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Rückblick: Was waren unsere Highlight-Projekte des Jahres und warum?

Das Jahr neigt sich mit großen Schritten dem Ende entgegen. Bevor sich die ersten Netzwerkpartner*innen in den Urlaub verabschieden, haben wir die Gelegenheit genutzt, 2022 Revue passieren zu lassen und zu reflektieren, was unsere persönlichen Highlight-Projekte des Jahres waren. Wo haben wir kleine oder große Veränderungen angestoßen? Warum waren die Projekte besonders? Dabei soll es nicht nur um unsere eigenen Learnings gehen. Vielmehr möchten wir dir als Leser*in jeweils einige Tipps mitgeben, was du aus den Projekten für dich mitnehmen und adaptieren kannst.

Dabei schlagen wir einen Bogen…

  • … von Strategien als Grundlagen – sowohl bei der Fortschreibung des Tourismus-Masterplans Oberschwaben-Allgäu als auch beim Reisebüro Oberfell,
  • … über konkrete Produkte und Kanäle – am Beispiel des „Odenwald-Madonnen-Radwegs“ sowie des Website-Baukastens für Reisebüros,
  • … über die Nachhaltigkeit in ihren verschiedenen Facetten – am Beispiel der nachhaltigen Produktstrategie für den Tourismus Oberbayern, des Grundlagenpapiers „Nachhaltigkeit im Tourismus in Sachsen“ sowie der nachhaltigen Destinationsentwicklung im bayerischen Tourismus,
  • … hin zu konkreten Methoden – wie die Erarbeitung eines Leitbilds mittels Abstraktionstechniken sowie dem generellen Einsatz von Kreativitätstechniken im beruflichen Alltag
  • … und geben außerdem einen Einblick in strukturelle Anpassungen innerhalb unseres Teams mit Hilfe einer sogenannten „Newshub-Funktion“.

 

Los geht’s – hier sind unsere Highlights des Jahres 2022:

Annas Highlight-Projekt war der oberbayerische Nachhaltigkeits-Kompass

Anna Scheffold: Entwicklung einer Nachhaltigen Produktstrategie für den Tourismus Oberbayern München e.V.

Was war das Ziel des Projekts?

Der Grundgedanke: wenn wir in Oberbayern eine Verbesserung im Bereich Nachhaltigkeit erreichen wollen, muss die Veränderung an der Kundenschnittstelle, also am Produkt direkt passieren.

Dafür wurde der „Kompass für nachhaltige Produkte in Oberbayern“ erarbeitet, der im Herbst 2022 öffentlich vorgestellt wurde.

 

Was haben wir gemacht und was waren die zentralen Learnings?

  • Wichtig zu Beginn: Einordnen, warum wir das eigentlich tun. Was bedeutet Nachhaltigkeit für Oberbayern? Was erhoffen wir uns vom Projekt? So wurde das bisweilen schwammige Thema klarer abgegrenzt.
  • Die bekannten Modelle der Nachhaltigkeit und die 17 Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung (SDGs) wurden einbezogen, aber in klare Handlungsfelder übersetzt. Z.B. in den Bereich „Kulinarik“ und „Regionale Wertschöpfung“.
  • Der Kompass heißt übrigens bewusst so, da er eine Orientierung und Inspiration bieten soll. Er zeigt in unterschiedlichen Handlungsfeldern auf, was Leistungsträger*innen genau tun können, um ihr Angebot zukunftsfähig, enkeltauglich und nachhaltiger zu gestalten. Es gibt kein Kriterienraster und auch kein Siegel.

 

Was kannst du als Leser*in aus Annas Projekt für dich mitnehmen?

  • Nachhaltigkeit nicht als großes Thema sehen, sondern klare Projekte draus machen! Schritt für Schritt geht es voran.
  • Zentral im Projekt war insbesondere die enge Einbeziehung von Stakeholdern von Anfang an in gemeinsamen Workshops, Gesprächen und Umfragen. Das sorgt dafür, dass das Projekt anschließend in den Teildestinationen weiterlebt.
  • Sehr lehrreich auch: das Arbeiten mit Prototypen, um Ideen „anfassbar“ zu machen. Der Kompass wurde also in einer „Grobversion“ mit Leistungsträger*innen verprobt, bevor daraus eine finale Version entstand.

Weitere Infos zu Annas Highlight-Projekt findest du hier.

 

Andreas Lieblingsprojekt: Die nachhaltige Fortschreibung des Tourismus-Masterplans 2022-2027 der Destination Oberschwaben-Allgäu

Andrea Schneider: Fortschreibung des Tourismus-Masterplans Oberschwaben-Allgäu

Worum ging es?

Inhalt des Projekts war die nachhaltige Fortschreibung des Tourismus-Masterplans 2022-2027 für die baden-württembergische Destination Oberschwaben-Allgäu mittels ganzheitlichem Partizipationsprozess.

Durch die Fortschreibung des Tourismus-Masterplans sollten neue Akzente gesetzt werden, welche für Einheimische und Gäste gleichermaßen spürbar und erlebbar werden. Zudem sollte die Strategie eine nachvollziehbare Handreichung für die Zukunft darstellen, damit nicht nur ein neues Selbstverständnis, sondern auch wesentliche Arbeitsschritte und Umsetzungsetappen abgeleitet werden können.

 

Was waren die zentralen Learnings?

  • Über 20 Anspruchsgruppenvertreter*innen haben bei der Strategieentwicklung mitgeholfen. Durch diesen Co-Creation-Prozess schaut die Gruppe in die gleiche Richtung, womit die Basis für die gemeinsame, erfolgreiche operative Zukunft gelegt wurde.
  • Durch menschenzentrierte Prozessschritte und bewussten Einsatz von Online-Tools wie Zoom und Mural können Strategieentwicklungen auch digital gelingen.
  • Ein Hoch auf das Realizing Prozess Ringmodell! Einmal mehr hat es gezeigt: Sind Markenidentität und Hauptzielgruppe sorgfältig erarbeitet, liegen Ableitungen für Themen, Produkterlebnisse, Ansprache und Ressourceneinsatz auf der Hand.

