokussierung auf die Bedürfnisse der Gäste, hin zu einer ganzheitlichen Betrachtung der Region, welche die Bedürfnisse der Einheimischen, aber auch der Umwelt und Natur berücksichtigt“, fasst Kristine Honig es so schön zusammen.

Kristine Honig beim Barcamp der OpenWeek
„Die Tourismuskonzeption als solche kann es nicht mehr geben“ – eine der Kernerkenntnisse von Kristine Honig in der OpenWeek (Foto: Christoph Aschenbrenner / Realizing Progress)

Das bedeutet auch: Ein Tourismus-/ Destinations- /Lebensraumkonzept muss in Zukunft zu diesen Aspekten Überlegungen und konkrete Maßnahmen beinhalten! Ansätze hierfür sind beispielsweise:

  • Zielgruppen: Diese enthalten nicht nur Gäste-Personas, sondern auch eine genaue Betrachtung der Einheimischen (und eine Definition, was wir mit „Einheimisch“ eigentlich meinen).
  • Naturräume und die wechselseitige Beziehung zu ihnen. Wie profitieren wir von der umgebenden Natur? Wie beeinflussen wir sie durch unser Verhalten? Welche Maßnahmen unternehmen wir, um eine Verträglichkeit herzustellen?
  • Und das wohl Wichtigste: Jede Region muss für sich definieren, was sie unter Lebensraum-Management versteht. Welche Aufgaben fallen darunter? Was liegt in der Verantwortung anderer Institutionen?
    Das ist insbesondere wichtig, weil Lebensraumgestaltung nur im Zusammenspiel mit anderen Organisationen gelingen wird. Der Begriff wird allerdings ganz unterschiedlich verstanden! Naturschützer*innen denken dabei vielleicht zuerst an Habitate seltener Tiere und Pflanzen. Die lokale Politik zählt dazu auch Daseinsvorsorge wie Bushaltestellen, Einkaufsmöglichkeiten oder ärztliche Versorgung.

Die Frage ist also: Wie können in einem neu gedachten Management-Konzept alle ihre Stärken einbringen, sodass ein ganzheitlich gut gestalteter Raum entsteht? Unerlässlich dafür ist, eine bunte Mischung aus Personen in der Konzeption einzubinden. Und eben nicht nur Tourismusakteur*innen aus Hotellerie, Freizeitwirtschaft und Verbänden.

 

Innovative Lebensraum-Ansätze im Allgäu live und in Farbe

Einer der Hauptgründe, warum wir die OpenWeek ins Leben gerufen haben: Zukunftsgedanken brauchen Zeit, um zu reifen. Klar hätten wir uns auch nur drei Tage vor Ort treffen können – und die Allgäu GmbH hätte einen schnellen Impuls zum Lebensraum-Konzept gemacht. Aber das reicht einfach nicht, wenn man wirklich verstehen will! Dafür muss man anschauen, sich austauschen, nachfragen, unzählige Male zu jeder Tageszeit durch den Kurgarten gehen.

Drei Personen wandern oberhalb von Ofterschwang in der OpenWeek
Eintauchen in den Lebensraum: ein zentrales Anliegen der OpenWeek (Foto: Christoph Aschenbrenner / Realizing Progress)

Wir haben uns bewusst Zeit genommen, einzutauchen und spannende Ansätze im Lebensraum Allgäu zu entdecken. Einige sind mir besonders hängen geblieben, diese möchte ich mit dir teilen:

  • Zusammenarbeit und neue Synergien. Bei unserer Lernreise durften wir regionale Wertschöpfung entdecken. Mein Aha-Moment: Eine Kita, die über die Hotelküche versorgt wird. Damit hat ein Hotelier eine verlässliche Einkommensquelle und die Kinder profitieren von hochwertiger Küche. Natürlich mit regionalen Produkten – die Landwirtschaft freut sich über gesicherte Abnahme, die Natur über kurze Lieferwege.
  • Besucher*innenlenkung muss (auch) menschlich sein. Im Naturpark Nagelfluhkette lernten wir die Ranger kennen, die nicht nur Lieblings-Testimonials in der Presse sind, sondern ganz konkret vor Ort wirken. Als Expert*innen sind sie für Besucher*innen ansprechbar und entschärfen durch ihre zugängliche Art Konflikte im Gelände. Sie geben der Natur eine Stimme und können damit viel besser auf manche Aspekte hinweisen als unpersönliche Schilder.
  • Marken brauchen eine wertebasierte Zusammenarbeit. Das Allgäu ist vor allem ein starker Wirtschaftsstandort für Industrie und Gewerbe; Tourismus ist nur einer von vielen Zweigen hier. Die Allgäu GmbH möchte alle unter einem Dach bündeln und mithilfe einer Markenpartnerschaft die Identität nach Innen leben und nach Außen zeigen. Aber nicht jedes Unternehmen kann einfach so Partner werden! Nur wer nachhaltige Aspekte lebt und die Werte der Marke teilt, darf sich mit dem Allgäu-Logo schmücken.
    Dieses bewusste Wirken nach innen ist – wie oben erwähnt – unverzichtbar für einen funktionierenden Raum und die Glaubwürdigkeit der Organisation!

Wir müssen also über die Grenzen touristischer Betriebe und eingefahrener Muster hinausdenken. Wie kann ein touristischer Betrieb Wert für die Bevölkerung schaffen? Brauchen wir überall Lebensraum-Botschafter*innen, die ansprechbar sind – auf dem Marktplatz, am Wanderweg, in den Partyvierteln der großen Städte?

Außerdem nehme ich mit, dass wir alle viel mehr Zeit für Gespräche und das Erkunden einer Region einplanen sollten. Das gilt für uns als Berater*innen, aber letztlich für alle, die Räume gestalten. Egal ob es die Pause auf dem Marktplatz, der Ausflug auf dem Radweg oder das Gespräch mit Einheimischen im Eiscafé ist. Also raus mit euch und ab ins Gespräch!

 

Eine CoWorkation macht was mit den Menschen

„Und wie wars für dich persönlich?“ Eine Frage, die mir reichlich gestellt wurde. Und die ich an andere Teilnehmer*innen gerichtet habe. Persönlich kann ich sagen: Es war wunderbar! Extrem anstrengend und extrem schön und wertvoll. Ein Teil dessen ist sicher der Corona-Situation geschuldet. Eine Woche unter so vielen Leuten zu sein ist schon besonders.

Eine Hand schreibt etwas auf eine Moderationskarte
Leben, Arbeiten, neue Perspektiven. Das ist macht eine gelungene Coworkation aus! (Foto: Christoph Aschenbrenner / Realizing Progress)

Aber ich habe so unendlich viel mitgenommen! Die Woche war wunderbar, um gemeinsam tief in Inhalte rein zu denken. Insbesondere der Hackathon, der am letzten Tag der Woche stattfand, war hierfür eine Schatzkiste. Fragen, denen sich die Teams widmeten, waren etwa:

  • Wie beziehen wir die Perspektive der Natur endlich konsequent mit ein und machen nicht nur „grünes“ Marketing?
  • Können wir über Hormonmessung im Abwasser feststellen, wie glücklich Einwohner*innen sind?
  • Können Daten aus Sensoren eine Indikation für Lebensqualität liefern?

Für mich waren die Menschen in der Woche einfach der größte Mehrwert. Ich durfte individuelle Lebenswege kennenlernen. Durfte in die Perspektive meines Gegenübers eintauchen. Sei es bei einer Wanderung im Naturpark Nagelfluhkette, beim Abendessen oder beim Plausch mit unserem Gastgeber Toni (der in der Fiskina überragend für unser leibliches Wohl gesorgt hat – geht hin, wenn ihr mal in der Ecke seid!).

