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Agentische KI: Was sich für Akteur*innen im Tourismus verändert

Agentische KI, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Ringmodell, Strategie

Günter Exel26. Mai 2026

Was verändert sich, wenn Künstliche Intelligenz nicht mehr nur Texte schreibt oder Daten auswertet, sondern als Agent Aufgaben übernimmt, Entscheidungen vorbereitet und Prozesse mitsteuert? Genau diese Frage haben wir – Florian, Nadine, Tom, Timm, Michael und ich, Günter – Mitte Mai bei einer Coworkation in Nürnberg diskutiert.

Gemeinsam haben wir technische Rahmenbedingungen erörtert, Szenarios entwickelt und mögliche Konsequenzen für Tourismus, Touristik, Standorte und Organisationen sortiert. Wir haben nicht weniger als 33 Ansätze erarbeitet, was Unternehmen und Organisationen heute tun können, um zukunftsfähig zu sein. Einen zuverlässigen Partner gab dabei das Realizing Progress Ringmodell ab – als perfekte Matrix, um tiefgreifende Veränderungen nicht nur technisch, sondern strategisch einzuordnen.

 

Warum Agentische KI kein Tool-Thema ist

Agentische KI verschiebt die Perspektive. Es geht nicht mehr nur darum, einzelne Aufgaben effizienter zu erledigen, sondern darum, dass neue Akteur*innen in Organisationen entstehen: KI-Agenten, Subagenten, Dashboards, Datenräume, automatisierte Prüfprozesse und neue Schnittstellen zwischen Menschen und Systemen.

Damit verändern sich auch zentrale Fragen:

  • Wer entscheidet künftig was?
  • Welches Wissen muss für Menschen und Maschinen zugänglich sein?
  • Welche Rolle behalten Mitarbeitende, Partner*innen und Führungskräfte?
  • Welche Produkte können dynamischer werden?
  • Welche Kommunikation bleibt glaubwürdig, wenn sie immer stärker personalisiert wird?

Für DMOs, Reiseveranstalter, Hotels, Standorte oder Lebensräume benötigen wir einen Perspektivenwechsel. Agentische KI ist kein reines Digitalisierungsthema – sie verändert Zusammenarbeit, Produktentwicklung, Marktlogik und Verantwortung auf einer strategischen Ebene.

 

Realizing Progress - Ringmodell 2022Das Ringmodell als Orientierungshilfe

Das Realizing Progress Ringmodell dient dazu, Strategie ganzheitlich zu betrachten. Es ordnet zentrale Fragen in fünf miteinander verbundene Bereiche:

  • Kern
  • Stakeholder
  • Produkterlebnis
  • Auftritt
  • Ansprache

Der Wert dieses Modells liegt nicht darin, Fragen zu den einzelnen Kreisen wie in einem Fragebogen nacheinander auszufüllen. Vielmehr zeigt es Wechselwirkungen an: Wenn sich Zielgruppen verändern, wirkt das auf Produkte, Kommunikation und Organisation zurück. Wenn sich das Produkterlebnis verändert, müssen Qualität, Vertrieb und Geschichten neu gedacht werden. Wenn neue Akteur*innen wie KI-Agenten hinzukommen, reicht es nicht, nur Prozesse anzupassen.

Gerade bei agentischer KI bildet das Ringmodell deshalb eine wertvolle Orientierungsleistung. Es verhindert, dass man auf der Tool-Ebene hängen bleibt. Stattdessen wird sichtbar, welche strategischen, kulturellen und operativen Veränderungen zusammengehören.

 

Im Kern verändert sich die Frage nach Unverwechselbarkeit

Aus Sicht der Akteur*innen beginnt die Veränderung mit einer einfachen, aber tiefen Frage: Was macht uns künftig unverwechselbar?

Wenn KI Beratung vorbereitet, Inhalte produziert, Daten analysiert oder Angebote bündelt, müssen Organisationen klären, welche Leistungen automatisiert werden können und welche bewusst menschlich bleiben sollen. Für manche Akteur*innen ist persönliche Begegnung ein Teil des Kerns. Für andere liegt der Unterschied in lokaler Verankerung, Erfahrung, kuratorischer Kompetenz oder besonderem Produktwissen.

Werte, Vision und Leitgeschichte werden dadurch nicht schwächer. Im Gegenteil: Sie werden zum Filter für Automatisierung. Nicht alles, was technisch möglich ist, passt zur eigenen Identität.

 

Bei Stakeholdern entsteht der größte Umbau

Der stärkste Veränderungsdruck liegt mit Sicherheit im Stakeholder-Ring. Denn hier geht es um Menschen, Rollen, Kultur, Wissen und Kommunikation.

Mitarbeitende werden (noch) nicht einfach durch Agentische KI ersetzt. Aber ihre Rollen verändern sich. Sie steuern, prüfen, trainieren, priorisieren, interpretieren und greifen ein. Führungskräfte müssen entscheiden, ob Effizienzgewinne in Wachstum, neue Aufgaben, bessere Qualität, andere Arbeitsmodelle oder reine Kostensenkung übersetzt werden.

Auch Partner*innen und Leistungsträger*innen sind betroffen. Wenn KI-Systeme mit Produktdaten, Serviceinformationen oder Qualitätskriterien arbeiten sollen, muss Wissen anders geteilt werden. Was früher in Erfahrung, Bauchgefühl oder informellen Gesprächen lag, muss dokumentiert, strukturiert und aktuell gehalten werden.

Das ist unbequem, aber zentral. Agenten können nur mit dem arbeiten, was zugänglich, verständlich und geregelt ist.