 

Was kannst du als Leser*in aus Andreas Projekt für dich mitnehmen?

  • Getrau dich, Prozesse partizipativ anzugehen! Wie heterogen eine Gruppe auch scheint – das frühzeitige ins Boot holen verschiedener Akteur*innen bringt nur Vorteile!
  • Digitales Zusammenarbeiten ist auch nach der Pandemie eine wirkliche Option und bringt viele Vorteile. Wichtig ist, dass die Moderation durch Menschen erfolgt, die empathisch sind und die Gruppe auch durch den Bildschirm motivieren und zusammenführen können.
  • Willst du, dass deine Strategie nicht in der Schublade landet, sondern den Weg auf die Straße findet, wähle deine Agentur sorgfältig. Lasse dir Referenzprojekte zeigen und stelle entsprechende Fragen für die Umsetzung.

 

Björns Highlight 2022: Die kollaborative Entwicklung eines Strategiebilds von „Smart Mobility“

Björn Eichner: Strategiebild „Smart Mobility“

Was waren die Ausgangssituation und das Ziel des Projekts?

Ein international tätiges Unternehmen aus dem Bereich Fahrgastinformation will ein neues Geschäftsfeld „Smart Mobility“ vorantreiben. Seitens der Geschäftsführung gibt es eine klare Vorstellung für die Implementierung und Umsetzung. Das Gefühl war, dass im Unternehmen noch kein ausreichendes gemeinsames Verständnis für das Geschäftsfeld, die anvisierten Produkte und für die Strategie zur erfolgreichen Umsetzung im Markt vorhanden ist.

Es sollte mit Hilfe einer Graphic Recorderin ein gemeinsames „Bild von Smart Mobility“ kollaborativ entwickelt und eine zieldienliche kollektive Strategie abgeleitet werden.

 

Was waren die zentralen Learnings des Projekts?

  • Selbst wenn es einen vermeintlich klaren Begriff oder eine Formulierung für ein Produkt oder eine Strategie gibt, heißt das noch nicht, dass ihn alle Beteiligten gleich verstehen.
  • Das Arbeiten mit dem Abstraktionsprinzip (hier in Form von Bildern) hilft enorm dabei, eine gemeinsame Sprache in der Beschreibung und zum Verständnis der Bilder zu finden. Dadurch werden Dinge besprechbar, die man ansonsten aufgrund von Worten und einer eigenen Interpretation inkl. der voreiligen Annahme, es richtig verstanden zu haben, nicht gefragt hätte.
  • Das gemeinsam skizzierte Bild schafft Verbundenheit, Teamgeist und es eignet sich bestens, um kontinuierlich gemeinsam daran weiterzuarbeiten, sowie es unbeteiligten Dritten zu erklären und wiederum aufgrund von Rückfragen neue Impulse zu erhalten.

 

Wie genau ist Björn vorgegangen?

Für die Entwicklung eines gemeinsamen Bildes war es wichtig, zunächst die einzelnen Perspektiven, Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede im Verständnis und ggf. auch weitere Ideen der Kolleg*innen repräsentativ für das Unternehmen zu verstehen.

In Einzelinterviews konnten 16 Kolleg*innen und Perspektiven persönlich repräsentativ für den Querschnitt des Unternehmens kennengelernt werden, und mit der externen Nicht-Expert*innen-Sicht das Produkt verstanden werden. Darauf aufbauend wurden im Rahmen eines klaren Projektziels, eines abgegrenzten „Spielfeldes“ und unter Vorgabe klarer „Spielregeln“ mit einer Gruppe von Menschen aus dem Unternehmen in einem eintägigen Strategieworkshop zusammen mit der Graphic Recorderin  an dem gemeinsamen Sketchnote gearbeitet.

 

Was kannst du als Leser*in aus Björns Projekt für dich mitnehmen?

  • Kennst du das auch aus deinem persönlichen Kontext, dass vermeintlich „klare“ Positionen, Strategien oder Produktversprechen von anderen aus deiner Perspektive nicht richtig verstanden oder umgesetzt werden? Dann denke einmal über einen abstrakten Perspektivwechsel als Methodik nach …!
  • Nichts ist klar, solange die beteiligten Personen oder Institutionen die eigene Perspektive in den Vordergrund stellen und in der Kommunikation kein kollektives, klares Bild erzeugt haben.
  • Im Rahmen eines solchen Prozesses gibt es sehr wahrscheinlich spannende neue Sichtweisen und Anregungen aus dem eigenen Umfeld, an die du bisher noch gar nicht gedacht hast!

 

Catharinas Lieblingsprojekt in diesem Jahr: Das Grundlagenpapier „Nachhaltigkeit im Tourismus in Sachsen“

Catharina Fischer: Grundlagenpapier „Nachhaltigkeit im Tourismus in Sachsen“

Was war das Ziel des Projekts und was wurde gemacht?

Das Papier hat das Ziel, einen strukturellen Rahmen für den Kerntourismus in Sachsen zu schaffen. Es beantwortet folgende Fragen: „Wie müssen Strukturen aussehen, damit das Thema Nachhaltigkeit im Tourismus letztlich auf der operativen Ebene ankommt und umgesetzt werden kann? Welche Maßnahmen sind zum Schaffen dieser Strukturen notwendig? Und wer ist für die jeweiligen Maßnahmen verantwortlich?“

Die Erarbeitung des Grundlagenpapieres erfolgte mit einer Steuerungsgruppe bestehend aus den wichtigsten Akteur*innen im Tourismus in Sachsen. Das Papier schafft die strukturelle und strategische Grundlage für das Thema Nachhaltigkeit in Sachsen.

