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Braucht es noch Destination Management Organisationen? – eine Glosse…

Destination, Destinationen, Zukunft

Daniel08. Mai 2013

Status Quo: Wahnsinn oder Wirklichkeit ūüôā … ?

Der Tourismus ist eine Wahnsinnsbranche. Jedes Jahr verreisen Millionen von Deutschen – nach Deutschland. Dazu noch ein hoher Anteil internationaler Touristen, motiviert durch Gesch√§ftsreisen oder als Leisure Touristen – das ergibt einen starken Wirtschaftsfaktor. Sollte man meinen. Vorletztes Wochenende war eine Konferenz, die sich unter anderem auch mit diesem Thema besch√§ftigt. Vor Ort: 1 bundespolitischer Vertreter und 1 Verbandsvertreter – bei 200 Teilnehmern. Dieses Bild ist symptomatisch: der Patient Deutschland-Tourismus mutet an wie ein Patient nach einem schlimmen Unfall, an dem viele √Ąrzte ihre Operationen und Behandlungen ausf√ľhren – selbstverst√§ndlich nach 25 verschiedenen Behandlungsmethoden. Der eine ist Hom√∂opath, der zweite Chirurg, ein anderer Heilpraktiker, und so fort… Ein Bein des Patienten (man verzeihe die etwas gruselige Analogie) liegt noch verpackt in der Ecke des Raumes. Um die indirekt mit dem Tourismus verbundenen Branchen k√ľmmert sich n√§mlich kaum einer, obwohl diese aus Sicht des Patienten ein wesentlicher Teil seiner Identit√§t sind. Jeder der behandelnden √Ąrzte ist √ľbrigens von einer anderen √∂ffentlichen Instanz legitimiert und finanziert und wei√ü nicht, dass er Kollegen hat. Zumindest benimmt er sich so. Und dann gibt es da noch gro√üe Unternehmen, denen eigentlich nur am Cashflow gelegen ist, der Patient selbst ist kaum von Interesse. Hauptsache das OP-Zimmer (Infrastruktur) wird nicht abgerissen – den Patient macht man selbst und operiert ihn dann auch eigenh√§ndig (Reiseveranstalter).

Ungef√§hr solche Gedanken hegte ich letzte Woche auf dem Destinationcamp beim Besuch der Session „Politik und Finanzierung“ ūüôā . Unwillk√ľrlich musste ich an so manches Erlebnis meiner beruflichen Laufbahn in den letzten 4 Jahren denken: B√ľrgermeister, die einen ITB Stand fordern, um mal nach Berlin zu kommen. ¬†Landr√§te, die Erfolge in der Zahl gedruckter (!) Prospekte messen. Die Liste ist endlos. Ich musste aber auch an tolle lokale Touristiker denken, die mit unendlichem Engagement neue Produkte kreieren und G√§ste begeistern, an Landestourismusorganisationen wie Rheinland-Pfalz Tourismus oder die Tourismusmarketing Niedersachsen GmbH, die ihr Selbstverst√§ndnis in Frage gestellt und sich zu ihrer k√ľnftigen Rolle starke Gedanken gemacht haben und machen. All diese Fragen und Begebenheiten wurden intensiv am Destinationcamp diskutiert. Auf die Anforderung der Moderatoren hin, ein neues Gesch√§ftsmodell / Business Case zu entwickeln, wie das in Zukunft anders darstellbar w√§re, wurde an einen deutschlandweit t√§tigen teil-staatlichen Tourismuskonzern gedacht.

Komplexit√§t und deren Wirkung auf √∂ffentliche Gelder…!