 

Im Produkterlebnis zeigt sich, ob KI wirklich nützt

Für Akteur*innen im Tourismus ist das Produkterlebnis der Realitätscheck. KI kann Empfehlungen personalisieren, Angebote bündeln, Serviceprozesse beschleunigen und neue Kombinationen sichtbar machen. Aber sie kann kein Erlebnis herbeizaubern, das es vor Ort nicht gibt.

Statische Produkte werden tendenziell dynamischer. Ein Angebot kann sich stärker an Bedürfnissen, Kontexten, Märkten oder Verfügbarkeiten orientieren. Für Destinationen heißt das zum Beispiel: POIs, Gastronomie, Veranstaltungen, Mobilität, Unterkunft und Atmosphäre können besser zu situativen Erlebnisbündeln verbunden werden.

Doch genau hier braucht es klare Qualitätskriterien. Was ist ein gutes Erlebnis? Welche Versprechen dürfen gemacht werden? Welche Zielgruppen passen wirklich zum Ort? Welche Services können Akteur*innen zuverlässig liefern?

Agentische KI wird nur dann wertvoll, wenn Produktentwicklung, Servicequalität und Kommunikation zusammenpassen.

 

Im Auftritt wächst die Zahl der Möglichkeiten

Agentische KI kann Zielgruppen, Märkte und Themen deutlich feiner bearbeiten. Sprachen, Milieus, Interessen, saisonale Anlässe oder konkrete Bedarfssituationen lassen sich leichter kombinieren. Damit wird der Auftritt beweglicher.

Für Akteur*innen klingt das zunächst verlockend: mehr Zielgruppen, mehr Märkte, mehr Varianten, mehr Sichtbarkeit. Aber auch hier bedeutet ein strategisches Vorgehen in erster Linie: Auswahl. Nicht jede erreichbare Zielgruppe ist wünschenswert. Nicht jeder Markt passt zum Produkt. Nicht jede personalisierte Botschaft zahlt auf die langfristige Positionierung ein.

Auch Corporate Design und Markenführung verändern sich. Wenn Agenten Inhalte und Formate erzeugen, brauchen sie keine losen Vorlagen, sondern klare Regeln: Farben, Schriften, Bildlogiken, Tonalität, Abstände, Prioritäten, Do’s und Don’ts. Das Corporate Design wird stärker zu einem maschinenlesbaren Regelwerk.

 

In der Ansprache lesen nicht mehr nur Menschen mit

Kommunikation verändert sich besonders deutlich. Websites, Plattformen, Suchsysteme, LLMs und Agenten werden zu neuen Interpret*innen einer Organisation. Es reicht nicht mehr, dass Inhalte für Menschen gut klingen. Sie müssen auch für KI-Systeme konsistent, strukturiert und faktengebunden verständlich sein.

Die Anfrage einer Nutzerin oder eines Nutzers kann dabei selbst zum Bedarfssignal werden. Wer nach einer ruhigen Altstadt, einem familienfreundlichen Naturerlebnis oder einem urbanen Kulturwochenende sucht, beschreibt bereits einen Erwartungsraum. Die Ansprache kann darauf dynamischer reagieren.

Aber auch hier gilt: Personalisierung braucht Grenzen. Wenn Agenten nur auf Klicks, Buchungen oder Reichweite optimieren, entstehen schnell falsche Versprechen. Akteur*innen brauchen Realitätschecks: Was ist belegbar? Was passt zum Produkt? Welche Erwartungen können tatsächlich erfüllt werden?

 

Die eigentliche Veränderung liegt im Zusammenspiel

Agentische KI verändert nicht einen einzelnen Kreis. Sie verändert das Zusammenspiel der verschiedenen Bereiche:

  • Der Kern entscheidet, was automatisiert werden darf.
  • Stakeholder schaffen Rollen, Wissen und Regeln.
  • Das Produkterlebnis zeigt, ob Versprechen eingelöst werden können.
  • Der Auftritt sortiert Zielgruppen, Themen, Märkte und Designlogiken.
  • Die Ansprache macht Organisationen für Menschen und KI-Systeme sichtbar.

Genau darin liegt die Herausforderung für Akteur*innen: Wer nur ein Tool einführt, bleibt an der Oberfläche. Wer das System betrachtet, erkennt die eigentlichen Hebel.

 

Fazit: Wir brauchen Orientierung, bevor wir skalieren

Für uns bei Realizing Progress ist klar: Agentische KI braucht Orientierung. Nicht als Bremse, sondern als Voraussetzung für wirksame Veränderung.

Das Ringmodell kann dabei als Matrix helfen, tiefgreifende Veränderungen sichtbar, besprechbar und gestaltbar zu machen. Es ordnet die großen Fragen, ohne sie vorschnell zu vereinfachen. Es zeigt, wo technische Möglichkeiten strategische Entscheidungen auslösen. Und es hilft Akteur*innen, vom Tool-Denken in eine echte Transformationslogik zu kommen.

Wenn Organisationen, Destinationen oder Unternehmen diesen Weg gehen wollen, begleiten wir gern dabei: einer der 33 Ansätze passt sicher auch auf deine Organisation, versprochen!

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Günter Exel KI-Experte | Content-Stratege | Kommunikations-Enthusiast

… ist der erste österreichische Netzwerkpartner von Realizing Progress. Für seine Beratungsschwerpunkte – Künstliche Intelligenz, Kommunikation, Content-Marketing, Social Media und Multimedia – bringt er praktisches Know-how als langjähriger Chefredakteur österreichischer Tourismusfachzeitschriften, als Marketing-Manager eines Reiseveranstalters und als Experte im Bereich Echtzeit-Reportagen mit.

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