 

Was war für Catharina das zentrale Learning des Projekts?

Die inhaltliche Erarbeitung des Themas Nachhaltigkeit ist weniger herausfordernd als die strukturelle: Die wirklichen Herausforderungen liegen in der operativen Umsetzung des Themas, nicht in seiner thematischen Definition und Interpretation.

 

Was kannst du als Leser*in aus Catharinas Projekt für dich mitnehmen?

Um das Thema in die Fläche zu bringen, ist ein partizipativer Prozess mit relevanten Akteur*innen unabdingbar. Darin liegt der nachhaltige Erfolg und das Erreichen der operativen Ebene = Leistungsträger*innen.

 

Catherinas Highlight: Die Steuerung der internen Kommunikation bei Realizing Progress

Catherina Schmidmeier: Reorganisation von Realizing Progress & interne Kommunikation

Worum ging es?

Je mehr unser Netzwerk wächst, umso wichtiger ist es, dass es gewisse Strukturen und Prozesse gibt, die den Informationsfluss unter den Netzwerkpartner*innen am Laufen halten. Aus diesem Grund hat Catherina Mitte des Jahres die neu geschaffene Rolle des internen Newshubs übernommen.

 

Was waren dabei die zentralen Learnings?

  • Je größer ein Team, desto schwieriger, dass jede*r über alles (laufende Projekte, Kompetenzen der anderen, anstehende Termine etc.) Bescheid weiß.
  • Nicht jede*r arbeitet gleichermaßen strukturiert, alle Netzwerkpartner*innen sind individuell: was der oder die Eine nebenbei erledigt, ist für manch andere*n eine wirklich mühsame Angelegenheit.
  • Es braucht deshalb jemanden, der oder die den Überblick behält und Spaß an Aufgaben hat, die von anderen als „nervig“ empfunden werden.

 

Was haben wir intern neu strukturiert?

Catherina ist als Newshub die „zentrale Steuerungsinstanz“ (so die ursprüngliche holprige Bezeichnung der Rolle) des Netzwerks. Damit ist sie verantwortlich für alles, was früher oft mangels Zuständigkeitsgefühl, Lust, Zeit etc. innerhalb des Netzwerks hintenüber gefallen ist oder höchstens halbherzig erledigt wurde: interne Kommunikation via internem Newsletter, Koordination der externen Kommunikation (Social Media, Blogartikel etc.), Terminkoordination und manchmal auch dafür, den anderen einen Schubs zu geben, ihre (internen) Aufgaben zu erledigen und benötigte Inhalte zu liefern.

 

Was kannst du als Leser*in aus unserem internen Prozess für dich mitnehmen?

  • Nicht jede*m liegt jede Aufgabe. Aufgaben werden aber (meistens) nur dann gut, gern und zuverlässig erfüllt, wenn der oder die Verantwortliche auch Freude dabei empfindet und sich damit identifiziert.
  • Jedes neue Teammitglied ändert das Gesamtgefüge und kann dazu führen, dass Strukturen und Prozesse angepasst oder neu geschaffen werden müssen.
  • Man muss auch mal für sich selbst über den Tellerrand blicken: Passt das, was ich die letzten Jahre gemacht habe, noch zu mir? Oder kann es durch neue Interessen, andere Rahmenbedingungen, veränderte Lebenssituationen usw. sein, dass mir inzwischen etwas ganz anderes besser liegen und mehr Spaß machen würde?

 

Christophs Highlight-Projekt war der Markenprozess des Odenwald-Madonnen-Radwegs

Christoph Aschenbrenner: „Markenprozess für den Odenwald-Madonnen-Radweg“

Was war das Ziel des Projekts?

Im Projekt „Markenprozess für den Odenwald-Madonnen-Radweg“ wollte die Touristikgemeinschaft Odenwald die Basis für das Marketing der nächsten Jahre legen. Zentraler Bestandteil war eine teilnehmende Beobachtung.

 

Was waren für Christoph die zentralen Learnings?

Die teilnehmende Beobachtung durch Christoph – also das Fahren des Radwegs mit dem Ziel, das Produkt mit seinen Produktkriterien und seinem Produktversprechen zu erleben – hat viele Erkenntnisse gebracht, die in einem Strategieprozess in Workshopräumen oder digital nie herausgekommen wären. Touristische Produkte oder Destinationen kennenzulernen, sollte immer zentraler Bestandteil von Strategie- und Markenprozessen sein.

 

Was kannst du als Leser*in aus Christophs Projekt für dich mitnehmen?

  • Erkenntnis für DMO-Vertreter: Kenne dein Produkt – fahre deine Radwege, übernachte in deinen Hotels, erlebe das, was deine Zielgruppe auch erleben soll.
  • Investiere in Strategieprozesse – externe Dienstleister können auch besser beraten, wenn sie das Produkt kennen und erleben durften.

 

Florians Highlight: Die nachhaltige Destinationsentwicklung in Bayern

Florian Bauhuber: Nachhaltige  Destinationsentwicklung im bayerischen Tourismus

Was war das Ziel des Projekts?

Entwicklung einer Vision & eines für Bayern funktionierenden Tools für die Bayern Tourismus Marketing GmbH  zur Verankerung einer nachhaltigen Destinationsentwicklung im bayerischen Tourismus.

 

Was waren für Florian die zentralen Learnings?

  • Die Gemeinwohl-Denke lässt sich perfekt auf Destinationen anwenden.
  • Wandel in Richtung Nachhaltigkeit muss nicht immer mit dem Wort Nachhaltigkeit verknüpft sein.
  • Nachhaltigkeit muss ganzheitlich gedacht und umgesetzt  werden.

 

Was wurde im Rahmen des Projekts gemacht?