Und es ging, glaube ich, nicht nur mir so. Ich bin mir sicher: Diese Coworkation hat was mit den Menschen gemacht. Kein Barcamp, keine Konferenz, kein Seminar kann das leisten. Die Mischung aus festen Formaten und frei verplanbarer Zeit zusammen mit interessanten Köpfen stellt vieles auf den Kopf, das unseren Alltag ausmacht. Denn wann haben wir mal so viel Zeit, um Dinge sacken zu lassen und sie dann ganz in Ruhe weiter zu denken und zu vertiefen?

Und das bringt mich zu meinem abschließenden Gedanken.

Zukunft gestalten geht nur, wenn man sich Zeit für die wichtigen Dinge nimmt

Catharina Fischer von Realizing Progress hält eine OpenWeek-Fahne in der Hand vor dem Kurhaus in Fischen
Die Zukunft fest im Blick: manchmal muss man sich Zeit nehmen, um Gedanken zu Ende zu denken. (Foto: Christoph Aschenbrenner / Realizing Progress)

Wir haben große Aufgaben vor uns. Das Lebensraum-Thema wird zentral in den kommenden Jahren. Als Gesellschaft stehen vor der Phase des „Degrowth“, also der bewussten Verkleinerung. Das braucht systemisches Denken. Das braucht ein tiefes Verständnis für Themen wie Ökosysteme, Soziales Gefüge und neue Ansätze für lebenswerte Städte und Regionen.

Zeit ist das Wertvollste, das wir haben – denn wir bekommen sie nie wieder zurück. Sowohl auf persönlicher Ebene als auch als Gesellschaft. Ich frage mich nach der Woche also: „Wofür investiere ich in Zukunft mehr Zeit, um danach mit viel Energie und Fokus die richtigen Dinge richtig gut zu tun?“


Noch mehr Eindrücke der Woche

Ein ganz besonderer Dank gilt abschließend Christoph Aschenbrenner und Alexander Mirschel, die für hervorragende Bilder und Videomaterial gesorgt haben. Und was wäre die OpenWeek gewesen ohne den rasenden Live-Reporter Günter Exel!

Spätestens an Tag 2 hatten sich, glaube ich, alle daran gewöhnt, ständig von Günter vor die Linse gebeten zu werden. Das Ergebnis? Eine hervorragende Live-Reportage! Schau doch mal in diese Links, wenn du inhaltlich noch mehr zu den einzelnen Tagen erfahren magst, inklusive vieler Videos sowie Stimmen der Teilnehmer*innen.

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Destinationen Gesellschaftliche Trends Produktentwicklung Strategie Technologie Trends Veranstaltungen

Realizing Progress begleitet Tourismus NRW bei Hackathon-Reihe

Die Zukunft des Tourismus und von Lebensräumen wird maßgeblich von der Digitalisierung und damit einem modernen, touristischen Datenmanagement beeinflusst. Davon profitieren nicht nur Gäste, sondern auch Bewohner*innen und wirtschaftliche Akteur*innen. Reisen, Mobilität, Wohnen, Infrastruktur, Kultur – in allen Bereichen wird sich die Gesellschaft in den kommenden Jahrzehnten unter den Vorzeichen von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz radikal transformieren. Und Tourismus NRW will diesen Wandel aktiv gestalten.

Darum führt die Landestourismusorganisation Nordrhein-Westfalens im Juni und September dieses Jahres zwei Hackathons durch – und wir dürfen sie in der Vorbereitung und Durchführung begleiten. Die beiden Hackathons bauen thematisch aufeinander auf, sind aber nicht voneinander abhängig. Digitalexpert*innen, Stadtentwickler*innen, Touristiker*innen und leidenschaftliche Mitdenker*innen, die die Digitalisierung im Tourismus groß denken und voranbringen wollen, sind die Zielgruppe der beiden Events.

Der Change wird kommen. Entscheidend ist, dass wir ihn menschenzentriert gestalten und Aufenthalts- und Lebensqualität damit erzeugen. Dafür sucht Tourismus NRW mit ihren Hackathons Ideen und Lösungen. (Foto: Greg Snell)

Search:Ideas – Tourismus, Daten und Digitalisierung weiterdenken

Ziel des ersten Hackathons Search:Ideas ist es, Leitideen oder Strategien zu entwickeln, um künftige Digitalisierungsprojekte und Datenmanagement erfolgreich gestalten zu können. NRW Tourismus will gemeinsam mit den Teilnehmer*innen Antworten auf die Frage finden, wie touristische Akteur*innen digitale Systeme nutzen können, um den Wandel zu unterstützen. Wie tragen digitale touristische Lösungen zur Infrastruktur der Zukunft in der Stadt und dem ländlichen Raum bei? Wie können digitale Systeme helfen, Tourist*innen und Bevölkerung einzubinden und gleichermaßen Wert zu schaffen? Wie können Big Data, KI und Co. zur Angebotserweiterung in Städten und ländlichen Regionen beitragen?

Der erste Hackathon findet im Rahmen der X Design Week in Köln statt, für die ihr ebenfalls noch Projekte und Geschäftsideen einreichen könnt. Unserer Meinung nach das ideale Umfeld für sprühende Gedanken und wegweisende Ideen. Hier kommst du direkt zur Anmeldung für Search:Ideas.

Hackathon Search:Ideas

  • 10. Juni 2022, 10 bis 18 Uhr
  • Design Offices Schanzenstraße, Köln
  • Im Rahmen der X Design Week
  • Mehr dazu hier
Lebensraum-Entwicklung in einem Hamburger Quartier
Wie kann Digitalisierung zur Zukunft unserer Städte und Lebensräume beitragen? Jede*r, der dazu Ideen hat, ist bei den beiden Hackathons willkommen. (Foto: Gregg Snell)

Search:Creations – Digitale Anwendungen von morgen gestalten

Im zweiten Hackathon Search:Creations geht es darum, den DataHub NRW als Datenquelle für touristische Anwendungen zu nutzen und für Bewohner:innen und Gäste gleichermaßen attraktive Angebote zu schaffen. Hier können Projektideen ausgearbeitet oder bereits Prototypen entwickelt werden.

Mehr Infos zu den beiden Hackathons findet ihr auf der Landingpage von Tourismus NRW. Wir freuen uns sehr, diese spannenden Veranstaltungen begleiten zu dürfen und werden hier sicher davon berichten.

Apropos spannende Veranstaltung – wir freuen uns ja schon wahnsinnig auf unsere Open Week. Genau wie zum Hackathon Search:Ideas könnt ihr euch dafür noch anmelden. Für mehr Infos klickt einfach hier. 

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Destinationen Strategie

Lebensraumentwicklung gut und schön – aber wie umsetzen?

Von der Lebensraumperspektive haben wir hier im Blog schon öfter geschrieben. Dabei ging es einmal um die Utopie vom Lebensraum, der uns alle glücklich macht, ein andermal haben wir dir verschiedene Fragen zum Thema Lebensraum mit auf den Weg gegeben. Aber wie setzt man dies nun um? Wo fängt man an?

Gerne möchten wir dir hierbei helfen und skizzieren dir deshalb in diesem Beitrag ein mögliches Vorgehen, wie du zu ganz konkreten Maßnahmen für deine eigene, individuelle Lebensraumperspektive kommst.

In zwei offenen Workshops „What the Lebensraum?“ im März und April haben Anna & Andrea sowie Christoph & ich uns den Fragen gemeinsam mit euch gewidmet. Hierauf baut dieser Beitrag auf. In den Workshops hatten wir nur anderthalb Stunden Zeit. Um ganz konkret deine eigene Perspektive und deine eigenen Maßnahmen zu entwickelt, musst du definitiv tiefer eintauchen.

