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Mobiles Internet im Tourismus – über die Sinnlosigkeit von nativen Apps am Beispiel der ÖW-WebApp

Zur ITB 2011 veröffentlicht die Österreich Werbung eine WebApp, erstmal  speziell angepasst  für das iPad. Jeder Stand in der Österreich Halle wartet mit einem iPad und der dazugehörigen brandneuen WebApp auf die Besucher. Um Missbrauch zu vermeiden wurde auf der ITB die Webapp über eine App aufgerufen (=hybride App) und der Home-Button per Metallcase „gesperrt“.

ÖW WebAPp

Bisher war die Österreich Werbung mit iAlps und iSki vertreten – setzte hier also auf native Apps. Zudem gab es bisher auch die austria.info in einer mobilen Version. Die WebApp geht neue Wege – statt einer nativen Applikation wurde hier auf eine WebApp, erstmal optisch speziell für das iPad gelayoutet, gesetzt.

Manch einer wird jetzt fragen, warum keine native iPad App, wenn doch iPads auf den Messeständen vorhanden sind? Die Vorteile von WebApps liegen, im Anbetracht des aktuellen App-Wahns, wahrscheinlich nicht direkt auf der Hand. Wer etwas von sich hält veröffentlicht zumindest eine iPhone, wenn nicht sogar eine Android App. Ist es doch, so wird vermutet, für den Benutzer einfacher eine App im gewohnten App Store herunterzuladen. Außerdem können native Applikationen einen ganz anderen Standard erreichen, als WebApps. Immerhin sind WebApps einfach nur für mobile Endgeräte angepasste Webseiten und keine Programme.

Think again! Wir haben uns in unserer Studie über mobile Applikationen im Tourismus  mit Vor- und Nachteilen von nativen, hybriden und Web-Apps beschäftigt. Zwar befinden wir uns weiterhin in der Hochphase von nativen Applikationen, jedoch sind wir davon überzeugt: Die Welle appt ab – Problematiken, wie die immer weiter fortschreitende Zensur von Apple auf ihren „walled garden“ und die für 2011 erwartete Diversifizierung des Tablet Marktes durch Konkurrenzprodukte anderer Hersteller, werden die Verbreitung und den Erfolg von WebApps vorantreiben. Bisher haben immer offene Standards langfristig mehr Einfluss ausgeübt als geschlossene Systeme.

Einige Vorteile von WebApps kurz zusammengefasst:

  • Kompatibel zu ALLEN Plattformen (mit HTML5 fähigem Browser)
  • Programmcode in HTML5 und CSS
  • Einmaliger (geringer im vgl. mit XCode Touch o.ä.)  Programmieraufwand
  • Anpassung an Displaygrößen mit CSS
  • Zugriff auf APIs der Smartphone Sensoren – GPS und co. also auch per Webseite nutzbar!
  • Offline-Funktionalität
  • Direkte Distribution
  • Einfache Wartung/Updates
  • Weiter wachsender Funktionsumfang von HTML5

Die WebApp der Österreich Werbung zeigt, dass eine native App nicht mehr unbedingt notwendig ist. Das Look and Feel, der Funktionsumfang und die Bedienung kommen  einer nativen App gleich, kann aber mit jedem Tablet mit HTML5-fähigem Browser angesehen werden . So hat die ÖW WebApp bestimmt auch nach der ITB  noch eine Zukunft als Österreich Informationsmedium für Tablets und auch weitere mobile Endgeräte mit HTML5 Fähigkeiten….

Wer sich kein eigenes Bild auf der ITB machen konnte, kann unter folgendem Link die WebApp ausprobieren (funktioniert auch im normalen Browser): http://sommer.austria.info/itb/vendor_ep.php?id=79

Viele Grüße,

Daniel

PS. Ja. ein wenig provokant der Titel 😉

9 Kommentare zu
Mobiles Internet im Tourismus – über die Sinnlosigkeit von nativen Apps am Beispiel der ÖW-WebApp

Die ÖW iPad Lösung wurde von der Österreich Werbung und e-pixler entwickelt. Da ich von Seiten der ÖW maßgeblich daran beteiligt war, hier mein persönliches Fazit:

Die iPad App war ein erster Schritt, den fast 40 Ausstellern am Österreich Stand, eine zusätzliche Präsentationsmöglichkeit ihres Angebotes zu ermöglichen. Über 2000 Bilder, Broschüren, Pressetexte, Verkaufsunterlagen, Hörbeiträge, Videos und Links wurden hinterlegt. Diese konnten direkt angezeigt oder versendet werden. In Zeiten, in denen so manch einer noch nach der Anzahl der verteilten Papier-Prospekte bemessen wird, konnte noch nicht jeder Aussteller den Nutzen für sich erkennen. Aber es gab auch Aussteller, die für sich die Vorteile überzeugend bei der Kundenberatung nutzen konnten: Hier ein Blick auf die Karte, dann mal schnell die Buchungsabfrage auf der eigenen Seite nutzen, dann mal schnell ein Video und ein paar Bilder und den Prospekt direkt nach Hause gesendet. Denn Papierprospekt noch in die Hand und weiter geht’s. Gibt es eigentlich schon Seminare für „interaktive Messepräsentationen“?