Wir haben ein Werkzeug als Hilfestellung entwickelt, das die bayerische Tourismusbranche auf ihrem Weg zur Nachhaltigkeit unterstützen soll. Entstanden ist eine Matrix, angelehnt an einen Ansatz der Gemeinwohl-Ökonomie: sie definiert 20 Aufgabenfelder mit zentralen Fragen und ausgewählten Beispielen, die als Inspiration für Projekte von DMOs und Touristiker*innen dienen sollen.

 

Was kannst du als Leser*in aus Florians Projekt für dich mitnehmen?

  • Ein zielgruppenorientiertes Narrativ zur Mitnahme von Entscheidern und Stakeholdern ist essentiell.
  • Die Matrix kann auch von Regionen außerhalb von Bayern für ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten genutzt werden.
  • Jede*r Akteur*in kann ihren/seinen Beitrag zum Wandel leisten: auch du.

Mehr zur Matrix und zum Projekt findest du hier.

 

Günter Exel Realizing Progress
Günters Lieblingsprojekt: Die Content-Strategie für das Reisebüro Oberfell

Günter Exel: Content-Strategie Reisebüro Oberfell

Was war das Ziel des Projekts?

Im Rahmen des Digitalisierungspaketes für Reisebüros begleitete ein Team von Realizing Progress das Reisebüro Oberfell im vergangenen Jahr bei der Positionierung seiner Marke (Johannes), der Entwicklung seiner Content-Strategie (Günter) und seiner Online-Vermarktung (Michael) [mehr dazu demnächst].

In einer Serie von Online-Workshops mit dem Reisebüro-Besitzer und seinem Team entwickelte Günter Eckpfeiler und konkrete Ideen für die neue Content-Strategie.

 

Was waren für Günter die zentralen Learnings?

  • Das Realizing Prozess Ringmodell ermöglicht ein gezieltes strategisches Vorgehen, das auf Markenwerten, Vision, Zielgruppen und Themen aufbaut und eine schrittweise Anleitung zur Entwicklung der eigenen Kommunikationsstrategie gibt.
  • Keine Kommunikation ohne Fokus auf die Zielgruppen! Die zwei Personas des Reisebüros werden konsequent in ihren Bedürfnissen angesprochen.
  • Kreativität und Multimedia-Kompetenz sind Trumpf: Story-Ideen lassen sich auf verschiedenen Plattformen in eine Vielfalt von Formaten übersetzen.

 

Wie ist Günter vorgegangen?

Entlang der einzelnen Stationen des Realizing Progress Ringmodells wurden gemeinsam Themen und Story-Ideen entwickelt, die Funktionen des Contents definiert, die Aufgabenverteilung bei der Content-Produktion besprochen sowie Vorgaben und konkrete Umsetzungsschritte für zielgruppenrelevante Formate und Kanäle festgelegt.

 

Was kannst du als Leser*in aus Günters Projekt für dich mitnehmen?

  • Nimm dir Zeit, deinen Content einmal strategisch zu durchdenken – du wirst feststellen, dass eine gut durchdachte Strategie dir in der Folge viele Inspirationen und Anleitungen für den Kommunikationsalltag liefert!
  • Suche dir ein motiviertes Social-Media- und Marketing-Team und räume ihm gestalterischen Freiraum ohne überflüssige Feedbackschleifen ein – nur so entsteht authentische Kommunikation.
  • Fotografie, Bildbearbeitung, Filmen und Schneiden: Fördere das Multimedia Know-how deiner Mitarbeiter*innen!

 

Die thematische Breite des Content-Konzeptes ist in den Instagram-Beiträgen und insbesondere den Story-Highlights des Reisebüros Oberfell nachzuverfolgen: https://www.instagram.com/reisebuerooberfell/

Kristines Highlight: Kreativitäts-Workshop im Saarland

Kristine Honig: Kreativitäts-Workshop für die Tourismus-Zentrale Saarland

Was war das Ziel des Projekts?

Für die Tourismus Zentrale Saarland führte Kristine einen Kreativitäts-Workshop durch. Ziel von diesem war es, konkrete Kreativtechniken und -methoden für den beruflichen Alltag auszuprobieren.

 

Was waren für Kristine die zentralen Learnings?

  • Es braucht unterschiedliche Methoden für unterschiedliche Fragestellungen.
  • Unterschiedliche Methoden funktionieren für die einzelnen Menschen unterschiedlich gut.
  • Kreativitätstechniken für den beruflichen Alltag müssen unkompliziert umsetzbar sein.

 

Wie ist Kristine vorgegangen?

Basierend auf konkreten beruflichen Fragestellungen der Teilnehmenden wurden diverse Methoden ausprobiert, um neue Ideen für diese Herausforderungen zu finden. Im zweiten Schritt setzten wir ergänzend verschiedene Techniken ein, um die Vielzahl der Ideen zu bewerten und zu strukturieren. Der anschließende Austausch über die verschiedenen Methoden brachte dabei sehr unterschiedliches Feedback auf diese hervor. So unterschiedlich, wie die Menschen sind – so unterschiedlich werden Kreativitätsmethoden gesehen.

 

Was kannst du aus Kristines Projekt für dich mitnehmen?

  • Setze bewusst Kreativitätstechniken ein, nimm dir die Zeit hierfür. Die Perspektivenwechsel helfen dir, (neue) Antworten auf deine alltäglichen Fragestellungen zu finden.
  • Probiere verschiedene Methoden aus, um zu schauen, was für dich am besten funktioniert – Inspirationskarten? Vorstrukturierte Fragen? Schnelligkeit?
  • Setze sowohl auf individuelle Methoden als auch auf Methoden im kleinen Team. Schon zu zweit entstehen oft mehr und bessere Ideen als alleine.

 

Falls du Lust hast, dies selbst auszuprobieren, schau gerne einmal hier vorbei.

 

Michaels Lieblingsprojekt 2022: Die Entwicklung des Website-Baukasten für Reisebüros

Michael Faber: Website-Baukasten

Was war das Ziel des Projekts?

