Ein langer Weg und eine lohnende Reise
Wir bei Realizing Progress haben uns entschieden, den Weg der Gemeinwohl-Zertifizierung zu gehen und nun liegt er vor uns: der Auditbericht, das Ergebnis eines über ein Jahr andauernden Prozesses, der uns herausgefordert, bereichert und in vielem bestätigt hat.
Wir haben diesen Weg nicht eingeschlagen, um uns ein weiteres Label ans Revers zu heften. Sondern weil es zu dem passt, wofür wir stehen: Wandel gestalten, Dinge neu denken, Verantwortung übernehmen. Oder anders gesagt: Weil Gemeinwohlorientierung für uns kein „Add-on“, sondern Teil unseres unternehmerischen Selbstverständnisses ist.

Warum wir das gemacht haben – noch ein paar weitere Gründe
Als Beratungsunternehmen arbeiten wir täglich an der Zukunftsfähigkeit von Regionen, Organisationen und Unternehmen. Wir setzen uns mit Nachhaltigkeit auseinander – in ihrer ökologischen, sozialen, kulturellen und ökonomischen Dimension. Deshalb war es für uns nur konsequent, nicht nur andere bei ihren Veränderungsprozessen zu begleiten, sondern uns selbst auch diesen Fragen zu stellen.
Und die Fragen, die die Gemeinwohl-Matrix stellt, sind intensiv. Sie gehen in die Tiefe. Sie beleuchten Beziehungen – zu Mitarbeitenden, Lieferant*innen, Finanzpartner*innen, zur Gesellschaft und Umwelt. Sie werfen Licht auf blinde Flecken. Und manchmal tun sie weh, weil sie zeigen: Es gibt noch Luft nach oben.
Darüber hinaus: Die Gemeinwohl-Ökonomie war für uns kein Neuland
Die Gemeinwohl-Ökonomie war für uns kein Neuland, als wir uns zur Bilanzierung entschlossen haben. In unserer Projektarbeit hatten wir zuvor bereits intensiv mit der Gemeinwohl-Matrix gearbeitet – insbesondere im Rahmen der Entwicklung einer gemeinwohlorientierten Strategie für nachhaltige Destinationsentwicklung.
Gemeinsam mit der Bayerischen Tourismus-Marketing GmbH (BayTM) und weiteren Partnern haben wir die Matrix weiterentwickelt und auf die Besonderheiten des Destinationsmanagements übertragen.
Das Ergebnis: eine anwendungsorientierte Gemeinwohl-Matrix für Destinationen, ergänzt um ein umfassendes Handbuch, das Akteuren – in Bayern und darüber hinaus – als Orientierung dient. Diese Vorarbeit hat uns nicht nur methodisch vorbereitet, sondern auch inhaltlich sensibilisiert: Wie kann Gemeinwohl konkret in Strategien übersetzt werden? Wie lassen sich ökologische, soziale und ökonomische Aspekte gleichwertig denken? Diese Fragen begleiten uns seitdem in vielen Projekten und waren auch Treiber für unseren eigenen Bilanzierungsprozess.

Was wir gelernt haben
Trotz dieser “Vorbildung” war die Auseinandersetzung mit den Prinzipien der Gemeinwohl-Ökonomie für uns selbst sehr erkenntnisreich – gerade weil sie uns gezwungen hat, eigene Praktiken kritisch zu hinterfragen. Einige Einsichten, die uns besonders bewegt haben:
- Unsere Netzwerkpartner*innen – formal Lieferant*innen – sind bei uns viel stärker in Entscheidungsprozesse eingebunden, als das in vielen anderen Organisationen der Fall ist. Das wurde im Auditbericht besonders positiv hervorgehoben.
- Mit dem „Wertschätzungstopf“ haben wir ein solidarisches Element geschaffen, das nicht nur wirtschaftliche Beteiligung ermöglicht, sondern auch in Krisenzeiten als Unterstützung wirkt.
- Unsere Arbeitskultur ist bereits stark auf Partizipation, Selbstorganisation und individuelle Lebensrealitäten ausgerichtet – gleichzeitig hat der Prozess uns motiviert, auch in Bereichen wie Dokumentation, Transparenz und ökologischer Kennzahlen noch verbindlicher zu werden.
- Die Empfehlungen, z. B. für ökologische Einkaufsrichtlinien oder zur Weiterentwicklung unseres Qualitätsmanagements, nehmen wir ernst und wollen sie aktiv weiterverfolgen.

Was der Bericht zeigt und was er nicht zeigt
Mit 332 von 1.000 möglichen Punkten (Eigenbewertung: 370) befinden wir uns auf einem soliden Fundament. Besonders stark sind wir in den Bereichen innerbetriebliche Transparenz, Mitentscheidung, Work-Life-Balance, gemeinwohlorientierte Mittelverwendung, aber auch bei Themen wie ethischer Finanzierung oder Mobilität und Ernährung.
Was der Bericht jedoch nicht in Zahlen ausdrücken kann, ist der Wert des Prozesses selbst. Die Gespräche im Team, das Finden um passende Worte, das Einordnen von Haltungen – all das hat unsere Organisation weiterentwickelt. Und das ist vielleicht das eigentliche Geschenk dieser Bilanzierung.

Unsere Haltung und unser Anspruch
Wir verstehen die Gemeinwohl-Zertifizierung nicht als Abschluss, sondern als Etappe. Ein Meilenstein, der uns Orientierung gibt – aber nicht das Ziel markiert. Denn Wandel ist ein Prozess.
Unser Anspruch bleibt: Wirtschaft neu zu denken, Wirkung in den Mittelpunkt zu stellen und Verantwortung mit Freude zu leben. Dafür stehen wir – als Netzwerk, als Team, als Realizing Progress.
Wir bedanken uns bei allen, die diesen Weg mitgegangen sind – insbesondere bei den Netzwerkpartner*innen, die Zeit, Gedanken und Energie in den Prozess gesteckt haben. Und ein besonderer Dank geht an Timm Jelitschek, der uns in diesem Prozess begleitet hat – mit Klarheit, Tiefe und viel Respekt.
Zum Weiterlesen
Der vollständige Auditbericht ist hier einsehbar: GWÖ Pionier: Realizing Progress. Wir freuen uns über Feedback, Anregungen und den Austausch mit anderen, die sich auf den Weg der Gemeinwohl-Bilanz machen (wollen).