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20 Jahre neugierig. Und noch lange nicht fertig.

Blog, Geschichte, Marke, Realizing Progress, Tourismusblog, Tourismuszukunft

Florian Bauhuber12. Sep. 2026

„Herzlich Wilkommen.“

Mit diesen zwei Worten beginnt am 21. September 2006 unser Blog. Ein „l“ fehlt. Dafür ist die Richtung schon ziemlich klar: Jens möchte über die zukünftige Entwicklung des Tourismus schreiben, technologische Veränderungen einordnen und neue Ideen entwickeln.

Jens Oellrich gründet den Blog – damals tourismuszukunft.de, ich komme wenige Wochen später dazu. Was daraus über die nächsten 20 Jahre entstehen wird, lässt sich zu diesem Zeitpunkt kaum ahnen.

Jens Oellrich & Florian Bauhuber – damals.

Heute umfasst dieses Archiv 1.949 Beiträge von 38 Redakteur*innen. Zwischen dem ersten Willkommen und unserem Jubiläum liegen 7.305 Tage. Dazwischen: Entdeckungen, Diskussionen, persönliche Gedanken, gemeinsame Projekte und immer wieder die Frage, was als Nächstes möglich wird.

Beim Stöbern begegne ich einer Branche im Wandel. Und ziemlich oft uns selbst

Jens über den Anfang

„Mich hat damals beschäftigt, was die technologischen Veränderungen für den Tourismus bedeuten könnten. Der Blog sollte ein Ort sein, um Beobachtungen zu teilen, neue Ideen zu entwickeln und mit anderen darüber ins Gespräch zu kommen. Ich wollte herausfinden, was da entsteht – und welche Möglichkeiten sich daraus ergeben.“

Schon im November 2006 schreibt Jens über einen „Dreamreader“. Die Technologie von Traveltainment soll Reisewünsche aus frei formulierten Texten herauslesen und passende Angebote zuordnen. Wer heute mit KI an Reiseberatung oder automatisierter Angebotserstellung arbeitet, dürfte kurz aufhorchen. Die Frage, wie Technik menschliche Wünsche besser verstehen kann, beschäftigt uns offenbar schon eine ganze Weile. Der damalige Beitrag liest sich erstaunlich vertraut – einschließlich einer gesunden Skepsis gegenüber dem Wort „Revolution“.

Jens über die damalige Zeit

„Das Internet eröffnete dem Tourismus neue Möglichkeiten: Menschen konnten ihre Reiseerfahrungen selbst veröffentlichen, Angebote wurden vergleichbarer und die Reiseplanung digitaler. Es gab viel zu entdecken und zu diskutieren. Spannend war für mich, wie diese Entwicklungen zusammenhängen und was sie für Reisende und Unternehmen verändern würden.“

2010 geht es bei uns um Buchungen direkt in Facebook. Wir waren die ersten, die damals in Facebook touristische Buchungssysteme zugänglich gemacht haben – via Facebook Markup Language (FBML).

2017 nehmen wir „Digitale Assistenz / Künstliche Intelligenz“ ausdrücklich als neue Entwicklungsstufe in unsere Infografik zur Digitalisierung auf. Damals steht vor allem Alexa für die Möglichkeiten, die wir darin sehen.

Es macht Spaß, diese alten Texte zu lesen. Manche Begriffe begegnen uns heute kaum noch, manche Hoffnungen wirken rückblickend ziemlich groß. Andere Gedanken haben sich weiterentwickelt und prägen längst den Alltag. Das Archiv erinnert mich daran, wie sich Zukunft anfühlt, solange sie noch offen ist: spannend, unübersichtlich und voller Möglichkeiten.Wir wollten darüber reden. Und wir wollten andere dabei haben.

Das Tourismuscamp – mehr als ein Event

2008 findet das erste Tourismuscamp statt. Menschen kommen zusammen, bringen ihre Fragen mit und gestalten das Programm gemeinsam. Wer etwas weiß, teilt es. Wer eine Frage hat, stellt sie. Daraus entstehen Gespräche und Verbindungen, die weit über ein Wochenende hinausreichen.

Das letzte Tourismuscamp in Eichstätt – Prof. Hans Hopfinger, langjähriger Unterstützer unseres Wirkens

Neun Jahre lang gehört dazu Eichstätt. Die Universität, die „Trompete“, Schäuferle und Hochmoorgeist. Beim zehnten Camp 2017 geht es nach Wilhelmshaven: Pumpwerk, Grünkohl und Moorgeist. So steht es tatsächlich in unserem Rückblick. Vor allem kommen mit dem neuen Ort neue Menschen dazu. Offenheit kann manchmal ganz einfach damit beginnen, woanders hinzufahren.

Auch unsere eigene Zusammenarbeit verändert sich. 2013 wird Tourismuszukunft zum Netzwerkunternehmen. Das feste Büro fällt weg, die Festnetznummer gleich mit. Selbstständige Partner arbeiten von unterschiedlichen Orten aus zusammen, organisieren sich digital und übernehmen Verantwortung füreinander und für ihre Projekte.

In meinem damaligen Blogbeitrag steht allerdings auch, dass wir zunächst mehr arbeiten als vorher. Eine aufschlussreiche Fußnote zur neuen Freiheit. Wie Selbstbestimmung, Verlässlichkeit und unterschiedliche Lebensrealitäten zusammenpassen, ist eine Aufgabe, an der wir weiterarbeiten.

Sobald man die eigenen Ideen im Alltag lebt, werden die Fragen konkreter.

