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Google Maps sitzt jetzt auf zwei Rädern – aber nicht so sicher…

© Tourismuszukunft

Wer seit Ende Mai den Mapping-Dienst bei Google benutzt hat, dem dürfte bereits der neueste Bestandteil von Google Maps ins Auge gefallen sein: Die Routenoption für Fahrradfahrer. Mit diesem Feature kann man sich nun auch Radrouten in ganz Deutschland berechnen lassen. Wir haben die neue Erweiterung von Google Maps für euch getestet und uns gefragt: wie gut funktioniert Maps für Radfahrer schon? Und welche Auswirkungen hat das Tool für fahrradorientierte Destinationen?

Die Funktionalität ist schnell erklärt, die Berechnungen verlaufen ähnlich wie für Autofahrer oder Fußgänger. Dabei werden natürlich Fahrradwege und andere radtaugliche Nebenstraßen den vielbefahrenen Bundesstraßen vorgezogen. Auf Android-Smartphones erhält man in der mobilen Version von Google Maps auch eine Navigation per Sprachanweisung. In der Straßenführung und der Routendauer berücksichtigt Google auch Faktoren wie die Art/Beschaffenheit des Weges oder die Anzahl der vorhandenen Kreuzungen auf der Route. Um diesen Schritt realisieren zu können kooperiert Google mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC), der seine aus mehr als 250.000 Kilometer geprüften Radstrecken bestehenden Datensätze dem Mapping-Anbieter zur Verfügung stellt. Außerdem werden die User dazu angehalten, den in der Beta-Version befindlichen Google-Service durch den Map-Maker selbständig zu ergänzen und weiter auszubauen.

Doch wie funktioniert das nun in der Praxis?

Wir haben das neue Google-Feature am Beispiel des Altmühltal-Radwegs getestet, genauer gesagt am Abschnitt zwischen Eichstätt und Riedenburg. Schon auf den ersten Blick fallen die grünen Linien auf, mit welchen Google die jeweiligen Fahrradwege unterscheidet. Dunkelgrüne Linien stehen für Radwege, hellgrüne für spezielle Fahrradspuren. Die gepunktete Linien gelten schließlich als fahrradfreundliche Straßen.
Im Falle des Altmühltal-Radwegs weist Maps allerdings einige Defizite auf, da Google den Fahrradweg vor allem am Anfang der Strecke beinahe zu ignorieren scheint, obwohl dieser in der Karte durch eine Linie klar erkennbar ist. Erst ab Kilometer 12 der Strecke weicht Maps von der Staatsstraße ab und lotst den Radfahrer, wenn auch nur für kurze Zeit, über den realen Radweg entlang der Altmühl. Alles in allem kann man sagen, dass der neue Bestandteil von Google Maps auf dieser (und vermutlich nicht einziger) Strecke bisher leider noch nicht besonders sauber arbeitet.

Google Maps Altmühltal-Radweg

Angenommen Radfahrer würden ähnlich abhängig von Navigationssystemen werden, wie das bei Autofahrern zum Teil der Fall ist, könnte darin eine mögliche Gefahr für Destinationen entstehen. Würden zum Beispiel Fahrradfahrer bei zu lückenhaften Berechnungen der Radroute und einem damit verbundenem Misserfolg der Tour die beteiligte Destination für den Fehler verantwortlich machen, so könnten diese unverschuldet ins falsche Licht gerückt werden.

Unser Tipp: Destinationen, die verstärkt auf den Radtourismus setzen, sollten deshalb die Funktionen des Map-Makers für sich nutzen um im eigenen Interesse eventuelle Datenlücken innerhalb des Google Routensystems zu schließen.

Zu berücksichtigen ist allerdings die Tatsache, dass sich der Routenplaner fürs Fahrrad wie bereits oben erwähnt noch in der Test-Version befindet, Google weist deshalb auch alle Benutzer mit einem freundlichen „Fahren Sie vorsichtig“ auf die Beta-Phase hin. Die Qualität des Services wird sich aber mit Sicherheit noch verbessern, nicht zuletzt wenn die Beteiligung der User am Map-Maker sehr stark ist.

Wer von euch hat denn Google Maps für Fahrradfahrer in den letzten Tagen genutzt? Und hat sich jemand von Destinationsseite schon mal Gedanken über die effektive Nutzung dieses Features gemacht?

Viele Grüße,
Andrea Pfeiler und Tobias Holzmann

12 Kommentare zu
Google Maps sitzt jetzt auf zwei Rädern – aber nicht so sicher…

Ich habe den Raddienst von Google Maps nun schon mehrfach genutzt und auch ich musste bereits mehrfach feststellen, dass die vorgeschlagene Route nicht optimal ist und man dann doch wieder auf einer viel befahrenen Straße landet.

Aber wie du schon richtig sagst, geben wir Mr. Google noch etwas Zeit, um die Geschichte zu optimieren. Der Dienst an sich ist hervorragend und ich denke, ich werde ihn in der Zukunft vermehrt nutzen.

Jan-Philippe Schilt

Die GPX-Dateien sind ja oft schon da – nur kennt Google sie nicht und die Destinationen bauen lieber eigene, verbuggte Apps, anstatt die Dateien zumindest bei den großen Anbietern einzupflegen.