 

1. Klarheit bekommen: Was bedeutet Lebensraumperspektive?

Fragt man einmal, welche Stichworte Menschen im Tourismussektor beim Thema Lebensraum einfallen, fallen in erster Linie folgende Begriffe (Klick auf diese und alle weiteren Grafiken für eine größere Anzeige):

Workshop 1 „What the Lebensraum?“
Workshop 2 „What the Lebensraum?“

Auf den ersten Blick sind hier viele allgemeine und eher emotionale Begriffe zu finden: Wohlfühlen, Lebensqualität, Freude, Authentizität, Heimat, Akzeptanz, Miteinander. Du brauchst dies konkreter. Bevor du dich damit beschäftigst, was die Lebensraumperspektive für dich und deine Arbeit bedeutet, ist es notwendig, tiefer in diese Materie einzutauchen.

Frag dich:
Verstehe ich den Begriff Lebensraumperspektive
und seine Bedeutung?

Auf unserer Seite zum Lebensraum-Management haben wir einige vertiefende Informationen für dich aufbereitet, inklusive diverser relatierter Blogposts. Schau hier einmal ganz in Ruhe durch.

 

2. Handlungsfelder identifizieren

In unserem Workshop haben wir die Teilnehmenden unsere impulse4travel Lebensraum Map gezeigt und sie gebeten, grüne Punkte auf die für sie relevanten Themen und Handlungsfelder zu verteilen und schwarze Punkte auf die irrelevanten.

Das Ergebnis:

Workshops „What the Lebensraum?“ – relevante Handlungsfelder

Was deutlich wird: nahezu alle Themenfelder werden als relevant identifiziert. Die schwarzen Punkte wurden zum Teil im Sinne von „irgendwo muss ich ja auch noch einen schwarzen Punkt platzieren“ gesetzt (beispielsweise bei der „Globalisierung“ als direktem Gegenpart zur als überaus relevant bestimmten „Regionalität“). Der Megatrend „Gendershift“ wurde stark mit genderneutraler Sprache assoziiert. Letztlich geht es hierbei jedoch ebenso um das Aufbrechen tradierter Rollen, um mehr Diversität in Wirtschaft und Politik sowie gendergerechte Kommunikation und Angebote. Liest man dies, wird der Part plötzlich ebenso relevant.

Kurz: Letztlich spielen tatsächlich alle Megatrends und Perspektiven eine Rolle. Allerdings sind diese je nach Stadt bzw. Region und den bestehenden Rahmenbedingungen unterschiedlich ausgestaltet.

Frag dich:
Wie ist der aktuelle Status für die einzelnen Themenfelder bei mir
und welche Zielvorgaben sehe ich für diese?

Geh in Ruhe all die Punkte auf der impulse4travel Lebensraum Map durch – die großen wie die kleinen. Notiere dir alles, was dir hierzu einfällt: Aktuelle Maßnahmen und Projekte. Offene Fragen. Ideen. Beispiele anderer.

Definiere jeweils ein oder mehrere Ziele für die verschiedenen Handlungsfelder: Wie sollen diese im Sinne der Lebensraumperspektive zukünftig gestaltet sein?

 

3. Bewusstsein für die Chancen entwickeln

Um andere von der Lebensraumperspektive überzeugen zu können, musst du erst einmal selbst von dieser überzeugt sein.

Die Ergebnisse unserer Workshops, welche Chancen sich in dieser Ausrichtung verbergen, siehst du hier. Findest du dich selbst hierin wieder? Welche weiteren Chancen nimmst du diesbezüglich wahr?

Frag dich:
Was sind konkrete Chancen
für meine bereits definierten Handlungsfelder?

Erweitere am besten deine eigene Übersicht der Handlungsfelder und ihrer Ziele mit jeweils hieran gekoppelten Chancen.

 

4. Bewusstsein für die Herausforderungen entwickeln

Die Lebensraumperspektive ist allerdings nicht nur eitel Sonnenschein. Und so stehen den Chancen – gerade zum derzeitigen Zeitpunkt – ebenso noch viele Herausforderungen gegenüber:

Aspekte, welche hier besonders auffallen:

  • Der Zeitfaktor: Wie schaffe ich es, mich regelmäßig weiterzubilden und über all diese Handlungsfelder zu informieren? Wie nehme ich die Zeit zum Austausch mit allen her?
  • Der Gemeinsamkeitsfaktor: Wie schaffe ich es, tatsächlich die externen Akteur*innen einzubinden? Wie schaffe ich es, dass alle Gehör finden? Großes Stichwort hierbei: Tourismusakzeptanz.

Zu ersterem Punkt fällt mir direkt ein Satz ein, den ich oft im Zusammenhang mit dem Thema Fokus verwende: „Es ist nicht nur wichtig, was du tust. Fast noch wichtiger ist, was du nicht mehr tust.“ Wenn du mehr Zeit für etwas aufwenden willst, muss diese Zeit woanders herkommen. Was kann reduziert werden (bspw. innerhalb der Marketingaktivitäten)? Was ist eigentlich gar nicht deine Aufgabe, sondern liegt an sich eine Organisationsebene über oder unter dir?

Frag dich:
Was sind konkrete Herausforderungen
für meine bereits definierten Handlungsfelder?

Erweitere deine Übersicht der Handlungsfelder und ihrer Ziele wie bereits mit den Chancen ebenso mit jeweils hieran gekoppelten Herausforderungen.

 

5. Entwicklung konkreter Maßnahmen

Du bist die verschiedenen Handlungsfelder durchgegangen. Hast ihren aktuellen Status, Chancen und Herausforderungen zu ihnen notiert. Welche konkreten Maßnahmen ergeben sich hieraus? Vermutlich sind dir bereits bei den obigen Arbeitsschritten ganz viele Ideen gekommen.

Frag dich:
Welche ganz konkrete Maßnahmenideen
ergeben sich hieraus?

Was im Rahmen unserer Workshops auffiel: Es müssen nicht immer die riesengroßen Maßnahmen sein. Auch kleine Schritte bringen das Thema voran. Beispiele gewünscht?

  • Berührungspunkte schaffen zwischen Gästen und Einheimischen: Das kann eine Tourist-Information sein, die über ein attraktives Café verfügt. Das kann ein offener Coworking-Space sein. Oder angebotene Rundgänge mit Einheimischen.
  • Dank an die Einheimischen: Führe eine Lange Nacht oder einen Offenen Tag der Tourist-Info für die Einheimischen durch. Biete Einheimischen die Möglichkeit, sich kostenlos die touristischen Angebote vor Ort anzuschauen, sodass sie diese selbst besser verstehen können. Feiere ein gemeinsames Abschlussfest nach der stressigen Saison.
  • Feedback der Einheimischen einholen: Führe eine Umfrage durch, damit nicht nur die Lauten zu Wort kommen. Sorg für die öffentliche Information über geplante Maßnahmen – sowohl online über Website und Social-Media-Kanäle der Stadt und Region, aber auch offline, über Aushänge oder Informationsveranstaltungen auf dem Marktplatz.
  • Naturschutz: Schaff Wegekonzepte und ein Management der Besuchenden, welche Einheimischen, der Natur und den Gästen gleichermaßen zu Gute kommen. Kommuniziere Mehrwerte („dieser Weg ist kürzer und sicherer“) statt Verbote („auf diesem Weg störst du die brütenden Vögel“).
  • Aufgaben klar aufteilen: Neue Funktionsbeschreibungen für die Mitarbeitenden in touristischen Organisationen sind wichtig. Ebenso eine engere Kooperation mit Regionalmanagement und Wirtschaftsförderung (längerfristig gesehen vielleicht sogar in Form einer gemeinsamen Organisationsstruktur?).

 

6. (bzw. 1.) Austausch & Zusammenarbeit

Viele Ideen stehen auf deinem Papier. Aber ging es nicht um das Gemeinsame? Den Austausch? Genau. Eine Lebensraumperspektive für deine Stadt oder deine Region entwickelst du nicht alleine am Schreibtisch. Dies hilft dir vor allem, selbst mehr Klarheit für das Thema zu finden.