Das erleben wir 2016 bei unserem eigenen Markenprozess. Wir diskutieren darüber, wie Neugier, Offenheit, Vertrauen und Kreativität in Bildern sichtbar werden. Schließlich lassen wir unsere Community über das Motiv für die Website abstimmen. Zur Wahl stehen unter anderem das Team, das springende Team, ein Sonnenaufgang und ein Baum. Wer im Archiv auf den Begriff „TZelfie“ stößt, findet ein schönes Stück unserer damaligen Selbstfindung.

2017 starten wir mit E-VOLI einen Ideenaufruf: Ein Jahr lang wollen wir eine Idee kostenlos mit unserem Wissen begleiten. Gerade auch solche Ideen sollen Raum bekommen, die bei einer rein wirtschaftlichen Bewertung früh aussortiert würden. Im Beitrag dazu schreiben wir, dass wir etwas von der Unterstützung und Freude zurückgeben möchten, die wir selbst erfahren haben.

38 Menschen, 1949 Beiträge, 730.000 Wörter!

Dieser Gedanke zieht sich durch unsere Geschichte. Vieles von dem, was wir wissen und können, ist im Austausch entstanden. 38 Menschen haben in diesem Blog ihre Perspektiven eingebracht. 344 Beiträge im Jahr 2009 waren der Rekord – fast ein Beitrag jeden Tag. Sie haben Beobachtungen aufgeschrieben, Erfahrungen geteilt und Gedanken zur Diskussion gestellt. Jeder und jede mit einer eigenen Stimme. Diese Vielfalt hat auch meinen Blick immer wieder erweitert.

Die Entwicklung der Themen in unserem Blog über die Jahre

Über die Jahre werden die Zusammenhänge größer, die wir betrachten. Markenidentität, Zielgruppen-Bedürfnisse, Produktqualität, Organisationskultur, Klimawandel und Gemeinwohl verbinden sich immer stärker mit unseren digitalen Themen.

Ein Ansatz dafür steht bereits im ersten Blogbeitrag: Jens schreibt, dass technologische Entwicklungen nicht losgelöst von allgemeinen Entwicklungen im Tourismus betrachtet werden dürfen. Dieser Blick auf Zusammenhänge begleitet uns bis heute.

Das gemeinsam mit der Branche entwickelte impulse4travel-Manifest bündelt 2020 viele dieser Perspektiven. 2021 wird aus Tourismuszukunft Realizing Progress. Am 18. Juli erkläre ich im Blog, warum der neue Name zu unserem erweiterten Blick passt: Tourismus ist mit dem Leben der Menschen vor Ort verbunden. Seine Zukunft entsteht im Zusammenspiel mit Gesellschaft, Umwelt und regionaler Wirtschaft.

Wie konkret das werden kann, zeigt eine kleine Geschichte von der ersten OpenWeek 2022 im Allgäu: Eine Hotelküche versorgt eine Kita. Kinder bekommen gutes Essen, das Hotel eine zusätzliche Einkommensquelle, regionale Erzeuger*innen verlässliche Abnahme. In solchen Verbindungen wird verständlich, was wir mit lebenswerten Lebensräumen meinen.

Ebenso wie die Erkenntnisse aus unserer eigenen Gemeinwohl-Bilanzierung 2025: die Freude über das, was in unserer Zusammenarbeit schon gut funktioniert, und die Aufgaben, die bei Transparenz, Dokumentation und ökologischen Kennzahlen noch vor uns liegen.

 

Danke Jens! Danke alle!

Wenn ich heute auf diese 20 Jahre schaue, bin ich vor allem dankbar. Danke, Jens, dass du damals angefangen hast. Dass ich wenige Wochen später dazukommen durfte, hat meinen eigenen Weg mitgeprägt. Danke an alle früheren und heutigen Kolleg*innen, die diese Geschichte weitergeschrieben haben. An unsere Kund*innen, die uns vertraut, mit uns ausprobiert und uns herausgefordert haben. An unsere Partner*innen, die Ideen weitergetragen haben. Und an euch, die ihr gelesen, kommentiert, widersprochen und neue Fragen gestellt habt. Ihr alle habt mitgeprägt, was aus diesem ersten Willkommen geworden ist.

Heute beschäftigen uns KI, Strategie, Nachhaltigkeit und die Zukunft unserer Lebensräume. Vieles ist komplexer geworden. Meine/unsere Neugier ist nach wie vor da. Dazu kommt die Erfahrung, dass Veränderung Zeit, Vertrauen und Menschen braucht, die Verantwortung übernehmen.

Ich freue mich auf das, was vor uns liegt. Auf neue Fragen. Auf überraschende Begegnungen. Darauf, mit meinen Kolleg*innen und mit euch gemeinsam etwas in Bewegung zu bringen.

Und jetzt bin ich neugierig auf eure Erinnerungen: Welcher Beitrag, welches Camp oder welches Gespräch mit uns ist euch hängen geblieben?

Nach 20 Jahren würde ich sehr gern auch eure Seite dieser Geschichte hören.

Florian

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Florian Bauhuber Geschäftsführer | Change Maker | Mentor

Florian Bauhuber ist Geschäftsführer des Experten-Netzwerks Realizing Progress. Bereits seit dem Jahr 2006 berät und begleitet er gemeinsam mit seinen Kolleg*innen unzählige Akteur*innen, die sich mit der Zukunft von Tourismus, Standorten und Lebensräumen beschäftigen. In seinem Fokus stehen dabei unterschiedliche Beratungsschwerpunkte: #ServiceDesign #Change #Nachhaltigkeit #DigitalStrategie #OpenData #Innovation

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