Mit unserer Website-Lösung wollen wir Reisebüros einen professionellen, zeitgemäßen und mobil-optimierten Online-Auftritt verleihen. Rund 60 Reisebüros nutzen unseren Website-Baukasten bereits.

 

Was waren die zentralen Learnings für Michael?

  • Reisebüros haben spezielle Ansprüche an Websites, die Standard-Angebote oft nicht erfüllen können.
  • Bei der Produktentwicklung sollten die letztlichen Nutzer*innen einbezogen werden: Der Website-Baukasten entstand so in Zusammenarbeit mit Touristiker*innen.
  • Flexibilität ist der Schlüssel: Reisebüros können Funktionsvorschläge einbringen, die Website-Lösung wird kontinuierlich weiterentwickelt und erweitert.

 

Was kannst du aus Michaels Projekt für dich mitnehmen?

  • Ein moderner und professioneller Außenauftritt hat positiven Einfluss auf das Image eines Reisebüros: Du steigerst nicht nur das Vertrauen deiner Kund*innen in dein Reisebüro, sondern wirst auch als Arbeitgeber*in attraktiver, weil du zeigst, dass du mit der Zeit gehst.
  • Nutze deine Website als Vertriebskanal: Es lässt sich eine Vielzahl an Tools einbinden – von der paxlounge bis hin zu diversen IBEs.
  • Setze auf optimierte Lösungen, die genau deinen Bedürfnissen entsprechen, anstatt auf Workarounds und Kompromisse. Die Investition zahlt sich aus.

 

Und jetzt erzählt ihr gern: Was waren eure beruflichen Highlights im Jahr 2022? Was habt ihr gelernt?

 

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Bundestagswahl – Programme im Check – Teil 2

Nachdem wir uns letzte Woche in Teil 1 um die Bereiche Wandel und Tourismuspolitik gekümmert haben, folgt jetzt Teil 2 unserer Analyse der Wahlprogramme. Dabei schauen wir uns die Bereiche Nachhaltigkeit / Klimaschutz und Lebensraum / Regionalentwicklung an.

Nachhaltigkeit / Klimaschutz

Echte Nachhaltigkeit ist wahrscheinlich DAS Gebot unserer Zeit und sollte für unser aller Handeln gelten. Dafür braucht es Rahmenbedingungen. Und eine ganzheitliche Sichtweise auf soziale, ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit. Wobei die dringendsten Weichenstellungen wohl im Bereich ökologischer Nachhaltigkeit bzw. Klimaschutz nötig sind. Darum legen wir den Fokus hier auf diesen Teil.

Im Wahlprogramm der Union kommt das Thema Klimaschutz vor allem in der Verbindung mit (Sozialer Markt-)Wirtschaft vor. Intensiv werden die wirtschaftlichen Leistungen der Vergangenheit gelobt. Für Unternehmen soll es keine neuen Belastungen geben. Die Klimaneutralität bis 2045 ist zwar als Ziel genannt (mit dem Zwischenziel einer Treibhausgasreduzierung von 65% bis 2035), allerdings sind kaum konkrete Maßnahmen beschrieben. Auch auf die Kritik der Wissenschaft (und der Gerichte), dass die aktuellen Klimaziele nicht ausreichend sind, um unsere Umwelt zu retten, scheint das Programm nicht einzugehen. Ein früherer Kohleausstieg zum Beispiel ist nicht geplant. Auch ein eigenes Kapitel zum Klima- und Umweltschutz sucht man im Wahlprogramm von CDU und CSU (wie leider in einigen anderen Wahlprogrammen auch) vergebens.

Das ist auch bei der SPD nicht anders, auch wenn die „Zukunftsmission Klimaneutrales Deutschland“ immerhin das wichtigste Element im Kapitel „Lebenswerte Zukunft“ ist. Ansonsten scheint sich die SPD mit der Union bei den Klimaanstrengungen für die nächste Wahlperiode genauso einig zu sein wie in der aktuellen Klimapolitik. Zwar wird die 65%-CO2-Minderung auf 2030 vorgezogen, der Kohleausstieg allerdings nicht. Genauere Maßnahmen, wie das 1,5-Grad-Ziel erreicht werden soll, bleibt das Programm schuldig. Bis auf ein generelles Tempolimit auf Autobahnen, das zumindest ein schnell umzusetzende Maßnahme für unser Klima ist.

„Der Markt regelt das.“ Das scheint zumindest die Prämisse zu sein, mit der die FDP auf den Klimawandel reagiert. Klima und Umweltschutz durch Innovation ist das Schlagwort der Liberalen, als politisches Instrument fällt der Parte nur der Emissionshandel ein. Dafür gibt es dann aber ein schönes Schaubild.

Die Linke ist die erste Partei in unseren Check, der der Klimawandel zumindest ein eines Kapitel im Wahlprogramm wert ist – auch hier wiederum verknüpft mit einer starken sozialen Komponente. Schon 2035 soll das „System der fossilen Energien“ ersetzt werden. Das ist ambitioniert, aber die Zeit ambitionsloser Klimapolitik sollte nun auch wirklich der Vergangenheit angehören. Die genannten Maßnahmen sind umfassend und reichen von reduzierten Geschwindigkeiten auf allen Straßen über eine Verdoppelung der ÖPNV-Nutzer*innen bis zur Installation von 10 Gigawatt Solarenergie und 9 Gigawatt Windenergie pro Jahr.

Die Grünen stellen mit ihrem Programm unter Beweis, dass sie nicht zu Unrecht als Klimapartei gelten. Schon das erste Kapitel heißt „Lebensgrundlagen schützen“ und allein dieser Teil ist fast so lang wie die Wahlprogramme einiger anderer Parteien. Entsprechend detailliert und fundiert fallen dann auch die beschriebenen Ziele und Maßnahmen aus. Was uns gut gefällt: Auch Zukunftsbereiche wie Digitalisierung, cradle to cradle und Lebensraumentwicklung werden beim Thema Umweltschutz mitgedacht.