Um eine Lebensraumperspektive tatsächlich in die Umsetzung zu bringen, brauchst du alle Akteur*innen mit am Tisch. Was hierfür notwendig ist:

  • Klarheit über die wesentlichen Akteur*innen: Die Lebensraumperspektive geht deutlich über deine gewohnten Partner hinaus. Weißt du beispielsweise, welcher Verkehrsverbund und Bürgerverein, welche Mitarbeitenden der Wirtschaftsförderung und welche ehrenamtlichen Helfer*innen bereits in relevanten Themenbereichen aktiv sind? Genau diese musst du mit an den Tisch holen, um eine tragbare Lebensraumperspektive zu entwickeln.
  • Hol dir Inspiration: Schau dir an, was andere machen. Nimm an entsprechenden Angeboten und (Online-)Präsentationen oder Tagungen teil. Tausch dich mit Vereinen und Verkehrsunternehmen aus.
    Natürlich möchten wir dich an dieser Stelle gerne auch noch mal auf unsere Open Week (28.5.-4.6.22 in Fischen im Allgäu) hinweisen. Denn Inspiration und Know-how rund um die Lebensraumperspektive bekommst du hier auf jeden Fall.

Und dann geht die richtige Arbeit erst los. Gemeinsam gilt es, konkrete Handlungsfelder zu identifizieren, Ziele festzulegen, Chancen und Herausforderungen ebenso wie relevante Akteur*innen zu benennen sowie ganz konkrete Aufgaben und Maßnahmen hiervon abzuleiten. Und dabei auf keinen Fall vergessen: Es sind immer auch die vielen kleinen Schritte, die wichtig sind. Fang am besten schon morgen damit an.

Wir sind sicher: Der Aufwand lohnt sich.

Und vielleicht sehen wir uns ja tatsächlich auch bei der Open Week und können dies miteinander weiter diskutieren?

In unserer OpenWeek diskutieren wir mit Euch über Lebensraum-Konzepte.
Open Week (CC BY-SA Allgäu GmbH, Christiane Glöggler)

 

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Change Management Destinationen Gesellschaftliche Trends Nachhaltigkeit im Tourismus Strategie

Von der DMO zur LMO – aber anders als gedacht!

Touristische DMOs sind im Wandel. Das M für Marketing wird immer unwichter, Management wird immer wichtiger. Nichts Neues, für alle, die sich mit der Destinationsmanagement beschäftigen – ABER: Nicht nur das M ist im Wandel, auch das D. Das Erkenntnisobjekt und der Fokus unserer Arbeit verändert sich. Nicht mehr die Destination sollte in unserem Fokus stehen, sondern der Lebensraum – für Gäste wie auch für Einheimische. DMOs machen sich auf den Weg zur LMO – zur Lebensraum Management Organisation (LMO). Warum?

Darüber hat unser Netzwerkpartner Christoph Aschenbrenner mit der BAYERN TOURISMUS Marketing GmbH (BayTM) gesprochen. Und macht damit die Tür auf für Diskussionen, die wir auch in unserer OpenWeek im Allgäu führen wollen. Hier könnt Ihr das Interview mit freundlicher Genehmigung der BayTM lesen.

BayTM: Immer häufiger geht es in touristischen Konzepten um Lebenswelten. Was genau versteht man darunter?

Christoph: Ich nenne es lieber Lebensraum. Es ist die Summe an Personen, Infrastruktur und – im weitesten Sinne – Kultur, mit der ich als Mensch im täglichen Leben in Kontakt bin. Die Idee dahinter kommt aus der Stadtentwicklung. Da überlegt man sich ja schon länger, was einen lebenswerten Ort wirklich ausmacht. Der Klimawandel, die Suche nach Nachhaltigkeit und auch Corona triggern jetzt einen Wandel, auch im Tourismus. Dieser Wandel muss gestaltet werden, und zwar umfassend. Tourismus kann nicht mehr als abgeschlossener Sektor betrachtet werden. Lebensraumkonzepte sind integrativ, sie betrachten die ganze Region, die Gäste ebenso wie die Einheimischen.

Warum ist der Lebenswelten-Ansatz für eine nachhaltige Entwicklung wichtig?

Wir durchleben gerade große Veränderungen und brauchen soziale Nachhaltigkeit für eine stabile Gesellschaft und Demokratie. Dafür ist eine gewisse Grundzufriedenheit der Menschen nötig. Eine Saturierung nicht nur im wirtschaftlichen, sondern auch im sozialen Bereich. Das Thema Lebensqualität wird extrem wichtig werden – und die Grundlage dafür, dass wir den Wandel, der auf uns zukommt, gut hinkriegen.

Christoph setzt sich für ganzheitliche Lebensraumkonzepte ein (Foto: Christoph Gabler)
Christoph setzt sich für ganzheitliche Lebensraumkonzepte ein (Foto: Christoph Gabler)

Für welche Destinationen funktionieren diese Konzepte?

Überall dort, wo Gäste und Einheimische miteinander in Berührung kommen. Es geht nicht mehr nur darum, Werbebroschüren zu drucken; ich muss die ganze Destination gestalten. Es geht um Infrastruktur, die immer von beiden Seiten genutzt wird – denen, die in einem Ort zu Hause sind, und denen, die ihn besuchen. Es geht um Arbeitsmarkt, Schulen und ärztliche Versorgung, denn eine Stadt oder Region muss auch in dieser Hinsicht attraktiv sein, sonst ziehen die Menschen weg. Besonders wichtig aber sind die weichen Standortfaktoren. Also Freizeit- und Kultureinrichtungen, lebendige Innenstädte, Plätze, an denen man nett einen Kaffee trinken kann. Wo man sich nicht nur als Konsument fühlt, sondern echten Menschen begegnet. Jeder Ort sollte das Ziel haben, zum „Happy Place“ für beide Gruppen zu werden. Wo sich Touristinnen und Touristen wohlfühlen, gefällt es auch Einheimischen. Natürlich nur so lange, wie es nicht zum Overtourism kommt. Der ist das eklatanteste Beispiel für die Kluft, die zwischen Einheimischen und Gästen entstehen kann. Und zugleich der Beweis dafür, dass beide Welten nicht getrennt voneinander betrachtet werden können.

Wie erarbeiten Sie ein Lebensweltkonzept für eine DMO?

Bei „Realizing Progress“ haben wir dafür ein Ringmodell entwickelt, einen systemischen, ganzheitlichen und nachhaltigen Ansatz, bei dem die Identität einer Destination über das Produkterlebnis mit Angebot und Auftritt verbunden ist. Beide Seiten beeinflussen sich gegenseitig. Erstaunlich ist, dass es vielen Regionen – wir sprechen beim Lebensraumkonzept von Regionen, weil der Begriff Destination rein touristisch geprägt ist – an Klarheit über die eigene Identität fehlt. Aber die ist die Basis für jedes Konzept. Die Orte müssen sich als Erstes fragen: Was haben wir für Voraussetzungen? Wo wollen wir hin? Wo liegen unsere Stärken, was ist unser Profil? Daraus ergeben sich dann fast von allein die Zielgruppe und die Maßnahmen, die getroffen werden sollten. Man muss auch die Bevölkerungsstruktur einer Region kennen und die Probleme dahinter: Gibt es zu wenig junge Leute? Will man Familien zur Ansiedlung bewegen? Wen will man überhaupt ansprechen?

Wie wichtig ist Lebensqualität in Lebensweltkonzepten?

Lebensqualität spürt der Mensch dort, wo er ein gutes Umfeld hat, wo er in Resonanz treten kann und sich als Mensch wohlfühlt. Das Problem liegt in der Messung von Lebensqualität, denn die wird höchst subjektiv empfunden. Es gibt auch objektive Faktoren, die zur Lebensqualität beitragen. Infrastruktur zum Beispiel. Natürlich bekommen wir bei der Arbeit mit unseren Kunden ein Gefühl dafür, wie die Stimmung in der Bevölkerung ist. Aber eigentlich würde ich gerne vom Gefühl wegkommen und hin zu verlässlichen Indizes, die allerdings über Übernachtungszahlen und BIP hinausgehen müssten. Aber das zu entwickeln, ist Sache übergeordneter Ebenen. Da kann man nicht als einzelne Stadt anfangen.