Hier wurde das Messeerlebnis an die reale Mediennutzung der Besucher angepasst. Es wurde gezeigt, welche Erlebniswelten vor Ort zur Verfügung stehen und wie der Nutzer zu Hause mit den bestehenden Internettools das Erlebnis bis zur Buchung vervollständigen kann. Ich glaube daran, dass diese eine Art der Präsentation sich zunehmend durchsetzen wird. Auch weil es die Gruppe der „sinnlos tütenweise prospektesammelden Besucher“ ein Stück ausschließt.

Ob dies nun mit einem iPad oder in künftigen 3D Nebelwelten geschieht, sehe ich eher zweitrangig. Sollte sich in den nächsten Jahren eine entsprechende Nahfunktechnologie durchsetzen, wäre die Übergabe an das Smartphone schon ein persönlicher Traum. Und die papierlose und jüngere Messe wäre nicht mehr weit entfernt…

Nachtrag: Für den Aufruf mit dem iPad bitte http://sommer.austria.info/itb2/ nutzen.

Ja, macht Sinn. Bin mal gespannt, wie sich das auf den Verkauf von iPhone + co auswirkt. Bisher punktet Apple vor allem mit dem immensen Vorsprung im Bereich der Apps…

Gleiches gilt natürlich auch für Hotels. Auch hier scheint der App-Wahn die Runde zu machen, alle wollen eine iPhone-App. Wie die mobile Seite aussieht, interessiert scheinbar (noch) die wenigsten…

Wolfgang Schlösser hat im Hotel Newsroom als Co-Autor bereits im letzten Jahr (http://www.hotel-newsroom.de/mobile-marketing/web-apps-native-apps-und-der-mehrwert-fur-hotelgaste/) auf das Thema hingewiesen und ich kann mich seiner Aussage „WebApp ist Pflicht – iPhone App ist Kür!“ nur anschließen: http://www.hotel-newsroom.de/mobile-marketing/mobile-das-nachste-grose-ding-auch-fur-die-hotellerie-iv/

Daniel

@Sören – mal abseits der Umweltschutzaspekte sicher ein toller Gedanke. Jedoch glaube ich, dass der Schritt von der virtuellen Präsentation auf realen Messen zu einer völlig anderen, wie auch immer gearteten Messeform dann nciht mehr groß ist. Ich glaube, es ist wieder mal nur ein weiteres Zeichen für den Wandel vom klassischen zum aktuellen Marketing – weg von der Messe, weg von Print, hin zur Medialisierung. Glaubst du wirklich, dass die Zukunft der Messe in iPad bevorratenden oder Informationen an Smartphones transferierenden Messeständen mit entsprechender zusärtlicher personeller Deckung besteht? Ich finde dass ist so ähnlich wie… eine Solaranlage, die zur Stromversorgung eines Kohlekraftwerkes installiert wurde… irgendwie. Es mutet für mich absurd an diese Vorstellung zu Ende zu denken. Hm. Du hast mich zum Nachdenken gebracht.

Abseits dieser Gedanken – super Projekt. Habt ihr per HTML 5 auch GPS integriert?

LG Daniel

Daniel

@Sören – noch eine Frage – wollt ihr die Webapp in ähnlicher Form (Layout/ Design) auch auf andere Tablets bringen bzw. inwieweit plant ihr entsprechend des jeweiligen Geräts das Design anzupassen? – ich finde dies nicht sinnvoll, gleich vorneweg. Lieber einmal eine clevere Navigation / Usability und diese überall durchziehen.

Kennst du den OpenappMKT?

LG Daniel

Hallo Thomas, da die IPAD’s fest in Halterungen eingebaut waren machte eine GPS-Funktionalität nicht wirklich sinn.
Wir haben statt dessen beim starten der App den Standort per Auswahlfeld abgefragt.

@Daniel – Wir werden erst in den nächsten Tagen entscheiden, ob und wie wir diese App weiterentwickeln. OpenappMKT könnte dann sicher ein Vertriebskanal sein.

lg Sören

Sehe ich ganz anders. Apple hat 200 Millionen angemeldete iTunes-Benutzer mit Kreditkarten-Daten (1-click-purchasing ist hier das Stichwort). Wenn ich also ein Interesse daran habe, meiner Zielgruppe eine herausragende User Experience zu bieten und zusätzlich am Erlös mitzuverdienen (Apple hat bisher 2.000.000.000 US$ Anteile an die Entwickler ausbezahlt), komme ich an nativen Apps nicht vorbei.

Hinzu kommt, dass das Involvement bei einer App (bisher) mit einer HTML5-Umsetzung nicht zu vergleichen ist. Weiterer Vorteil von Apps: funktionieren auch ohne Datenverbindung (was gerade im Tourismus eine große Rolle spielt, da WLAN bekanntlich leider selten zur Gratisleistung in Hotels gehört).

Klarer Vorteil der WebApps: niedrigere Entwicklungskosten.

Daniel

Hi Florian, One-Klick-Payment ist sicherlich noch ziemlich starkes Argument, glaube aber auf Kurz oder lang muss Apple dies auch für Webapps ermöglichen, sonst wirds schwierig. Ansonsten stimme ich dir nicht zu. ich glaube dass man mit gutem Einsatz von HTML5 und guter Usability sogar Apps übertreffen kann. Offline Sync ist aktuell mit hybriden Apps machbar – also aufrufen der WebApp in Appframe. Wird zukünftig aber auch so möglich sein, da HTML5 unter anderem Zugriff auf Gerätespeicher ermöglicht. Ebenso auf GPS und Kamera. … Zumindest wird dass so diskutiert auf den amerikanischen Mobile Blogs zu HTML5 Webkit und Konsorten.

LG Daniel

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Daniel