Unser Fazit: eine gesellschaftliche Transformation Richtung Nachhaltigkeit ist unbedingt erforderlich und Klimaschutz muss in den kommenden Jahren an erster Stelle stehen. Das wird nicht von selbst passieren, dazu braucht es uns alle! Unter Fachleuten und Wissennschaftlern ist dies unumstritten. Darum hat es uns doch etwas überrascht, wie schwer sich manche Parteien tun, dieser Tatsache Rechnung zu tragen.

Manche Pateien stehen schon in den Startlöchern für mehr Klimaschutz, andere haben die Dringlichkeit leider noch nicht erkannt. (Foto: Snell Media)
Manche Pateien stehen schon in den Startlöchern für mehr Klimaschutz, andere haben die Dringlichkeit leider noch nicht erkannt. (Foto: Snell Media)

Lebensraum / Regionalentwicklung

„Wir gestalten die Zukunft von Lebensräumen.“ Das ist unser Anspruch als Realizing Progress und das ist auch unsere innere Haltung als Netzwerkunternehmen. Darum haben wir uns natürlich auch angesehen, was die Parteien zu diesem komplexen Themenfeld zu sagen haben.

Die Union widmet dem Thema erfreulicherweise ein ganzes Kapitel. Unter dem Schlagwort „aus Liebe zu unserer Heimat“ geht es um Lebensqualität für Städte und Regionen. Klassische Themen wie die viel postulierte Gleichwertigkeit von Stadt und Land und der Traum vom Eigenheim kommen hier genauso vor wie spannende Zukunftsthemen wie smart cities, den Umbau von Innenstädten und Ortskernen und eine nachhaltige Verkehrsinfrastruktur. Und auch der Tourismus als Chance für ländliche Regionen wird genannt.

Bei der SPD finden sich entsprechende Ziele und Forderungen nicht gebündelt in einem Kapitel, aber dafür mitgenannt in vielen anderen Bereichen des Wahlprogramms. Zum Beispiel regionale Energiegenossenschaften, das „modernste Mobilitätssystem Europas“ oder die digitale Verwaltung. Ein roter Faden oder moderne Entwicklungskonzepte fehlen uns allerdings.

Die FDP fordert vereinzelt sinnvolle Maßnahmen wie MakerSpaces an Schulen, digitale Bürgerservices, sichere Radwege oder eine Anhebung der Übungsleiter-Freibeträge. Einen Willen, Lebensräume aktiv und zukunftsgerichtet zu gestalten, haben wir dem Wahlprogramm der Liberalen allerdings nicht entnommen.

Die Linke will „Städte zukunftsfest machen – Leben in die Dörfer bringen„. Hier werden öffentliche Räume der Begegnung ebenso gefordert wie Investitionsprogramme für den Stadtumbau, smart cities und soziale Zentren. Alles in allem Forderungen, die wir aus unserer Praxis unterstützen können. Eine „neue Ausrichtung von Regionalpolitik und Städtebauförderung“ wünschen wir uns sehr. Ob allerdings Forderungen wie ein Verbot gewerblicher Außenwerbung in Innenstädten wirklich sinnvoll sind, wagen wir zu bezweifeln.

Die Grünen sind in ihren Ausführungen zum Thema Lebensraum nicht so ausführlich wie im Bereich Klima, aber auch hier lassen sich gute Ansätze finden. Die neue „Gemeinschaftsaufgabe regionale Daseinsvorsorge“ klingt zwar etwas unsexy, aber was sich dahinter verbirgt, klingt nach guten Maßnahmen für „happy places“, also lebenswerte Städte und Orte. Von der kreativen Umnutzung von Leerstand über Smart-City-Projekte bis zu Regionalbudgets zur selbstbestimmten Gestaltung von Gemeinden ist vieles dabei, was wir auch gerne in unseren Projekten anstoßen würden.

Unser Gesamteindruck

Wir haben uns die Wahlprogramme der politischen Parteien mit den Schwerpunkten Wandel, Tourismus, Nachhaltigkeit/Klima und Lebensraum angeschaut und mit unseren beruflichen Erfahrungen sowie den Werten und Zielen unseres Netzwerkunternehmens abgeglichen. Dabei konnten wir nicht annähernd alles in den beiden Blogposts thematisieren, was wir uns vorgenommen hatten. Trotzdem hoffen wir, dass wir dir einen Einblick in die Wahlprogramme aus unserer Sicht geben konnten. Auch wenn wir natürlich auch intern kontrovers diskutieren und nicht immer einer Meinung sind – davon lebt unser Netzwerk genauso wie unsere Gesellschaft – wünschen wir uns doch alle eine offene, zukunftsgerichtete Politik. Darum haben wir dir hier nochmal unseren Gesamteindruck zu den Wahlprogrammen zusammengefasst:

Die Union weiß, was sie in den letzten Jahrzehnten geschaffen und geschafft hat. In den letzten 40 Jahren war sie über 30 in Regierungsverantwortung und hat unser Land entscheidend mitgeprägt. Diese Muster sieht man auch deutlich im aktuellen Wahlprogramm. Aktuell leben wir aber in Zeiten, in denen Wandel in vielen Bereichen dringend nötig ist. Und diese Notwendigkeit scheint bei den Macher*innen des Unions-Wahlprogramms nicht den Stellenwert gehabt zu haben, den wir und wünschen. Gerade beim Klimaschutz bräuchten wir hier mehr Ambitionen. Das „Programm für Stabilität und Erneuerung“ hat unserer Meinung nach zu viel Fokus auf Stabilität und zu wenig auf Erneuerung.