Bei Lebensraum-Prozessen ist es wichtig, die Bevölkerung mitzunehmen.
Bei Lebensraum-Prozessen ist es wichtig, die Bevölkerung mitzunehmen. (Foto: Greg Snell)

Welche Rolle spielt Partizipation für Lebensweltkonzepte?

Beteiligungsprozesse sind auch bei touristischen Projekten absolut sinnvoll. Die Bürger müssen gefragt werden, und zwar in einem möglichst frühen Stadium. Das Problem ist, dass oft kleine, gut organisierte Gruppen solche Meinungsbildungsprozesse kapern. Bürgerbeteiligung heißt aber nicht, dass man denen nachgibt, die am lautesten schreien, sondern dass man den Prozess möglichst professionell und strukturell angeht. So ein Vorgehen findet heute aber noch relativ selten statt. Oft fehlt es in den öffentlichen Verwaltungen schlicht am Know-how, an Zeit und Ressourcen. Aber auch touristische Einrichtungen sind hier in der Pflicht, wenn sie ihre Arbeit zukunftsfähig ausrichten wollen.

Sind Lebensweltkonzepte unsere Zukunft? Und wo liegen ihre Grenzen?

Wir stehen großen Herausforderungen gegenüber. Wir müssen die Autos aus den Städten rausbekommen, die Flüge reduzieren, nachhaltig produzieren, uns bis 2030 komplett dekarbonisieren. Das kann nicht funktionieren, wenn wir uns immer nur Einzelbereiche ansehen. Und das funktioniert auch nicht durch das Predigen von Verzicht und Askese, sondern durch ganz andere Ansätze wie Cradle-to-Cradle statt Wegwerfgesellschaft oder neue Mobilität. Wir müssen da also systemisch ran. In der Praxis stoßen wir auf Probleme, wenn wir sehen, dass in den Institutionen oft noch so ein Silo-Denken herrscht. Da gibt es dann unklare Zuständigkeiten, die Kommunikation ist schlecht. Es muss sich erst die Erkenntnis durchsetzen, dass das Leben in einer Region ganzheitlich angesehen werden muss und dass es dafür dann auch die entsprechenden Strukturen braucht.

Das ganze Interview findest Du auf der Website von der Bayern Tourismus Marketing GmbH.

Open Week CC-BY-SA Allgäu GmbH, Christiane Glöggler
Die OpenWeek – ein kleiner Sprung für Dich, oder? (CC-BY-SA Allgäu GmbH, Christiane Glöggler)

Du möchtest mit Christoph und dem Team von Realizing Progress über Lebensraum-Konzepte und Lebensqualität diskutieren und Ideen für Deine Stadt oder Destination mitnehmen? Dann komm zu unserer OpenWeek.

 

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Destinationen Gesellschaftliche Trends Veranstaltungen Workshops

„What the Lebensraum?“ – Einladung offener Workshop

Egal, ob es um Nachhaltigkeit, Besucher*innen-Management, Tourismusakzeptanz oder Trends geht – das Thema Lebensraum scheint omnipräsent im Tourismus und nimmt an Fahrt auf. Aber was bedeutet das eigentlich genau für mich? 

Hast du dich das auch schon gefragt? Dann haben wir da was für dich! Denn das Thema ist wirklich so bunt, groß und vielfältig, wie es scheint.

Wir haben in aktuellen Projekten sehr viel Freude, das für einzelne Regionen und Organisationen aufzufalten. Eine zentrale Erkenntnis: Das Thema Lebensraum muss individuell betrachtet werden! Denn zum einen sind die Räume höchst unterschiedlich, zum anderen erzeugen die Strukturen vor Ort jeweils andere Anforderungen.

Stefan Egenter von der Allgäu GmbH berichtete uns beim ZukunftsIMPULS im Januar, wie wichtig eine gemeinsame Identität aus seiner Sicht ist.

Aber ist das bei dir auch so?

Finde heraus, was die Lebensraum-Perspektive für dich bedeuten kann

Kaffeetrinken beim Workshop? Gern doch! (Foto: Greg Snell)

Wir laden dich daher ein, das in unserem offenen Workshop für dich durchzuspielen. Der Rahmen wird ähnlich sein, wie es bei unseren offenen Workshops zum Thema Nachhaltigkeit vergangenes Jahr war. Das bedeutet

  • Was: kostenloser, offener Workshop
  • Ziel: Überblick über das Thema bekommen
  • Wie: mit interaktiven Fragestellungen und Methoden erkunden, was es für dich bedeutet
  • Wie noch: Netzwerken in Kleingruppen
  • Und sonst so: Knackiges Format von 90 Minuten

Übrigens, auch wenn du dich schon mit dem Begriff auseinandersetzt, bist du herzlich willkommen! Denn gerade im Austausch mit anderen Personen lernt man immer etwas dazu oder entdeckt neue Fragestellungen und Möglichkeiten.

Hier geht’s zur Anmeldung

Wir haben zwei Termine für dich vorbereitet. Beide werden den gleichen Inhalt haben, du darfst dir also einen der beiden Tage aussuchen.

Unsere Bitte: registriere dich vorab, damit wir planen können, wie viele Leute wirklich teilnehmen und du das Beste rausnimmst. Außerdem erhältst du so den Link zum Zoom-Meeting.

Termin 1:

  • Mittwoch, 23. März
  • 15.30 – 17.00 Uhr
  • Hier geht’s zur Anmeldung.
  • Durch den Prozess begleiten dich an diesem Tag Andrea und Anna

Termin 2:

Du hast noch Fragen? Dann schreib uns gerne eine Nachricht oder hinterlasse uns ein Kommentar. 

Wir freuen uns, dich zu treffen!

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Destinationen Nachhaltigkeit im Tourismus Technologie Trends Veranstaltungen

Besucher*innenlenkung – Pflichtaufgabe oder Nerd-Spielplatz? Rückblick auf den ZukunftsIMPULS vom 8. März 2022

„Daten, Daten, Daten!“, betonte Markus Garnitz von der Bayern Tourismus Marketing GmbH in seinem Statement zum Thema Besucher*innenlenkung. Ist das also der neue Nerd-Spielplatz? Nur zum Teil, wie sich in der Diskussion bei unserem ZukunftsIMPULS zeigte.

In einige zentrale Gedanken der Diskussion möchte ich dich hier in Kürze mitnehmen. Wenn du Lust hast empfehle ich dir aber definitiv, die Aufzeichung anzuschauen. Denn hier zeigt sich perfekt, wie unterschiedlich die Perspektiven auf lokaler, regionaler und Bundeslandebene sind – und dass es einige verbindende Elemente gibt. Zudem sprechen wir über OpenData, Tourismusakzeptanz, Einbeziehen der Gästeperspektive und vieles Mehr.

Hier geht’s direkt zur Aufzeichnung.

Gerade keine Zeit für das ganze Videos? Dann möchte ich hier 3 besonders relevante Erkenntnisse aus dem Event teilen.

1. Sensoren ohne Strategie sind nur Infrastruktur

Schauen wir uns das Thema „Daten, Daten, Daten!“ also nochmals an. Grundsätzlich sind Daten für ganzheitliches Besucher*innenmanagement unerlässlich. Aber sollen wir nun an jeden Baum Sensoren montieren, nur weil es theoretisch geht? Definitiv nicht! Sensorik sollte sich in die Strategie einfügen.

Also heißt es: einen halben Schritt zurückgehen und erstmal Fragen notieren. Was will ich lernen über Gästeströme? Was machen wir aus dieser Information? Welche bestehenden Daten gibt es, die wir ebenfalls nutzen könnten? Wo ist eine händische Erfassung sinnvoll, um Hypothesen zu testen, bevor man Infrastruktur aufbaut?