Puh, ich habe schon lange keinen so dummen Vorschlag von euch gehört, wie den an die Destinationen Googles Mapmaker zu benutzen.

Denn das Gegenteil ist richtig.

Warum?

Weil jede Destination gut beraten ist, wenn sie ihre Ortskenntnis (gerade im Fahrradtourismus) in die Opentreetmap steckt und dort die touristischen Wege verbessert.

Denn nur dann gelangt das Know-How auch zum Gast – und zwar via all jenen Portalen und Apps, die sich darum kümmern: von Outdooractive/Alpstein über Bikemap/Toursprung, Komoot, Naviki, Gpsies und Opencyclemap, sie alle setzen auf das OFFENE Datenmodell und nicht auf Google.

Und auch wenn es sich um miteinander konkurrierende Modelle handelt, sind sie sich darin einig, dass Google hier der böse Player ist und die Openstreetmap die einzige sinnvolle Alternative (bzw viel mehr als das, denn sie funktioniert hier sehr viel besser als Google).

Warum? Weil Google sich zwar gerne das Know-How von den Destinationen schenken lässt, die kurzsichtig genug sind den Mapmaker zu nutzen. Aber wenn die Daten erstmal bei Google sind, dann darf die Destination zB nicht mal mehr einen Screenshot davon machen, ohne gegen die AGB von Google zu verstoßen.

Wir Portal-Betreiber überzeugen eine Destination nach der anderen davon, dass das Know-How in die OSM fließen muss. Denn das ist die einzige große, funktionierende und offene (!) Datenbank dafür, die es gibt. Und jeder, der eine gute Idee hat, kann sie dann auf Grundlage dieser Daten umsetzen. Alleine so entsteht Innovation.

Darum, liebes Team von Tourismus Zukunft, hoffe ich, ihr kriegt hier die Kurve und nehmt diesen Tipp ganz schnell zurück, denn er ist wirklich dumm!

Liebe Grüße, Peter

(Disclaimer: ich stecke hinter Bikemap)

Danke euch allen für euer Feedback und die unterschiedlichen Meinungen!

@Peter: Natürlich lohnt es sich für Destinationen die Openstreetmap in dem Bezug zu nutzen, den du vorschlägst.
Speziell in diesem Kontext haben wir uns aber explizit die neue Funktion von Google Maps angesehen und sie hinsichtlich ihrer Praxistauglichkeit getestet, da uns interessiert, wie der Mapping-Dienst hier vorgeht. Dabei konnten wir feststellen, dass die Funktion teilweise noch in den Kinderschuhen steckt und die Radfahrer an ausgewiesenen Radwegen vorbeiführt.

Destinationen müssen hier ja nicht zwingend ihre gesamte Kompetenz auf diesen einen Anbieter legen. Bei Hauptradwegen kann es meiner Meinung nach allerdings sinnvoll sein, die Funktion der Beta-Version zu nutzen und die Routenführung zu optimieren. Es stellt sich die Frage, wie viele der Radfahrer den Dienst wirklich nutzen. Allerdings verstehe ich es als reinen Servicegedanken, um die Radfahrer, wie beispielsweise Mani, die die Funktion nutzen, auf die sinnvolleren Strecken als Bundesstraßen zu führen.

Das heißt nicht, dass Destinationen grundsätzlich nicht auch andere Möglichkeiten, wie die OSM nutzen sollten. Grundsätzlich teile ich den Gedanken der OSM ebenso, aber letztendlich träumen wir doch alle von der EINEN Datenbank und keinem großen Player mit dem bösen Machtgedanken dahinter ;-)!

Viele Grüße,
Andrea

Ich finde es reichlich dumm eine Meinung als dumm zu bezeichnen…

Carolin, dumm nur, dass unsere Kommentare beide je eine Meinung als dumm bezeichnen 😉

Da das Internet für uns ja noch Neuland ist… 😉 Wichtig ist ja erst mal, dass die Daten gut aufbereitet werden. Natürlich wäre es schön, sie an zentraler Stelle zu sammeln, damit wäre (fast) jedem geholfen. Ich habe die Hoffnung auch noch nicht aufgegeben :). Überraschend ist jedoch nicht, dass Google einen eigenen Weg fahren möchte – bleibt nur abzuwarten, ob dieser in eine Sackgasse endet.

Es ist doch ein riesen Unterschied, ob ich einem Wochenend-Ausflüger anspreche oder einem versierten Mountainbiker. Letzterer hat vermutlich einen Account bei Outdooractive und Co., aber die Mehrheit der Freizeitralder wird wohl auf Google Maps zurückgreifen. Von daher muss sich eine Destination doch Anhand der Besucherstruktur und den gegebenen Fahrradwegen fragen, wo die Zielgruppe eher nach Informationen sucht.

nach so einer Funktion habe ich lange gesucht. Die meisten Dienste die solch eine Funktion anbieten sind leider nicht umsonst. Über die Route macht man sich vorher kaum Gedanken. Im letzten Sommer war ich auch der Meinung, dass es doch nicht so schwer sein könnte von NRW nach Norddeich zu fahren. Als es dann jedoch los gehen sollte war ich schon bei den ersten KM überfordert, da Autobahnen ja nicht in Frage kamen und man erst mal einen Anfang für seine Tour finden muss.