Auch der SPD merkt man an, dass sie in der Vergangenheit andere Schwerpunkte gesetzt hat als sie in der Zukunft wohl nötig sein werden. Die Erhaltung von Arbeitsplätzen zum Beispiel kann unserer Meinung nach kein Selbstzweck sein, wenn sie der Zukunft eher schaden als nutzen (Stichwort Braunkohle). Zwar erkennt die SPD in ihrem Programm „Aus Respekt vor der Zukunft“ an, dass große Änderungen bevorstehen und das Programm wirkt auch so, als ob die Partei diese Änderungen auch mittragen würde, allerdings haben wir nicht das Gefühl, dass Wandel und Lust auf Zukunft wirklich zur DNA der Partei gehören.

Die FDP gibt sich in ihrem Wahlprogramm angriffslustig und zukunftsorientiert. Wir finden hier einiges an Begriffen aus unserer eigenen Lebenswelt. Allerdings wirkt das Programm sehr vordergründig und dünn. Die Partei setzt auf den Markt, auf Innovationen und auf den schlanken Staat. Ob sich damit wirklich die Herausforderungen, vor denen wir stehen, regeln lassen? Darüber kommen uns bei der Lektüre des Programms „Nie gab es mehr zu tun.“ Zweifel – trotz des ambitionierten Titels.

Die Linke postuliert „Zeit zu handeln!“ – und das ist unsere Zeit definitiv. In einigen Bereichen wie der ambitionierten Klimapolitik sehen wir daher auch große Schnittmengen zu unseren Werten und Grundsätzen, in anderen wie der Tourismuspolitik überhaupt nicht. Außerdem fiel uns beim Lesen des Programms immer wieder auf, wie oft das Programm ein Gefühl von Geschlossenheit und fast Zwang vermittelt, mit dem unsere Offenheit, unsere Neugier auf neue Möglichkeiten und unsere Lust auf Veränderung oft kollidieren.

Das Wahlprogramm der Grünen heißt „Deutschland. Alles ist drin.„. In unseren vier untersuchten Bereichen ist es die Tourismuspolitik, die uns am wenigsten überzeugt hat, der Klimaschutz am meisten. Die inhaltliche Detailfülle und Schwerpunktsetzung des Programms finden wir richtig. Wir treten als Realizing Progress für eine offenere nachhaltige Welt ein – die Grünen werden mit ihrem Wahlprogramm in den vier untersuchten Bereich diesem Anspruch am ehesten gerecht. Auch wenn auch hier noch viel Luft nach oben ist, wenn wir unseren Kindern eine lebenswerte Welt hinterlassen wollen.

Disclaimer

Wir haben uns für diesen Blogartikel die Wahlprogramme aller Parteien angesehen, die aktuell im Bundestag vertreten und in unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung verankert sind. Die Nennung der Parteien erfolgt nach der Anteil ihrer Sitze im aktuellen Bundestag.

Die Links zu den Wahlprogrammen findest du hier:

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Bundestagswahl: Programme im Check – Teil 1

An der Bundestagswahl 2021 kommt aktuell niemand in Deutschland vorbei. Der Ausgang ist offen und spannend wie nie! Fest steht aber jetzt schon: Es wird eine richtungsentscheidende Wahl (Stichwort Klimaschutz). Und auf das neue Parlament und die von ihm gewählte Bundesregierung kommen große Herausforderungen zu. Mit unserem neuen Ansatz „Wir gestalten den Wandel von Lebensräumen“ haben wir natürlich einen Gestaltungsanspruch. Und ganz allgemein vertreten wir den Standpunkt, dass gesellschaftliches Engagement wichtig wie nie ist. Darum haben wir uns die Programme der Parteien aus unserer Sicht angesehen. Hier ist der erste Teil unserer Analyse.

Wandel

Wandel war schon immer das Herzstück unseres Netzwerks. Und in der nächsten Wahlperiode wird unser aller Fähigkeit zu positiver, aktiver Veränderung in sämtlichen politischen Bereichen gefragt sein. Darum haben wir uns gefragt: Wie stehen die Parteien in ihren Wahlprogrammen dazu?

Im Wahlprogramm der Union finden sich schon in der Einleitung Begriffe wie „Modernisierungsjahrzehnt“ und „Wandel gestalten“. Allerdings scheinen sich CSU und CDU hier selbst nicht ganz zu trauen. Jeder verbale Schritt nach vorne wird gleich eingeschränkt, zu sehr scheint auch der Wunsch durch, den aktuellen Status quo zu halten. Ganz deutlich zeigt sich das im Ziel, „zurück zu einer Normalität zu gelangen, die uns Liebgewonnenes und Vermisstes zurückgibt“.

Das Programm der SPD heißt „Zukunftsprogramm“ und lässt daher vom Namen her schon einiges an Wandel erhoffen und auch in der Einleitung ist von einer „neuen Normalität“ die Rede. Dass wir nicht zurück in eine Vor-Corona-und-Klimawandel-Zeit können, wird hier anerkannt. Allerdings haben wir den Eindruck, dass hier auf Wandel eher reagiert werden soll und eine aktive Gestaltung nicht das Ziel kommender SPD-Politik ist.

Die FDP hat Lust auf Wandel. Das zeigt sich im Wahlprogramm schon im Titel und die Partei legt den Finger in viele Wunden vergangener Versäumnisse. Um nicht in der Vergangenheit zu bleiben, zeigen die Liberaldemokraten allerdings gleich ihren Gestaltungsanspruch und sprechen von Deutschland als „Vorreiter der Modernisierung„, von einer „innovation nation“ und von technischen Neuerungen als Treiber des Wandels. Der Fokus liegt hier ganz eindeutig auf Wandel durch Offenheit.

Die Linke spricht von „Mut zur Veränderung„, von einer „sozialökologischen Transformation„. Im Gegensatz zur FDP denkt die Linke Wandel aber eher aus einer egalisierenden, normierenden Perspektive. Der Wandel, den der fortschreitende Klimawandel unbedingt nötig macht, wird hier verknüpft mit sozialen Themen wie Steuergerechtigkeit und wirtschaftlichem Strukturwandel.