Ein Tipp: informiere dich, welche weiteren Akteur*innen gerade ähnliche Projekte haben. Sei es die Wirtschaftsförderung, Hochschulen oder Nahverkehrsanbieter. Sensorik ist schon an vielen Stellen im Einsatz oder wird gerade geplant. Im Sinne der Kooperation sowie der Nachhaltigkeit ist Zusammenarbeit hier ein echter Beschleuniger.

2. Die Gästeperspektive ist der Schlüssel

„Wenn die Leute an den Strand wollen, wollen sie an den Strand!“, formulierte Karoline Lenz von Lübeck Travemünde Marketing so treffend. Um Spitzen zu entlasten reicht es also nicht, auf dem letzten Kilometer Wegweiser und Personal einzusetzen, wenn der Ansturm kommt.

Also lieber bereits in der Inspirationsphase ansetzen und aufzeigen, welche Erlebnisse es vor Ort gibt. Wichtig dabei: die Alternative muss adäquat sein! Also nicht statt dem Strand das Museum anbieten, nur weil dort weniger los ist. Das Vorgehen in Travemünde: weniger frequentierte Strandabschnitte kommunizieren und die Fähre, die Gäste dorthin bringt kostenlos machen, um Hürden zu senken.

Lenkung beginnt also ab dem ersten Kontakt in der Customer Journey und nicht erst, wenn die Menschen vor Ort sind. Daher ist eine ganzheitliche Betrachtung im Sinne eines gästezentrierten Managementansatzes unerlässlich. Touchpoints sind dann eben nicht nur die eigene PWA mit Auslastungsanzeige sondern auch Social Media Accounts aber auch analoge Orte wie die Hotelrezeption oder die Tourist-Info.

3. Das M in DMO steht für Management

Die Alpenregion Tegernsee-Schliersee reichlich Outdoor-Erlebnissen vor den Toren Münchens. Entsprechend spielen Tagesgäste hier eine zentrale Rolle – zum Teil zum Leidwesen der Einwohner*innen. „Wir verstehen uns aber nicht als die, die eine Schranke runterlassen. Unser Ziel ist es, Tourismus zu ermöglichen und zu gestalten. Und zwar gemeinsam mit den Menschen vor Ort“, berichtet Thorsten Schär, Geschäftsleiter der Alpenregion Tegernsee-Schliersee.

Was es dafür braucht: einen Blick für das große Ganze und das Bewusstsein, dass Kompromisse und Lösungen für unterschiedliche Interessen und Wahrnehmungen gefunden werden müssen. Das ist keine reine Marketingaufgabe mehr sondern eine Managementaufgabe. Zentral dabei ist die Zusammenarbeit mit weiteren Gestalter*innen vor Ort, zum Beispiel mit Standortorganisationen, Politik, Verkehrsverbünden etc.

Besucher*innenlenkung kann also ein „Steigbügel“ sein, um mit den lokalen Stakeholdern besser in den Austausch zu kommen und sich als DMO in die Rolle als Lebensraumgestalterin weiterzuentwickeln.

 

Ist es nun Pflichtaufgabe oder Nerd-Spielplatz?

Eine gute Frage! Unsere Impulsgeber*innen sowie die weiteren Gäste haben nämlich so spannende Ideen und Ansätze mitgebracht, dass die Frage diskutiert werden konnte.

Mein Gedanke dazu: es ist definitiv eine Pflichtaufgabe! Zum einen aus dem Serviceverständnis gegenüber den Gästen, die auf der Suche nach Erlebnissen sind. Zum anderen als strukturgebende Institution in der Region, die eine Verpflichtung gegenüber den lokalen Stakeholdern hat.

Da wir durch die Digitalisierung aber ganz neue Tools haben tut uns allen sicherlich eine gute Prise Nerd-Feeling gut! Klar braucht es im Bereich (digitale) Besucher*innenlenkung und ganzheitliches Besucher*innenmanagement einen strategischen Überbau. Aber nicht nur. Die Dinge müssen dann auch in die Umsetzung kommen. Und zwar am besten in Form klar definierter Projekte zusammen mit stetigen Lernprozessen, bei denen wir uns auch mal in Daten reinfuchsen.

Ich wünsche dir viel Freude dabei und freue mich auf weitere spannende Projekte, die sicherlich in den nächsten Monaten und Jahren an Fahrt aufnehmen!

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Change Management Destinationen Gesellschaftliche Trends Nachhaltigkeit im Tourismus Strategie

Realizing Progress begleitet Bayern Tourismus auf dem Weg der nachhaltigen Destinationsentwicklung

Rückenwind für den Wandel bayerischer Tourismusregionen: die Bayern Tourismus Marketing GmbH (BayTM) will die Transformation des bayerischen Tourismus in Richtung Nachhaltigkeit vorantreiben – und wir dürfen sie dabei begleiten. Unser Ziel: ein gemeinsames Verständnis sowie eine Vision zum Thema Nachhaltigkeit im Bayerntourismus zu schaffen.

Nachhaltigkeit ist eines der wichtigsten Zukunftsthemen – und zugleich eine uralte Form des Handelns und Denkens. Und wo läge diese Symbiose näher als in Bayern? Wirtschaften in und mit der Natur, regionale Erzeuger*innen, Biodiversität und Lebensqualität für Bevölkerung und Gäste – all das können Bausteine sein, die zu einer nachhaltigen Entwicklung des Bayerntourismus beitragen. Viele bayerische Regionen und Akteur*innen wie z.B. das Allgäu, Regensburg oder die Rhön haben sich schon vor vielen Jahren auf den Weg in Richtung Nachhaltigkeit gemacht. Nun soll eine gemeinsame Vision und deren Umsetzung den bayerischen Tourismus noch erfolgreicher und resilienter machen.

VISIONEN UND ZIELE GEMEINSAM ERARBEITEN 

Ausgangspunkt des Projekts ist ein breit aufgestellter Visions- und Zielfindungsprozess, in dem wir die Tourismusakteur*innen Bayerns bei der Erarbeitung eines Zielbilds begleiten. Dieses bildet wiederum die Grundlage für die Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen auf lokaler und regionaler Ebene. 

Wichtig ist uns, dass Visionen und Ziele für einen nachhaltigen Bayerntourismus auf breiter Basis erarbeitet werden. Bereits beim Kick-off des Prozesses sind das Bayerische Zentrum für Tourismus, die Tourismusverbände Allgäu/Bayerisch-Schwaben, Franken, Ostbayern und Oberbayern/München sowie und das Bayerische Wirtschaftsministerium eingebunden. Die Zielfindungsworkshops sind – unter zusätzlicher Beteiligung von Akteur*innen aus Forschung, Regionen und Leistungsträgern – noch breiter aufgestellt. Um die Ergebnisse nachhaltig in den Regionen und Strukturen zu verankern, planen wir weitere Vorträge, Trainings und Entwicklungsworkshops für Touristiker*innen und Kommunalpolitiker*innen. 

Alle Zeichen stehen auf Nachhaltigkeit (Foto: Snell Media)
Alle Zeichen stehen auf Nachhaltigkeit (Foto: Snell Media)

NACHHALTIGKEIT ALS CHANCE FÜR BAYERN 

„Nachhaltigkeit ist für den Tourismus in Bayern die große Chance, die Balance der ökologischen, ökonomischen und sozialen Interessen langfristig zu sichern, um unsere Heimat auch in Zukunft als lebens- und liebenswertes Urlaubsland für uns und unsere Gäste zu erhalten“, sagt Barbara Radomski, Geschäftsführerin der BayTM. Durch eine nachhaltige Herangehensweise soll die bayerische (Tourismus-)Wirtschaft gestärkt, die einzigartige Natur geschont und die Lebensqualität für die Bevölkerung gesteigert werden. „Bayern kann stolz auf die bisherige Entwicklung sein. Jetzt müssen wir aber etwas tun, um diesen Vorsprung auch in Zukunft zu sichern bzw. weiter auszubauen“, ergänzt sie den formulierten Anspruch an den Prozess. 