Die Interessenslagen und Wertschöpfungsketten im Tourismus sind hoch komplex und vielfältig, weil es sehr viele mitwirkende Akteure gibt:

  • G√§ste
  • Unterkunftsbetriebe
  • Hotellerie
  • Infrastruktur
  • Points of interest – √∂ffentlich oder privatwirtschaftlicher Art
  • Landwirtschaft
  • Kulturinstitutionen
  • lokale Verb√§nde (Trachten etc. pp.)
  • Lokalpolitik
  • lokale Wirtschaftsverb√§nde (IHK etc. pp.)
  • DMCs
  • TIs
  • LTOs
  • √Ąrzte
  • Krankenkassen
  • Krankenh√§user
  • Sekund√§rindustrie – Schreinerei bis Baustoffhandel
  • Presse, Medien
  • Reisekonzerne
  • OTAs
  • Bundes- und Landespolitik
  • Europ√§ische Union

Es gibt ganz grob drei geographische Cluster in diesen Akteursgruppen:

  • Lokal
  • Land und Bund
  • International

Touristische Themen werden dabei stark abgedeckt von Tourismusorganisationen sowie den lokalen Betrieben. Deren Ziele sind völlig unterschiedlich, jedoch werden einige davon aus denselben Töpfen finanziert und arbeiten teils sogar gegeneinander. Das ist kurios, sind das doch alles öffentliche Gelder. Auf den gleichen und auch unterschiedlichen Ebenen bauen diese Institutionen das gleiche Wissen auf, bauen Parallelstrukturen auf usw. Рobwohl es eigentlich nur um zwei große Visionen gehen sollte:

  1. mehr Wertschöpfung in Deutschland durch den Tourismus zu induzieren
  2. unsere deutschen und internationalen Ebene G√§ste gl√ľcklicher zu machen

Ein Tourismuskonzern als L√∂sung… ?

Es mag eine vision√§re Vorstellung sein… aber was w√ľrde passieren, wenn sich der Bund entscheidet, all die Mittel in eine Hand zu geben, die momentan auf lokaler, regionaler und landesweiter Ebene vergeben werden? Ich zeichne mal ein Bild…

  • Diese zentrale Gesellschaft gr√ľndet dann einerseits einige zentrale Business Units, die unter der Ausnutzung von Transaktionskosteneffekten zentrale Funktionen des Deutschlandtourismus liefern. Solche Units w√§ren unter anderem: Marktforschung und Entwicklung, CEO / Strategy, Measurement und Controlling, Lobbying & Politics, HR, Recht, Netzwerkmanagement und Partnerkommunikation, Finanzierung und F√∂rderung, …
  • Dar√ľberhinaus k√∂nnte es f√ľr Gro√üregionen, die sich aus der touristischen Praxis des GASTES heraus ergeben, sowie f√ľr die Auslandsm√§rkte, jeweils eine Keyaccount-Abteilung geben. Damit wird die Arbeit losgel√∂st von unsinnigen politischen Grenzen und nur noch die Aufgaben auf regionaler Ebene bearbeitet, die tats√§chlich regional / lokal bei geringeren Kosten zu bearbeiten sind. Gleiches w√§re denkbar f√ľr zentrale Produkte bzw. Themen wie z.B. Radfahren, Wandern etc.
  • Die Einheit „lokale TI“ k√ľmmert sich um die Ausgestaltung von bundesweit einheitlichen Informationsb√ľros mit einem zentralen Kunden-Informations-System und entsprechender Kundenbeziehungsarbeit vor Ort.
  • Strategien zur Umsetzung dieses Vorhabens m√∂gen unter anderem sein: Forschungsprojekte zur Wertsch√∂pfung und Kosteneffizienz, Verstaatlichung von teuren Kompetenztr√§gern (Tourismuszukunfts und Co. ūüôĀ ), Wahlkampf und Bedeutung des Tourismus darstellen, Berechnung wieviel Wertsch√∂pfungsabfluss vermieden werden kann durch Bildung eines starken Gegenpols gegen Konzerne wie Booking und Co., …

Soweit erstmal… wie machen wir weiter? Wer sponsort den Thinktank dazu? Ich w√ľrde mich gern einbringen… ūüôā

Viele Gr√ľ√üe,

Daniel Amersdorffer

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22.07.2013

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11.06.2013

Big Data im Tourismus auf den VIR Online Innovationstagen 2013

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