Ich kann Peter nur voll zustimmen, es macht wesentlich mehr Sinn die Daten in OSM einzupflegen, als in Google.
Das sage ich nicht nur aus dem eigenen Interesse sondern es macht aus strategischer Sicht und vor allem dem aktuellen Produktstand bei Google Sinn.
Die aktuellen Fahrraddaten in Google wurden vom ADFC gekauft und redaktionell in die Datenbasis eingepflegt. Ich kenne keine Fahrraddaten in Google Maps, die aus Mapmaker stammen, sondern es sind bisher rein redaktionelle Prozesse.
Ich glaube der User wird immer das Produkt verwenden, das seine Bedürfnisse am besten bedient. Um mit dem Rad ins Kino zu kommen, mag das Google Maps sein – um einen Ausflug mit der Familie zu machen oder für den versierten Mountainbiker ist es (noch sehr lange nicht) Google Maps.
Ich stimme auch Jan-Philippe völlig zu, dass es aus Destinationssicht wenig Sinn macht eigene Apps für solche Bereiche zu bauen. Erstens haben diese ohne entsprechendes Marketing keine Rechweite und zweitens traue ich nicht vielen Destinationen und Agenturen zu eine App mit Fahrradrouting und Turn-by-turn Voice Navigation zu bauen. Zumindest sind mir keine erfolgreichen (vom User oft heruntergeladen und verwendet) Beispiele bekannt.
Als Destination sollte ich mir die reichweitenstärksten (da ist mein Gast und sucht wo es schön zum Radeln ist) und besten Apps/Plattformen suchen und dort meine Information bereitstellen. OSM ist da sicher eine sehr gute Adresse.
Lässt man sich die Strecke bspw. mit komoot (ein Teil der Daten stammen von OSM) von Pfalzpaint nach Eichstädt planen verläuft sie entlang des Radweges. http://www.komoot.de/tour/1126628
Es werden alle wichtigen Informationen zur Schwierigkeit und Beschaffenheit direkt mitgliefert.
Komplett ausgearbeitete Touren kann man mit den oben genannten Portalen erstellen.
Mit komoot erhält der User dann auch Turn-by-Turn Voice Navigation wie bei Google. Alle Tools für Destinationen sind bei komoot kostenfrei zu verwenden. http://www.komoot.de/developer/

Beste Grüße,
Markus

(Disclaimer: ich stecke hinter komoot)

Thomas Sehmeier

Hallo,

wir haben uns in der Kommune die Frage auch schon öfters gestellt ob man fehlende Radwege und POIs in GoogleMapMaker aufwändig einpflegen sollte. Am Ende sind wir aber zur Erkenntnis gelangt, dass es wenig Sinn macht. Es sollen die Daten ja nicht nur eingetragen, sondern auch langfristig gepflegt werden. Dazu kam noch das vorhin schon erbrachte Argument, dass man Daten von GoogleMaps kommerziell nur sehr eingeschränkt nutzen darf. Das ist mit Google nicht möglich.

Aus diesen Gründen sind wir von GoogleMaps abgerückt und haben uns OpenStreetMap näher angesehen. Es ist zwar in seiner Onlinefassung weniger bekannt als GoogleMaps, hat jedoch entscheidende Vorteile für uns. Es gibt in unserem Ort (Kreisstadt) eine Vielzahl aktiver Personen die permanent Daten einpflegen und aktualisieren, an die wir mit unserem Anliegen herangetreten sind und auch noch einen Großteil der Arbeit abgenommen haben. Dazu kommt, dass wir die Karten von OpenStreetMap kostenlos drucken und verwenden können wie wir möchten. Wir konnten uns mit Hilfe einiger OSM Tools (z.B. Tilemill von Mapbox) komplett eigene Karten sehr einfach für unsere Informationsstellen zeichnen, mit der wir Wege und POIS nach unserem belieben herausstechen lassen können. Nicht zu vernachlässigen ist auch die Detaildichte, die bei OpenStreetMap im Vergleich zu den kommerziellen Anbietern schon sehr extrem ist.

Was mir auch sehr gut an OSM gefällt ist, dass es inzwischen Anwendungen für Mobiltelefone wie Osmand und Forevermap gibt, welche die Benutzer auf Ihren Handys laufen lassen und je nach Profil (Fußgänger, Radfahrer, Auto) sinnvolle Strecken auswählen und dazu noch entsprechende POIs anzeigen. Der Vorteil im Vergleich zu Google Maps: Es funktioniert alles offline und die Leute generieren für sich keine Internetkosten.

Grüße

Thomas

Als Alternative kann man die besten Radwege seiner Gegend auch selbst erstellen und mit OSM-Karten bei uns einfügen. Verbindet man diese Wege noch mit den historischen Sehenswürdigkeiten und bietet eine App in Augmented Reality an…

Veikko Jungbluth
(Inhaber von veikkos-archiv)

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