GANZHEITLICH STRATEGISCHER ANSATZ 

Auch für uns ist es ein weiterer Schritt auf unserem Weg der Transformation von Tourismuszukunft zu Realizing Progress – ein weiterer Schritt zu einer ganzheitlichen Lebensraumperspektive, die Tourismus, Bevölkerung, Wirtschaftsförderung und Regionalentwicklung zusammen denkt. Auch das Thema Nachhaltigkeit packen wir ganzheitlich an und gehen über die rein ökologische Betrachtungsweise hinaus. Die ganzheitlichen Konsequenzen und notwendigen Veränderungsprozesse für touristische Regionen und Strukturen sind vielen noch unklar. Umso wichtiger ist es uns daher, einen gemeinsamen Weg für den bayerischen Tourismus und die Lebensräume in Bayern zu erarbeiten.

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Gesellschaftliche Trends News & Infos Veranstaltungen

Weltpremiere: Anmeldung zur OpenWeek ist offen!

Nun ist es soweit – die Anmeldung zur OpenWeek im Allgäu vom 28. Mai bis 4. Juni 2022 ist offen! Wir freuen uns auf Euch und haben deshalb Tickets für 50 Pionier*innen der Standortentwicklung, Wirtschaftsförderung und des Tourismus vorbereitet. Bist Du ein*e kreative*r und mutige*r Vorreiter*in einer offenen und nachhaltigen Welt sowie ein*e Gestalter*in der Zukunft unserer Lebensräume? Dann ist das dein Format, versprochen.

Über die Website zur OpenWeek kannst Du ab sofort dein Ticket für eine Woche gemeinsamen Lebens, Arbeitens, Essens und Erlebens buchen. 

An dieser Stelle noch einmal kompakt zusammengefasst:

  • Zeitraum: 28. Mai bis 4. Juni 2022
  • Ort: Fiskina in Fischen im Allgäu
  • Alle Infos und Details zum Ticketverkauf: www.openweek.de/tickets/

Aufgepasst! Tue Gutes für andere Pionier*innen

Bei der OpenWeek gibt es auch Community Tickets. Was ist das genau? Mit dem Kauf eines Community Tickets ermöglichst du die Teilnahme an der Open Week jemand anderem, dem es aus individuellen Gründen nicht möglich ist, das Ticket selber käuflich zu erwerben. Interessenten für diese Tickets können sich bis zum 1. Mai 2022 bewerben.

Das Miteinander ist groß geschrieben bei der OpenWeek (Foto: Greg Snell)
Das Miteinander ist groß geschrieben bei der OpenWeek (Foto: Greg Snell)

Tue Gutes und lade jemanden zur OpenWeek ein – neugierig, was mit deinem Community-Ticket passiert. Wir binden auch dich gerne in die Entscheidungsfindung mit ein, wenn Du willst.

Was erwartet mich bei der OpenWeek?

Dir ist noch nicht ganz klar, was dich bei der OpenWeek erwartet? Das können wir offen gesprochen auch nicht genau sagen. Alles kann, nichts muss. Mit einer kontrastreichen Serie an Einzelveranstaltungen sorgt die OpenWeek für eine Vielfalt an neuen, mutigen Impulsen. Die flexible Programmgestaltung ermöglicht den Teilnehmenden darüber hinaus viel Zeit für ein gemeinschaftliches oder auch individuelles Erkunden der Region. Folgende Programmpunkte sind aber schonmal als Eckpunkte gesetzt:

  • Gemeinsame Eröffnungs- und Abendveranstaltung – Wir wollen uns doch alle gut kennenlernen.
  • Vorstellung des Lebensraum-Konzepts durch die Allgäu GmbH – Die OpenWeek steht unter dem Motto „Lebensräume neu denken“. Insofern dreht sich alles um das Lebensraum-Konzept.
  • OpenStammtisch – Der direkte Austausch wird bei der OpenWeek nicht zu kurz kommen. Dafür ist genug Raum da – und beim OpenStammtisch auch genug Zeit. Speziell hier erwarten wir auch Besucher*innen aus dem Allgäu.
  • Barcamp – So ganz verabschieden wir uns dann doch nicht vom Barcamp und integrieren es als ein Format des Austausches und der Wissensvermittlung auch bei der OpenWeek.
  • MessUp Night – Beim Neudenken von Themen braucht es definitiv auch ein neues Denken in Bezug auf Misserfolge. Wir halten eine fehlerfreundliche Kultur essentiell für Erfolge und Innovationsfähigkeit.
  • Lernreise ins Allgäu – Lebensräume neu denken heißt Lebensräume auch selbst zu erfahren. Dafür ist die geplante Lernreise zu Orten der Transformation wie geschaffen.
  • Hackathon – Wir wollen nicht nur über Neues sprechen, sondern auch Neues schaffen. Inhaltlich dreht sich der Hackathon um das Rahmenthema „Neue Verträglichkeit – das Spannungsfeld zwischen Wertschöpfung und Wertschätzung.“

Das alles erwartet dich in deiner OpenWeek-Woche!

Weitere Informationen zur OpenWeek und zum Programm findest Du hier: www.openweek.de oder auch in unserem letzten Blogbeitrag zur OpenWeek.

Unser Lebensraum auf Zeit - das Allgäu (CC-BY-SA Allgäu GmbH, Christiane Glöggler)
Unser Lebensraum auf Zeit – das Allgäu (Foto: CC-BY-SA Allgäu GmbH, Christiane Glöggler)

Überzeugt? Worauf wartest Du noch?

Die OpenWeek ist eine Weltpremiere. Gemeinsames Leben, Arbeiten, Essen, Entdecken und Erfahrungen Sammeln – die OpenWeek ist vom Coworkation-Gedanken geprägt, aber auch vom lebensfrohen, begeisternden Austausch mit der gastgebenden Region. Ein solches Format hat es bisher nicht gegeben. Geprägt vom Coworkation-Gedanken bietet die OpenWeek eine einzigartige Gelegenheit, sich mit engagierten Vordenker*innen zum Lebensraum-Konzept auszutauschen und einen der fortschrittlichsten Lebensräume – das Allgäu – zu erfahren.

Hier geht es zur Anmeldung: www.openweek.de/tickets/

Wir sehen uns Ende Mai!

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Change Management Destinationen Kommunikation Marke Produktentwicklung Strategie

„Die Bevölkerung muss eine gemeinsame Identität haben“ – Learnings aus unserem ZukunftsIMPULS zum Thema Lebensraum

Unser erster ZukunftsIMPULS im Jahr 2022 hatte den Begriff „Lebensraum“ zum Thema. Wir wollten wissen, was ihr darunter versteht und haben uns außerdem mit der Allgäu GmbH einen Player eingeladen, der das Thema schon lange integriert denkt. Nach 1,5 Stunden waren wir sowohl von eurem Interesse als auch von der Qualität der Diskussion überwältigt. Für alle, die nicht dabei sein konnten und für alle, die noch mal in Ruhe nachlesen wollen, gibt es hier eine Zusammenfassung.

Was bedeutet „Lebensraum“ überhaupt?

Von den Teilnehmenden in unserer Runde wurden folgende, sehr vielfältige Stichworte zur Einordnung genannt:

Ergebnis unserer Schnellumfrage: Welche 3 Stichworte fallen dir zum Thema „Lebensraum“ ein?

Dass der Begriff „Lebensraum“ einerseits gerade ein Modewort ist, andererseits aber noch nicht wirklich klar ist, wie DMOs zur Verbesserung der Lebensqualität für alle Menschen in einer Destination beitragen können (oder wie diese überhaupt gemessen werden kann), hat sicher zum großen Interesse an unserer Veranstaltung beigetragen. Und es hat gezeigt: Der Tourismus muss sich wandeln. Reines Incoming, ohne die ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit zu vereinen, wird in Zukunft nicht mehr funktionieren. Und auch eine rein touristische Infrastrukturentwicklung ohne Rücksicht auf die Bevölkerung wird nicht mehr akzeptiert werden.

Das hat die Allgäu GmbH als eine der ersten Destinationen im deutschsprachigen Raum erkannt. Darum konnte Marketingchef Stefan Egenter auch auf einen breiten Erfahrungsschatz zurückgreifen und uns viele Beispiele nennen, wie sich Tourismus und Bevölkerung zusammen entwickeln lassen können. Und natürlich auch, wo die Herausforderungen liegen.

Unsere Erkenntnisse

Nach Stefans Vortrag und einer – sowohl im Chat als auch im direkten Gespräch – sehr angeregten Diskussion (wir konnten unseren vorbereiteten Workshopteil gar nicht mehr unterbringen) waren unsere Gäst*innen und auch wir um einige Erkenntnisse reicher.

Eine gemeinsame Identität ist Voraussetzung

Aus dem Chat: „Und natürlich muss die Bevölkerung eine gemeinsame Identität haben.“

Nur in Regionen, in denen es eine gemeinsame gelebte Identität gibt, lässt sich das Thema Lebensraumgestaltung umfassend spielen. Diese Identität muss in Lebensraumprozessen herausgearbeitet und weiterentwickelt werden.

Aus dem Chat: „Im besten Fall stimmt das Bild von Lebensraum, also auch das Bild der Einheimischen, mit dem Bild der Destination zusammen. Aber vor allem über alle Bereiche hinweg: Place Branding ohne Place making ist ‚hohl‘. Menschen merken Marken durch Leistung.“

Die Bevölkerung vor Ort mitnehmen – zum Beispiel über die offene Kommunikation über Stadtentwicklungsprojekte (Foto: Greg Snell)

Wir müssen Status Quo und Erfolg messen

Aus dem Chat: „Im Rahmen der neuen touristischen Identitätsfindung, unter Berücksichtigung der Nachhaltigkeit, werden wir uns auch der Fragestellung nach ’neuen‘ KPIs stellen müssen… Es braucht Botschafter für den ‚Lebensraum-Tourismus‘ und damit das Öffnen für eine neue Form des Miteinanders und Sichtweisen.“

Übernachtungszahlen und BIP haben ausgedient. Wir brauchen neue KPIs für den Erfolg von Regionen und Destinationen und müssen diese umfassend und kontinuierlich messen. Nur so wissen wir, wo und wir wir uns weiterentwickeln können.

Silos waren gestern

Aus dem Chat: „Was ich in diesem Zusammenhang wichtig finde, ich das Verschränken der unterschiedlichen Perspektiven und Bedürfnisse der einzelnen Stakeholder eines ‚Raumes‘, und nicht so sehr eine Aneinanderreihung.“

Für den Erfolg von Lebensräumen sind nicht nur DMOs zuständig. Es braucht Verkehrsgesellschaften, Wirtschaftsförderungen, Stadtentwickler*innen, soziale Einrichtungen und Kultur. Und alle an einem Tisch.

Aus dem Chat: „Mal so ganz zugespitzt: ist der ‚Begriff‘ Lebensraum nicht einfach nur ein Modewort für Tourismusorganisationen, um die Bedeutung der Bedeutung zu betonen. Dabei sitzt man oftmals bei der wirklichen Lebensraumgestaltung (Flächenentwicklungsplanungen, Mobilitätsplanungen, Schul- und Bildungsentwicklung, Infrastrukturen etc.) nur am ‚Katzentisch‘.“

Der politische Wille ist notwendig

Aus dem Chat: „Wesentlicher Erfolgsfaktor: der politische Wille!“

Wir können noch so viele grandiose Konzepte erarbeiten – wenn sie in den Schubladen der politischen Entscheider*innen verstauben, sind sie sinnlos. Der politische Wille und der Mut, eine Destination strategisch weiterzuentwickeln, sind unbedingt notwendig. Kleiner Reminder an alle, die gerade nicht in einem Bürgermeister*innen-Büro sitzen: Politische Willensbildung ist vielfältig und gewählte Politiker*innen lassen sich von einer breiten, gut artikulierten Aufbruchsstimmung gerne mitnehmen.

Die Akteur*innen und die Bevölkerung vor Ort mitnehmen – auch wenn sie nicht aktiv auf einer Mitnahme-Bank sitzen (Foto: Greg Snell)

Kommunikation ist King

Willensbildung und Aushandlungsprozesse sind zäh – vor allem, wenn sie so komplexe Themen wie die Lebensraumgestaltung betreffen. Aber sie lohnen sich, die Ergebnisse sind dann umso nachhaltiger. Darum: Kommuniziert, was das Zeug hält, geht raus auf den Marktplatz, sprecht mit Gäst*innen und Bevölkerung.

Aus dem Chat: „Der Aussage würde ich zustimmen, hier geht es ja in erster Linie um die geschickte Vermarktung und Außendarstellung. Ich würde es sehr begrüßen, wenn grundsätzlich die ‚wirkliche Lebensraumgestaltung‘ (wie oben genannt) das Thema Tourismus und Attraktivität beinhalten würde. Natürlich kann der Tourismus zur Verbesserung des Lebensraumes beitragen, ist dabei wohl aber eher Impulsgeber.“

Sei anders – sei du selbst

Aus dem Chat: „Allgäu ist ja auch mehr eine Haltung als eine Landschaft :-)“

Was für Menschen gilt, gilt für Regionen schon lange: Jede*r ist anders und muss seinen oder ihren individuellen Weg finden. Mach dein Ding, denke out-of-the-box und verlasse dich auf deine Werte und Überzeugungen.

Aus dem Chat: „Kann man feststellen, dass es Destinationen am einfachsten fällt, sich auf EINE Marke zu einigen, die eine gewisse Homogenität oder Nähe der Branchen untereinander haben?“

Open Week CC-BY-SA Allgäu GmbH, Christiane Glöggler
Open Week (CC-BY-SA Allgäu GmbH, Christiane Glöggler)

Vorfreude auf die OpenWeek

Nach diesem unglaublich interessanten ZukunftsIMPULS freuen wir uns umso mehr auf unsere OpenWeek. Vom 28. Mai bis 4. Juni 2022 werden wir im Allgäu gemeinsam mit weiteren 50 Pionier*innen und Visionär*innen das Thema Lebensräume neu denken. Bist du dabei? Dann hier lang!

Kleiner Disclaimer zum Begriff Lebensraum

Wir sind auch im Kontext dieser Veranstaltung von euch mit der Geschichte des Begriffs „Lebensraum“ konfrontiert worden und natürlich ist uns diese bewusst. Trotzdem haben wir bewusst entschieden, ihn zu verwenden, weil er treffender ist als jeder andere. Warum wir so entschieden haben? Das erklärt der von uns sehr geschätzte Christian Felber in seinem Buch „Gemeinwohlökonomie“ (Vorwort erweiterte Neuauflage) besser, als wir das je könnten:

„Allen großen Begriffen ist gemein, dass sie begehrt sind. Unterschiedliche Akteure und Regime vereinnahmen sie für ihre Zwecke und Interessen. […] Das sollte aber kein Argument dagegen sein, den an sich stimmigen und trefflichen Begriff weiter zu verwenden. […] Die besten Begriffe unterliegen der größten Vereinnahmungsgefahr […]. Das soll uns achtsam machen. Wir müssen den Begriff aber deshalb nicht verwerfen.“

Felber spricht hier übrigens vom Begriff Gemeinwohl. Für Lebensraum gilt unserer Ansicht nach dasselbe.