Die Grünen benennen den Wandel in ihrem Wahlprogramm vergleichsweise wenig, auch wenn sie von einer „Zeit des globalen Ausnahmezustands“ sprechen, in dem wir uns gerade befinden. Hier muss man schon genauer lesen, um zu erkennen, welche gesellschaftlichen und politischen Veränderungen die Partei anstrebt. Wenn man das getan hat, haben es die Vorschläge der Grünen allerdings in sich. Ein „weiter so“ scheint es mit den Grünen nicht zu geben.

Unser Fazit: wir sind uns sicher – zurück zur alten Normalität können und wollen wir nicht. Wichtig ist es, die aktuellen Herausforderungen anzunehmen und unser „new normal“ so nachhaltig, frei und lebenswert wie möglich zu gestalten. Und zwar proaktiv und nicht erst dann, wenn uns die Umstände endgültig dazu zwingen.

Jetzt ist die Zeit für nachhaltige Tourismuspolitik. (Foto: Greg Snell)
Jetzt ist die Zeit für nachhaltige Tourismuspolitik. (Foto: Greg Snell)

Tourismus

Natürlich ist der Tourismus für uns eines der wichtigsten Themen, auch in den Wahlprogrammen für die Bundestagswahl. Leider hatte Tourismuspolitik in der Vergangenheit nicht immer den Stellenwert in der Bundespolitik, den wir uns gewünscht hätten. Wird sich das jetzt ändern?

Im Wahlprogramm der Union gibt es nur einen kurzen Absatz über Tourismus. Dort will man die nationale Tourismusstrategie weiterentwickeln, den Tourismus bei der Förderung für strukturschwache Räume berücksichtigen und das Auslandsmarketing der DZT stärken. Alles in allem weisen diese sieben Zeilen nicht darauf hin, dass es CSU und CDU ernst ist mit der Stärkung unserer Branche.

Die SPD fertigt den Tourismus noch knapper ab. In den 66 Seiten Wahlprogramm kommt der Begriff genau ein Mal vor. Allerdings wird hier immerhin das Ziel formuliert, „diesen zentralen Wirtschaftszweig nachhaltig, klimabewusst und modern auszurichten“. Dieses Ziel unterstützen wir, auch wenn wir uns deutlich mehr Input dazu gewünscht hätten.

Die FDP hat sich da ein paar Gedanken mehr gemacht. Sie spricht von einer nachhaltigen Weiterentwicklung des Tourismus, von Digitalisierung im Tourismus und von Innovationen für die gesamte touristische Wertschöpfungskette. Genaue Wege oder Ziele werden allerdings auch hier nicht benannt.

Die Linke benutzt den Begriff Tourismus auch genau ein Mal, und zwar als Negativfaktor für „Mietwahnsinn und Verdrängung“. Hier finden wir überhaupt kein Bewusstsein für unsere Branche und die Chancen, die sich durch Nachhaltigkeit und Strukturentwicklung ergeben.

Die Grünen wollen der „Tourismuswirtschaft nachhaltig auf die Beine helfen“ – und zeigen damit in ihrem Wahlprogramm gemeinsam mit der FDP das meiste Engagement für uns. Die Grünen sprechen sich gegen Massentourismus aus und für nachhaltigen Tourismus, der auch Bereiche wie Müllproduktion und Ressourcenverbrauch mitdenkt. Durch die Verbindung mit Rad- und Bahnverkehr wird hier auch eine Brücke zu Infrastrukturthemen geschlagen, die nach unserem Verständnis zentral für zukünftige Politik sein müssen.

Etwas enttäuscht sind wir schon, welchen Stellenwert der Tourismus in den meisten Wahlprogrammen eben nicht hat. Gerade weil wir wissen, wie viel Gedanken sich die Branche um ihre Zukunftsfähigkeit macht (hier nennen wir gerne nochmal unser impulse4travel-Manifest, das es immerhin auch auf die Website des Kompetenzzentrum Tourismus des Bundes geschafft hat). Wir sind überzeugt: Nachhaltigkeit und der Schutz von Ressourcen sind für unsere Branche in Zukunft ebenso wichtig wie die Einbindung in die Weiterentwicklung von Lebensräumen und in die Gestaltung zukunftsfähiger Verkehrsinfrastruktur.

Bald geht’s weiter mit Teil 2 unserer Analyse zur Bundestagswahl 2021

Wandel und Tourismuspolitik sind natürlich nicht die einzigen Bereiche, die uns an den Wahlprogrammen der Bundestagsparteien interessieren. Darum gibt’s hier bald Teil 2 unserer Analyse.

Disclaimer

Wir haben uns für diesen Blogartikel die Wahlprogramme aller Parteien angesehen, die aktuell im Bundestag vertreten und in unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung verankert sind. Die Nennung der Parteien erfolgt nach der Anteil ihrer Sitze im aktuellen Bundestag.

Die Links zu den Wahlprogrammen findest du hier:

Der DRV hat zur Bundestagswahl die tourismuspolitischen Positionen der Parteien abgefragt und dabei Antworten erhalten, die über die Positionen der Wahlprogramme hinausgehen. Die Antworten darauf findest du hier.

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Infografik Digitalisierung im Tourismus 2012 – Geo-Targeting

UPDATE: Die aktuelle Infografik zur „Digitalisierung im Tourismus“

Der Tourismus hat sich in den vergangenen 15 Jahren unter dem Einfluss digitaler Technologien massiv verändert. Neue Alltagspraktiken von Gästen sind emergiert, neue Akteure sind am Markt erschienen, Umsatzströme haben sich tiefgreifende verschoben. Folgende Infografik zeigt diesen Wandel: